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«Obama ist die richtige Wahl»

USA/REGION RORSCHACH. Die US-Bürger haben Barack Obama erneut zu ihrem Präsidenten gewählt. Menschen aus der Region Rorschach, die in den Vereinigten Staaten leben, und Amerikaner, die am Bodensee zu Hause sind, hätten ihm ihre Stimme auch gegeben.
Linda Müntener

Karin Morrow ist in Rorschach aufgewachsen und lebt seit 1982 in Tyler im Bundesstaat Texas. «Die Präsidentschaftswahlen waren in den letzten Monaten natürlich Hauptthema in den Medien», sagt sie. «Ich finde es wichtig zu wählen und habe selber vorzeitig gewählt, da ich am Wahltag nicht in Texas war.» Texas ist republikanisch, Karin Morrows Stimme ging aber an den Demokraten Barack Obama. «Er hat vier weitere Jahre verdient, um seine Ziele zu erreichen.» Dazu sollen laut Karin Morrow sicher die Reduzierung der nationalen Schulden, die Schaffung weiterer Arbeitsplätze, Abzug der Truppen aus Afghanistan und eine Krankenversicherung für alle Amerikanerinnen und Amerikaner gehören.

Den Menschen gesehen

Nicht nur in Amerika, sondern weltweit wurden die Wahlen verfolgt. Auch der St. Galler Kantonsratspräsident Felix Bischofberger hat sich mit der Wahl befasst. « Am Morgen habe ich als erstes das Radio angemacht, um das Resultat zu erfahren.» Dass Obama das Rennen gemacht hat, überrasche ihn nicht. «Ich hätte sogar ein noch deutlicheres Ergebnis erwartet.» Seiner Meinung nach hat Obama nicht nur durch seine Politik, sondern vor allem durch sein Auftreten überzeugt. «Bei Romney sah man mehr den Wirtschafter, bei Obama hingegen den Menschen – den Amerikaner.» Felix Bischofberger hätte für Obama gestimmt, genauso wie Roman Elsener. Der Rorschacher Journalist wohnt seit 16 Jahren in New York, wurde aber nie Amerikaner und konnte deshalb nicht wählen. Mit dem Ergebnis der Präsidentschaftswahl sei er zufrieden. «Ich glaube, dass Obama in den nächsten vier Jahren einiges in den Bereichen Arbeitslosigkeit und Infrastruktur bewegen kann, da er sich nun nicht mehr so stark um seine Wiederwahl kümmern muss.» Die Präsenz der Wahlen in den amerikanischen Medien findet er übertrieben. «Mich hat es etwas genervt, dass schon seit einem Jahr in allen Fernsehprogrammen so intensiv über die Wahlen berichtet worden ist. Drei bis vier Monate im voraus hätten meiner Meinung nach gereicht.»

Obama der bessere Entertainer

Das grosse Medieninteresse ist auch dem Goldacher Poetry Slammer Renato Kaiser aufgefallen. «Mich überrascht es, dass die Präsidentschaftswahl in ganz Europa ein so grosses Thema ist, denn für uns wird sich ja wahrscheinlich nicht allzu viel verändern.» Das Ergebnis sieht er positiv. «Ich finde es aber gut, dass kein Mormone gewählt worden ist und sich Amerika nicht wieder mit Diskussionen über Abtreibung oder Homosexualität rumschlagen muss.» Zudem sei Obama einfach der bessere Entertainer. «Und nicht zuletzt hat Mitt Romney eigentlich alles falsch gemacht, was man hat falsch machen können.» Deshalb sei es erstaunlich, dass die Entscheidung doch eher knapp ausgefallen ist. «Ich glaube, das liegt daran, dass sich viele Amerikaner immer noch damit schwertun, einen Dunkelhäutigen zu wählen. Wäre Obama weiss, hätte er vermutlich noch mehr Stimmen erhalten.»

Dieser Meinung ist auch Hazel Dietrich aus Berg. «Viele Amerikaner wollen keinen schwarzen Präsidenten. Dabei kommt es auf die Hautfarbe doch überhaupt nicht an. Egal, ob schwarz oder weiss, Mann oder Frau – was zählt, ist die Persönlichkeit.» Die 36jährige Amerikanerin aus dem Bundesstaat Oregon zog vor elf Jahren in die Schweiz. An der diesjährigen Präsidentschaftswahl konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. «Meine Stimme hätte ich aber auch Obama gegeben. Er ist einfach viel menschlicher als Mitt Romney.» Obama zeige Mitgefühl und bringe wirklich einen Wechsel ins Land. «Amerika hat die richtige Entscheidung getroffen.» Noch nie zuvor ist in den USA ein Präsident wiedergewählt worden, wenn die Arbeitslosenquote bei rund acht Prozent lag.

Nicht alle Erwartungen erfüllt

Der Rorschacher Politikwissenschafter Silvano Moeckli erklärt, warum Obama seiner Meinung nach trotzdem das Rennen gemacht hat: «Obamas Kampagne ist es gelungen, den Leuten bewusst zu machen, dass ein Teil der Probleme, die das Land aktuell beschäftigen, auf George W. Bush zurückzuführen ist.» Ausserdem habe es Mitt Romney nicht geschafft, eine solche Wendestimmung wie Obama vor vier Jahren zu erzeugen. «Damals hatte er vor allem die sogenannte Regenbogenkoalition, das heisst Dunkelhäutige, Latinos und junge Menschen, als Wähler gewinnen können», erklärt Moeckli. Als Romney aufholte, sei genau diese Zielgruppe aus Angst vor dessen Wahlsieg wieder mobilisiert worden. Auch Silvano Moeckli ist zufrieden mit dem Ergebnis. «Zwar hat Obama in den vergangenen vier Jahren nicht alle Erwartungen erfüllt, unterm Strich aber einen guten Job gemacht.»

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