NOMINATION: Weibeln für das Buch

Seit über 40 Jahren lebt Leonie Schwendimann von und mit Büchern. Ihre Buchhandlung zur Rose im Klosterviertel ist längst mehr als ein Geheimtipp. Jetzt winkt ihr eine Auszeichnung besonderer Art.

Beda Hanimann
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Leonie Schwendimann unter der Tür zu ihrer Buchhandlung zur Rose: «Ja, das ist wirklich ein schöner Ort.» (Bild: Ralph Ribi)

Leonie Schwendimann unter der Tür zu ihrer Buchhandlung zur Rose: «Ja, das ist wirklich ein schöner Ort.» (Bild: Ralph Ribi)

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

Ganz aus heiterem Himmel kommt die Nomination nicht. Zu den schönsten Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum gehört die Buchhandlung zur Rose bereits, der Knesebeck-Verlag ist gerade daran, zu seinem 40-Jahr-Jubiläum die Perlen der Branche in einem Buch zu dokumentieren. Darin vertreten wird auch der kleine Laden im Klosterviertel sein.

Nun ist er in der Schweiz auch im Rennen um den Titel «Buchhandlung des Jahres», mit zwei weiteren Geschäften. «Es wird hart, aber wir haben Chancen», sagt Gründerin und Inhaberin Leonie Schwendimann. «Wir haben einen guten Ruf in der Branche, weil wir kein Buchwarenhaus sind und es sich bei uns noch anfühlt wie in einer Buchhandlung.» Auch aus den Reaktionen auf die Nominierung spüre sie, «dass die Menschen Läden in diesem Stil gern haben».

Das Gute aus dem Neuen herauspflücken

«Läden in diesem Stil», damit meint Leonie Schwendimann zum einen das Äussere. Die Weite des Klosterplatzes, das Ambiente eines 500-jährigen Hauses, «das nicht zu Tode saniert wurde», der Keller für Lesungen. «Ein sehr schöner Ort, da habe ich Glück gehabt», sagt sie zwölf Jahre nach der Eröffnung. Das andere ist die Art, wie hier Buchhandel betrieben wird. Es sei fast wie mit dem Beck oder auf dem Markt, zwischen den Kunden und den Buchhändlerinnen gebe es eine Verbundenheit. Dazu trägt auch die Erfahrung von Leonie Schwendimann und ihrer Mitarbeiterinnen Alexandra Elias und Isabella Husistein bei. «Unser Sortiment ist handverlesen, wir versuchen, aus den vielen Neuerscheinungen das Gute herauszupflücken.»

Auch ausserhalb des Ladens präsent sein

Den Preisdruck und die Konzentration in der Branche bekommt auch sie zu spüren. «Bücher sind so billig wie noch nie», sagt die 61-Jährige. Das ist vor allem für kleine selbstständige Betriebe mit weniger finanziellem Spielraum eine Herausforderung. «Wir konnten das auffangen, indem wir mehr verkaufen», sagt sie und räumt ein, dass beim Umsatz wohl eine Plafonierung erreicht sei. Um diese zu halten, ist das Engagement erfahrener Buchhändlerinnen nötig. Leonie Schwendimann spricht mehrfach vom «Weibeln für das Buch». Sie veranstaltet Lesungen und Buchvernissagen, ist an Veranstaltungen mit Büchertischen präsent, pflegt ein enges Netz mit regionalen Kulturinstitutionen. «Man muss dabei sein, auch ausserhalb des Ladens», sagt sie.

Doch in den jüngsten Entwicklungen sieht sie durchaus Positives. Die Verlagerung ins Virtuelle habe auch einen Gegentrend ausgelöst, selbst unter Jungen gebe es viele, «die gern ein Buch in der Hand haben». Und die kurzen Lieferfristen bei Büchern kommen Händlern mit kleinerem Sortiment entgegen.

In den nächsten Tagen muss Leonie Schwendimann nicht nur für das Buch weibeln, sondern auch für sich selbst. Aus den drei durch eine Fachjury nominierten Buchhandlungen wird der Gewinner in einer Publikumswahl über Internet ermittelt. «Gebt uns eure Stimme», heisst es derzeit auf der Homepage der Rose.

Onlinevoting bis 11. Mai:

www.buchhandlungzurrose.chwww.sbvv.ch