Nun hat die Gehrer-Nachfolge Priorität

Die St. Galler CVP hat die Ständeratswahlen abgehakt. Nun rücken die Regierungsratswahlen in den Fokus. Kein bequemer Wiederwahl-Spaziergang – Finanzchef Martin Gehrer kehrt der Politik den Rücken. Die ersten Kandidaten bringen sich in Position.

Regula Weik
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ST. GALLEN. Martin Gehrer hatte seinen Entscheid, sich beruflich verändern zu wollen, früh bekanntgegeben – bereits Mitte März. Seither ist es ruhig. Fast schien es, die CVP habe den Mantel des Schweigens über die Regierungsratswahlen gelegt. Verschiedentlich wies die Partei darauf hin, es eile nicht. Dem ist so. Erst kurz vor Weihnachten müssen Kandidaturen dem Kanton gemeldet werden.

Doch nun, nachdem die CVP mit ihrem Verzicht auf den zweiten Ständeratswahlgang die nationalen Wahlen ad acta gelegt hat, kommt Bewegung in die Sache. Durch die Kantonalpartei selber; jetzt gelte es, «die Kräfte zu bündeln für die Kantons- und Regierungsratswahlen», begründet die Partei ihren Verzicht (Ausgabe von gestern). Aber auch durch die Kreisparteien; so erklärt die Regionalpartei St. Gallen-Gossau morgen, wen sie am liebsten als neuen Regierungsrat sähe.

Die Region St. Gallen legt vor

Weit oben auf ihrem Wunschzettel – und wohl auch auf jenem der Kantonalpartei – dürfte ein Mann gestanden haben, dem gute Chancen nachgesagt wurden, der sich aus gesundheitlichen Gründen aber aus dem Rennen nehmen musste: Der St. Galler Stadtrat Nino Cozzio.

Wahlkampferprobt – sie kandidierten beide für den Nationalrat – sind Nicolo Paganini und Bruno Damann. Olma-Direktor Paganini wird nachgesagt, das Bundeshaus reize ihn mehr als die Pfalz. Damann, Arzt und Kantonsrat, bringt als Gossauer Stadtrat Exekutiverfahrung mit. Wer ein Handicap sucht, stolpert möglicherweise über seinen Jahrgang 1957 – Damann ist damit ein Jahrgänger des abtretenden Finanzchefs. Frei vom «Altersmakel», aber nicht frei von Ambitionen ist der Gaiserwalder Gemeindepräsident Boris Tschirky.

Mögliche weitere Interessenten

Das Regierungsamt dürfte aber auch Kandidatinnen und Kandidaten aus anderen Regionen locken. So wird Thomas Ammann immer wieder Interesse am Regierungsamt nachgesagt. Der Rüthner Gemeindepräsident ist frisch in den Nationalrat gewählt; seine Bewerbung würde daher wohl da und dort Kopfschütteln auslösen.

Die CVP hatte mit Blick auf den Wahlherbst Frauenförderung grossgeschrieben. Es finden sich bei ihr auch Frauen mit Exekutiverfahrung, so die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann; sie scheint abgewinkt zu haben – für den Moment. Oder die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer; ihre Bekanntheit dürfte (noch) nicht für eine Regierungsratskandidatur ausreichen. Eine Frau, die bestimmt weiterhin politische Ambitionen hegt, erst recht nach ihrem Abschneiden in den Nationalratswahlen, ist die Rapperswiler Kantonsrätin Yvonne Suter. Da und dort fällt ein weiterer Name von ennet des Ricken, jener von Peter Göldi, Gemeindepräsident von Gommiswald. Offen ist, ob parteiintern zwei Regierungsräte aus dem Linthgebiet genehm wären.

In zwei Wochen ist entschieden

Ausgedreht hat das Kandidatenkarussell Anfang November: Dann bestimmen die kantonalen Delegierten, mit wem die Partei in den Regierungswahlkampf steigt. Heute schon klar ist: Es wird mindestens ein Zweierticket sein; es gibt keine Indizien, dass Volkswirtschaftsdirektor Beni Würth nicht mehr antritt.