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NOSTALGIE: Bald fährt die alte Mühleggbahn zum letzten Mal

Wer noch einmal eine Fahrt mit dem alten Mühleggbähnli unternehmen will, muss sich sputen. Ab 3. April wird an der Schräglift-Verbindung zwischen der südlichen Altstadt und St.Georgen gebaut. Der Tunnel und alle Anlagen darin werden saniert. Und es gibt auch eine neue Bahnkabine.
Reto Voneschen
Die Kabine der Mühleggbahn verlässt die Talstation für eine Bergfahrt. Das Bähnchen nach St.Georgen wird jetzt von Osterdienstag bis in den Spätherbst hinein saniert. (Bild: Ralph Ribi)

Die Kabine der Mühleggbahn verlässt die Talstation für eine Bergfahrt. Das Bähnchen nach St.Georgen wird jetzt von Osterdienstag bis in den Spätherbst hinein saniert. (Bild: Ralph Ribi)

Sie ist nach menschlichem Ermessen zwar völlig sicher, etwas mulmig kann einem vor allem bei der Talfahrt mit der Mühleggbahn aber schon werden. Die rundum durchsichtige Liftkabine hängt offensichtlich nur an einem Drahtseil und wird auf polternden Schienen holpernd und rumpelnd durch eine enge, nass-kalte Röhre zu Tal gefahren. Im Kopf weiss man zwar, dass nichts passieren kann, der Bauch fühlt aber etwas Anderes. Den einen oder anderen regelmässigen Fahrgast dürfte schon der Gedanke durchzuckt haben: «Und wenn doch...?»



Wer dieses Fahrgefühl irgendwo zwischen öffentlichem Nahverkehrsmittel und Geisterbahn noch erleben will, muss sich beeilen. Ab dem 3. April steht die Mühleggbahn in der Form, wie wir sie seit 2004 kennen, nämlich für über ein halbes Jahr still. Dies für umfangreiche Erneuerungs- und Sanierungsarbeiten an allen Anlageteilen, insbesondere aber am alten Tunnel. Die alte Liftkabine soll durch eine neue Konstruktion ersetzt werden. Das alte Gefährt wird voraussichtlich bereits am Osterdienstag von den Schienen genommen und abgeführt. Über den genauen Fahrplan des umfangreichen Sanierungsprojektes informiert die Mühleggbahn AG am Donnerstag.

Seit 125 Jahren zwischen Stadt und St.Georgen unterwegs

Die Mühleggbahn ist in erster Linie eine leistungsfähige Verbindung zwischen dem Stadtzentrum und St.Georgen. Seit 1883 transportiert sie Passagiere weitgehend im Tunnel von der Gallus-Gedenkstätte zur Bergstation auf Mühlegg. In ihren 125 Jahren hat das Bähnchen einige Umgestaltungen mitgemacht. Einmal war es sogar von der Aufhebung bedroht. Heute spricht davon aber niemand mehr: Während der Sanierungsphase von Frühling bis Spätherbst dieses Jahres wird das Bähnlein von vielen seiner Fahrgäste ganz sicher vermisst werden.

Die Mühleggbahn war 1883 das erste innerstädtische öffentliche Verkehrsmittel von St.Gallen. Die Trambahn wurde erst 1897 eröffnet. In der Anfangszeit funktionierte das Bähnchen mit zwei Wagen und Wasserkraft. An der Bergstation wurde der Wassertank des oberen Wagens aufgefüllt. Weil er damit erheblich schwerer als der Wagen in der Talstation mit geleertem Wassertank war, konnte er diesen beim Hinunterrollen mit Hilfe eines Seilzugs in die Höhe ziehen.

Umbau zur Zahnradbahn und dann zum Schräglift

1950 wurde die Mühleggbahn zur Zahnradbahn mit nur noch einem Wagen umgebaut. Dieser wurde allerdings weiterhin durch Fahrpersonal bedient. 1975 kam die grosse Krise in der Geschichte des Bähnchens: Das Interesse der Fahrgäste daran schien aufgrund der inzwischen eingerichteten Buslinie nach St.Georgen abzunehmen. Anderseits gingen die Kosten «durch die Decke». Schliesslich wurde eine städtische Volksinitiative zur Rettung der Mühleggbahn lanciert und eingereicht.

Über das Volksbegehren abgestimmt werden musste allerdings nicht: Die Aktion verlieh der Suche nach neuem Kapital für eine Sanierung dermassen viel Schub, dass das Geld für den Umbau zu einem automatisch betriebenen, elektrisch angetriebenen Schräglift ohne öffentliche Hilfe rasch zusammen kam. 2004 wurde der Schräglift dann umfassend erneuert. Unter anderem gab es auch eine neue, bis heute im Einsatz stehende Liftkabine. An den damaligen Kosten von 2,8 Millionen Franken beteiligte sich erstmals auch die Stadt mit 1,2 Millionen.

Ein Förderverein für die Mühleggbahn

Von April bis voraussichtlich Ende Oktober dieses Jahres werden erneut 5,5 Millionen Franken in die Zukunft der Mühleggbahn investiert. 2,8 Millionen kommen von der Stadt, 2 Millionen bringt die Mühleggbahn AG selber auf und 700‘000 Franken will der Förderverein Drahtseilbahn Mühlegg beisteuern. Letzterer ist immer noch daran, Geld zu sammeln – unter anderem durch den Verkauf von Postkartensets oder handsignierten Kunstdrucken des St.Geörgler Malers Otto Forster.

www.muehleggbahn.ch

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