Nur am Rande von der Flüchtlingswelle betroffen

Peter Illitsch informierte über die Aufgabe der Caritas in der Flüchtlingshilfe im Kanton. Persönliches Engagement ist wichtig – im kleinen Rahmen.

Jonas Manser
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Freiwillige Mörschwilerinnen und Mörschwiler helfen den Flüchtlingen unter anderem, Deutsch zu lernen. Bild: Urs Bucher (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Freiwillige Mörschwilerinnen und Mörschwiler helfen den Flüchtlingen unter anderem, Deutsch zu lernen. Bild: Urs Bucher (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

«Würdest du deine Heimat verlassen?» Mit dieser Frage steigt Peter Illitsch in sein Referat ein. Im katholischen Pfarreisaal in Mörschwil haben sich am Montagabend mehrere Dutzend Zuhörer eingefunden. Beim Informationsabend «Flüchtlinge unter uns» führt Illitsch, Leiter Diakonie und stellvertretender Geschäftsleiter der Caritas St. Gallen-Appenzell, in das Thema der Flüchtlingshilfe in der Schweiz ein. Die Flüchtlingskrise habe viele Leute auf das Thema aufmerksam gemacht, beginnt Illitsch. Es gab eine grosse Welle an Freiwilligen, alle wollten sie helfen.

«Doch viele waren sich nicht bewusst, dass die Flüchtlingsbewegung die Schweiz nur tangierte», sagt Illitsch. Die Schweiz beherberge laut Statistik lediglich drei Prozent aller Flüchtlinge in Europa. Auch die Gemeinde Mörschwil beherbergt Flüchtlinge. Doch die Asylunterkunft Edelweiss geriet in die Kritik: Sie soll «ziemlich schäbig» sein und den Flüchtlingen zu wenig Platz bieten (Tagblatt vom 12. Juni). Die Gemeinde Mörschwil reagierte und leitete Massnahmen zur Verbesserung der Lage ein.

Flüchtlinge in Mörschwil haben keine Beschäftigung

Auch bei der Fragerunde am Schluss des Vortrags von Peter Illitsch wurde Gemeinderat Thomas Oesch auf die Situation «Edelweiss» angesprochen: Die jungen Männer im Asylheim seien den ganzen Tag ohne Beschäftigung. Ob die Gemeinde vorhabe, etwas dagegen zu unternehmen. «Mörschwil hat nur limitierte Ressourcen, was die Flüchtlingshilfe betrifft», antwortete Oesch. Es bereite grossen organisatorischen Aufwand, die Flüchtlinge zu beschäftigen. Die Gemeinde sei froh über die Hilfe der vielen Freiwilligen und habe zudem vor, eine Teilzeitstelle zu schaffen, welche sich der Flüchtlingshilfe widmen werde. In Mörschwil verfügen rund zwei Drittel der Flüchtlinge über den Status N. Das bedeutet, dass sie, in Asylzentren untergebracht, auf einen Entscheid des Bundesamtes für Migration warten. Vor etwa einem Jahr rief die Regionalstelle der Caritas eine Koordinationsstelle für die Flüchtlingshilfe ins Leben. In der Schweiz habe jeder Kanton für die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge zu sorgen. Der Kanton wiederum kann entscheiden, ob er diese Aufgaben an die Gemeinden weitergibt, erklärte Illitsch. Im Kanton St. Gallen seien die Gemeinden dafür zuständig. Die Aufgabe der Caritas St. Gallen-Appenzell sei es – nebst den eigenen Hilfsprojekten – den Kanton, die Gemeinden und die Freiwilligen zu koordinieren und ein «Mitenand» zu schaffen, sagt Illitsch. Er betont, dass freiwillige Flüchtlingshilfe nur bis zu einem gewissen Grad sinnvoll sei. Auch freiwillige Arbeit, die etwas bewirken soll, brauche viel Koordination. Wichtig sei, Flüchtlinge auf persönlicher Ebene zu integrieren. Anlässe im kleineren Rahmen hätten meistens den grösseren Effekt. Flüchtlinge seien erwachsene, intelligente Menschen, die auch als solche behandelt werden sollten.