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OBDACHLOSE HAUSKATZEN: Stubentiger ohne Stube - Streunende Katzen besiedeln Region Rorschach

Über hunderttausend herrenlose Katzen soll es in der Schweiz geben. Gemäss Tierschützern hat auch die Region Rorschach wild lebende Büsis. In Naturschutzgebieten dürfen sie erschossen werden.
Martin Rechsteiner
In der Region Rorschach gibt es mehrere Populationen von streunenden Katzen. (Bild: Ralph Ribi/Symbolbild)

In der Region Rorschach gibt es mehrere Populationen von streunenden Katzen. (Bild: Ralph Ribi/Symbolbild)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@tagblatt.ch

In der Schweiz gibt es viele Katzen. Sehr viele sogar. Über 1,5 Millionen Büsis sollen es sein. Hinzu kommen herrenlose Exemplare. Laut einer Mitteilung zweier Schweizer Tierschutzorganisationen sollen es nicht wenige sein: Zwischen 100000 und 300000 streunende Katzen vermuten sie hierzulande. Macht man die Rechnung für die Region Rorschach, wären zwischen Thal und Steinach also zwischen 100 bis 300 Katzen unterwegs, die niemandem gehören.

«Von einer so hohen Zahl müssen wir zum Glück nicht ausgehen. Wie viele es sind, wissen wir aber nicht genau», sagt Markus Mebold, Präsident Tierschutz Rorschach und Umgebung. «Streunende Katzen sind eine der grössten Herausforderungen für uns Tierschützer.» Denn sie können Krankheiten übertragen und vermehren sich unkontrolliert und das teilweise sehr rasch. «Stellen Sie sich vor», sagt Mebold, «wenn ein Katzenpaar pro Jahr zweimal Nachwuchs bekommt und jeweils drei Kätzchen pro Wurf überleben, dann ergibt das nach sieben Jahren eine Population von über 420000 Tieren, wie der Schweizerische Tierschutz einmal vorgerechnet hat.» Der Verein fordert deshalb eine Kastrationspflicht.

Katzenpopulation in Untereggen

Mitglieder des Tierschutzes sind bemüht, die Streuner einzufangen und zu kastrieren. Ebenfalls untersuchen sie die Tiere auf Krankheiten und lassen sie impfen. «Bei einer Population in Untereggen grassierte in der Vergangenheit schon die Katzenseuche», sagt Mebold. Sie ist stark ansteckend und verläuft meist tödlich für die betroffenen Tiere. Für den Menschen besteht keine Gefahr. «Natürlich macht die Seuche auch vor gesunden Katzen mit Zuhause nicht halt, wenn diese auf erkrankte Streuner treffen. Allerdings sind Tiere mit Besitzer grösstenteils gegen die Krankheit geimpft.» Die Population in Untereggen gibt es laut Mebold noch, sie bestehe derzeit aus etwa drei bis fünf Tieren. Und diese seien vermutlich gesund. «Erkrankte Exemplare, die wir in der Vergangenheit gefunden haben, mussten wir meist erlösen, weil sie in einem dermassen schlechten Zustand waren.»

Eine weitere Gruppe herrenloser Tiere lebt im Rorschacher Neustadtquartier. Wie viele Katzen es dort sind, kann Mebold nicht sagen. «Wir versuchen zurzeit, möglichst viele einzufangen und sie zu kastrieren. Vergangenes Jahr haben wir sieben Stück erwischt.» Stets sei der regionale Tierschutzverein bemüht, die Tiere danach unterzubringen.

«Katzen sind Überlebenskünstler»

Besitzer sollten ihre Katzen immer impfen, kastrieren und mit einem Chip versehen, sagt Mebold. «So sind sie gegen Krankheiten geschützt und ihr Halter kann bestimmt werden, wenn sie einmal ausbüxen.» Denn Katzen seien freiheitsliebende Tiere. «Dass sie verschwinden oder ihre Besitzer für längere Zeit verlassen, wenn es anderswo besseres Futter gibt, kommt ab und zu vor.» Er hält Leute an, fremde Katzen nicht zu füttern, wenn sie vor dem Haus herumschleichen. «Auch wenn sie noch so süss sind.» Falls ein unbekanntes Tier immer wieder komme, solle der Tierschutz verständigt werden.

Viele Tiere würden jedoch auch unfreiwillig herrenlos. «Oft werden überzählige Katzen irgendwo ausgesetzt», sagt Mebold. Doch sie seien Überlebenskünstler, die gut ohne den Menschen zurechtkämen. «Streuner überleben auf Bauernhöfen oder in Siedlungen, ohne dass das den Leuten dort gross auffällt.» In Heustöcken, Schuppen oder sogar Kellern fänden sie unbemerkt Unterschlupf. Und, manche verwildern sogar und leben dann im Wald.

Jäger dürfen schiessen

Thomas Christen von der Abteilung Tierschutz des Veterinäramts des Kantons St. Gallen weiss, dass streunende Katzen die Tierschützer beschäftigen. «Unter anderem ihnen haben wir es in der Schweiz zu verdanken, dass nicht dieselben Zustände herrschen wie etwa in Osteuropa», sagt er. Dort könne man von Streuner-Problemen sprechen, in der Schweiz jedoch kaum. Hierzulande seien die Zahlen sogar eher rückläufig. Auch in der Region Rorschach gebe es, verglichen zu anderen Gebieten im Kanton, nicht übermässig viele Katzen ohne zu Hause.

«Aber natürlich, Streunerkatzen gibt es, und wenn sie sich stark vermehren, werden sie zum Problem. Besonders dann, wenn sie sich in einem Naturschutzgebiet niederlassen und dort das Ökosystem stören», sagt Christen. In diesem Fall hätten die Jäger im Kanton St. Gallen denn auch die Erlaubnis, die Tiere zu schiessen.

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