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Nur das Minimum wird für Flüchtlinge getan

«Demo für bessere Zukunft», Ausgabe vom 8. Oktober
Matthias Fässler, Falkenburgstrasse 4, St. Gallen

«Demo für bessere Zukunft», Ausgabe vom 8. Oktober

Ein kunterbuntes und teils wirres Stimmungsbild, das sich da zur Demonstration aus Mörschwil ergibt. Eine Ergänzung, zumindest zu den beiden letzten Leserbriefen, wäre der Brief mit Poststempel aus Mörschwil, der den Organisatoren der Demo anonym zugesandt wurde. «Zurück mit faulen Asylschmarotzern aus Afrika!» heisst es darin. Die Stimmungsmache – auch angetrieben durch die tendenziösen Aussagen des Gemeindepräsidenten in dieser Zeitung – und die Spaltung in «gute» und «schlechte» Helfer ist nicht im Sinne der Organisatoren der Demonstration. Vielmehr glauben wir, dass es eine Systematik gibt, die sich nicht nur in Mörschwil bemerkbar macht, von offizieller behördlicher Seite nur gerade das Mindeste für die Unterbringung für Geflüchtete zu machen. Aus dieser Erkenntnis, aus dem Versagen der Gemeinde sind letztlich auch die Initiativen Freiwilliger entstanden. Dieses behördliche Versagen möchte die Demonstration kritisieren, das Thema aber auch in einen grösseren Kontext stellen und damit die allgemeine Frage nach menschenwürdiger Unterbringung von Geflüchteten in der reichen Schweiz, in den reichen Gemeinden stellen. Sie ist in dem Sinne kein Widerspruch oder keine Kritik an Initiativen wie der Spurgruppe, sondern die logische und politische Folge davon. Dass wir als politische Gruppe andere Formen der Kritik wählen, liegt in der Natur der Sache. Wir hätten uns von der Gemeinde einen offeneren Umgang mit dieser Kritik gewünscht, es hätte den nun entstandenen Polemiken Wind aus den Segeln genommen. Stattdessen schmückt sie sich mit dem solidarischen und erfreulichen Einsatz von Einzelpersonen und damit mit fremden Federn.

Es ist löblich, dass Herr Rüedi die Flüchtlinge am Tag der Demonstration schützen will. Doch vor was und vor wem? Vor einer Gruppe solidarischer Menschen, die sich – nicht nur in Mörschwil – immer wieder für Geflüchtete einsetzt und dabei nicht von «ihren» Flüchtlingen spricht? Vor Menschen, die Gegenstände sammeln, um diese den Geflüchteten zu überbringen? Vor Leuten, die bereits seit langem mit den Bewohnern in Kontakt stehen, sie persönlich kennen, mit ihnen Tee getrunken und über Fussball geredet haben? Die Demo ergibt Sinn, weil sie die Gemeinde Mörschwil kritisiert. Sie ergibt auch Sinn, weil sie sich solidarisch erklärt mit den Einzelpersonen und -initiativen, die sich besser um die Geflüchteten kümmern als die Behörden.

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