Nun beginnt die Suche nach dem heissen Wasser

ST.GALLEN. Am Dienstag haben in St.Gallen die Produktionstests für das geplante Geothermie-Kraftwerk begonnen. Die Tests sollen Informationen über Heisswasser– und Gasvorkommen in der Tiefe liefern. Das Risiko von weiteren Erschütterungen im Untergrund wird in Kauf genommen.

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Nachdem das Bohrloch gesichert worden war, wurde Anfang Oktober die mobile Gas-Wasser-Testanlage eingebaut. Bis Ende Oktober werden Produktionstest durchgeführt. Dabei wird Stickstoff ins Bohrloch geblasen, um das Thermalwasser aus 4000 Metern an die Oberfläche zu fördern.

Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass im angebohrten Malmkalk zwei bis drei durchlässige Zonen erschlossen wurden. «Die spannende Zone befindet sich in einer Tiefe von 4070 Metern», sagte Stadtrat Fredy Brunner am Dienstag vor den Medien. Über die Wassermenge und Erdgasvorkommen könne aber noch nichts ausgesagt werden.



Wieder Säure im Einsatz
Zur Verbesserung der Wasserdurchlässigkeit sollen die verstopften Klüften im Bohrloch mit Salzsäure wieder geöffnet werden. Es bestehe kein Umweltrisiko, da die Säure sehr schnell reagiere und sich rasch wieder abbaue.

Seit dem Erbeben vom 20. Juli ist es in der Region immer wieder zu Mikrobeben gekommen. Bei «ausserordentlichen Ereignissen» könne der Stadtrat die Arbeiten jederzeit stoppen, sagte Brunner. Nach Abschluss der Testphase wird das Bohrloch provisorisch verschlossen und die Bohranlage abgebaut.
Ob das geplante Geothermie-Kraftwerk realisiert werden kann, sollen die Testergebnisse zeigen. Der Entscheid ist abhängig von der Ergiebigkeit des heissen Wassers, dem Verhalten des Erdgases, dem Ausmass des Reservoirs und dem seismischen Verhalten im Zirkulationsbetrieb.

Weitermachen trotz Rückschlag
Ende August hatte der Stadtrat beschlossen, das Geothermie-Projekt trotz dem herben Rückschlag durch das Erbeben vom 20. Juli weiterzuführen. Das Beben der Stärke 3,5 wurde durch das notfallmässige Verstopfen des Bohrlochs nach einem plötzlichen Gasaustritt in der Tiefe verursacht.

Am 2. Oktober bebte in St. Gallen die Erde erneut leicht. In diesem Zeitraum seien keine Arbeiten am Bohrloch durchgeführt worden, sagte Brunner. Das Erdbeben dürfte aber trotzdem in Zusammenhang mit dem Geothermie-Projekt stehen. Trotz des Bebens der Magnitude 2,0 wurde das Vorhaben nicht erneut unterbrochen.

160-Millionen-Projekt mit Risiko
Für die Stadt St. Gallen ist das Geothermie-Projekt eine Chance, aber auch ein Risiko: Die Stimmberechtigten sagten 2010 deutlich Ja zu einem Kredit von 160 Millionen Franken. Im Idealfall könnten mit dem Geothermie-Kraftwerk mehrere tausend Gebäude geheizt und Strom erzeugt werden. Die Bohrarbeiten begannen im vergangenen März. (sda)

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