Noch schwimmen die Fische

OBERRIET. Keine Spruchbänder mit Parolen, keine Skandierrufe: Der Medienaufruf, die politische Demonstration für den zivilen Ungehorsam gegen Behördenwillkür auf dem Gelände der Melander-Fischfarm mit Kameras und Mikrophonen einzufangen, verhallte gestern nahezu ungehört.

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Gespieltes Desinteresse: «Argus» lässt Journalisten nicht aufs Gelände. (Bilder: Urs Jaudas)

Gespieltes Desinteresse: «Argus» lässt Journalisten nicht aufs Gelände. (Bilder: Urs Jaudas)

Keine Spruchbänder mit Parolen, keine Skandierrufe: Der Medienaufruf, die politische Demonstration für den zivilen Ungehorsam gegen Behördenwillkür auf dem Gelände der Melander-Fischfarm mit Kameras und Mikrophonen einzufangen, verhallte gestern nahezu ungehört. Die zum Protest eingeladenen Rheintaler schätzen die nun seit Jahren gegenüber den kantonalen Behörden angeschlagene Tonalität wohl nicht: Niemand will sich vor Ort überzeugen, ob und wie das «Sonderkommando Fischtötung die Fischfarm stürmt», um drei Muttertiere und drei männliche Welse und einige hundert Brütlinge zu töten, die hier widerrechtlich gehalten werden.

Die Medien und der Kampfhund

Niemand? Stimmt nicht ganz: Morgens um 11 Uhr stehen einige Journalisten vier Argus-Wachleuten mit einem «Dogo Argentino» – einem Kampfhund – gegenüber. Aufs Gelände dürfen die Medien nicht, ein Markierband mahnt, Abstand zu halten, das Eisentor zehn Meter weiter hinten ist zu. Die Stimmung ist locker, der Rheintaler Nebel nicht so dicht wie befürchtet: Man kennt sich, macht Witze und orakelt, ob der Kantonstross um 12.01 Uhr nach Verstreichen der Frist anrückt oder nicht. Tut er nicht, aber das wissen weder die Journalisten noch Pia und Hans Raab. Es geht das Gerücht, dass sich das Ehepaar angeblich beim Bundesgericht um eine superprovisorische Verfügung bemüht haben will, um zu verhindern, dass die Vertreter des Veterinäramtes aufs Gelände dürfen.

Kurz vor Mittag kreuzt der Oberrieter Gemeindepräsident Rolf Huber auf. «Lose und luege» will er. «Am liebsten würde ich mich draushalten.» Mehr sagt er auch dem Radiomann nicht ins Mikro, der ihn befragt. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», meint er sibyllinisch. Was, wenn Hans Raab seine Melander künftig nach EU-Recht in Vorarlberg schlachten und verarbeiten lässt? Huber überlegt nur kurz: «Das EU-Recht interessiert mich nicht: Wir leben in der Schweiz.»

Die Medien und die Raabs

High Noon ist vorbei, die Frist abgelaufen, von der Gangsterbande in der Person der angekündigten Kantonsvertreter keine Spur. Die Tonart wird rasch schrill, als sich Pia und Hans Raab den Fragen der Journalisten stellen. Er: «Das gibt die Lachnummer der Schweiz.» Sie: Das sind unsere Fische, die gehören nicht Ha-Ra International. Es ist doch klar, dass wir unsere Fische, die für die Arterhaltung bestimmt sind, nicht sterben lassen.» – Journalistenfrage: Warum das grosse Sicherheitsaufgebot? Dazu sie: «Wir wissen selbst nicht, was heute hier geschieht.» Dann wieder er: «Wir haben hier die ökologischste Anlage der Welt. Ich habe nicht 40 Millionen ausgegeben und darf hier nicht mehr züchten.» Ein Medienvertreter unterbricht: «Die Schweiz hat langsam genug von diesem ewigen Hickhack.» Das kommt nicht gut an: «Daran sind nicht wir schuld», faucht der 70jährige Raab in seiner Gehhilfe.

Die Medien und die Fische

Kurz vor 13 Uhr dürfen die Medien in die Anlage – sie liegt im Dornröschenschlaf: Nur sechs der 300 Becken sind benutzt, der Rest ist leer. Drei Muttertiere und drei männliche Welse drücken sich scheu an die Wand, dazu einige hundert Stichlinge – 14 Tage und drei Wochen alt. Kameramann Manfred Voltmer zeichnet jedes Wort auf; für Hans Raab, «den Mann mit Rückgrat, der gegen Behörden kämpft», wie er sagt. Punkt 15 Uhr schliessen sich dann die Türen der Fischfarm. «Wenn der Kanton jetzt noch kommt, ist das Hausfriedensbruch», sagt Pia Raab. Der Kleinkrieg geht weiter. Heute? Christoph Zweili

Hans Raab – der Mann, der die Medien liebt, wenn sie das schreiben, was er will.

Hans Raab – der Mann, der die Medien liebt, wenn sie das schreiben, was er will.

Fisch mit den charakteristischen Bartfäden: Welse in der Melander-Fischfarm.

Fisch mit den charakteristischen Bartfäden: Welse in der Melander-Fischfarm.