Noch rattern die Nähmaschinen

GOSSAU. Die letzten Tage des Traditionsunternehmens Bremo-Textil sind angebrochen. Die Näherinnen gehen zwar noch fleissig zu Werke, doch die Lager leeren sich langsam. Wie die Liegenschaften in Zukunft genutzt werden, ist noch unklar.

Sebastian Schneider
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Rosmarie Müller-Breitenmoser nimmt Abschied vom Familienbetrieb Bremo-Textil in der «Goldzackhalle». (Bild: Hanspeter Schiess)

Rosmarie Müller-Breitenmoser nimmt Abschied vom Familienbetrieb Bremo-Textil in der «Goldzackhalle». (Bild: Hanspeter Schiess)

Mehrere Transparente verraten es. Die Firma Bremo-Textil schliesst in absehbarer Zeit ihren Betrieb und ihren Verkaufsladen im Stadtbühlpark. «Sonderverkauf», «letzte Gelegenheit», «Produktionsende 2015», steht auf den Bannern am Eingang zum Laden. Im Eingangsbereich werden Handschuhe und zahlreiche andere Artikel vergünstigt angeboten. «Wir produzieren noch bis Ende Monat. Im Versand und im Laden arbeiten wir aber noch bis Januar weiter», sagt Rosmarie Müller-Breitenmoser, die den Familienbetrieb 13 Jahre lang führte, «mit viel Herzblut», wie sie immer wieder betont.

Die letzten Monate in diesem Jahr sind keine einfache Zeit für die Unternehmerin. Muss sie doch Abschied nehmen vom Betrieb, von der Belegschaft, von den treuen Kunden und von der «Goldzackhalle», der Fabrik und dem Haus zwischen Laden und Fabrik, das ihre Eltern in den 1950er-Jahren bauten und in dem sie aufgewachsen ist.

Grosse Wertschätzung

Auf die Kunde, dass der Betrieb nicht mehr weitergeführt werden kann, haben nicht nur die Angestellten fassungslos reagiert: «Viele Kunden haben ihr Bedauern ausgedrückt.» Denn qualitativ hochstehende Unterwäsche zu solch tiefen Preisen bekomme man sonst nicht, ist Rosmarie Müller überzeugt. Und so spüre die Geschäftsführerin nicht nur Bestürzung bei den Kunden, sondern auch viel Wertschätzung. «Das tut mir richtig gut», sagt sie. Wie es so ist im Leben, nehme man das, was man hat, für selbstverständlich. Und erst wenn man weiss, etwas zu verlieren, schätze man es richtig.

Nochmals starke Umsätze

Die Bremo-Textil verbuche nochmals richtig gute Umsätze, sagt Rosmarie Müller. Natürlich auch dank der zahlreichen Aktionen. Und so leeren sich die Regale in den oberen Stockwerken mehr und mehr. Dies erschwere auch die Logistik. «Wenn ein Kunde etwas bestellt, müssen wir zuerst prüfen, was wir noch im Lager haben.» Kleidungsstücke wird es nach Einschätzung von Rosmarie Müller noch eine Weile zu kaufen geben. «Der definitive Ladenschluss wird Ende Januar sein.» Doch bis auch die Nähmaschinen, Pulte und weiteres Inventar einen neuen Besitzer gefunden haben, werde es wohl Februar. Rosmarie Müller will beim Ausverkauf Gutes tun. Was sie nicht oder nur umständlich verkaufen kann, liefere sie kostenlos in arme europäische Länder.

Irgendwie freue sie sich auf ihren neuen Lebensabschnitt, sagt Rosmarie Müller. Gleichwohl tut es ihr weh, alles, was ihre Eltern aufgebaut haben und sie weitergeführt hat, aufzugeben. Und die über 20 Angestellten täten ihr leid. «Viele haben ihr Arbeitsleben lang hier gearbeitet.» Für diese Angestellten sei es sehr schwierig, eine neue Stelle zu finden.

Kulturlokal? «Wohl kaum»

Was mit den Liegenschaften – insbesondere der «Goldzackhalle» – passiert, darüber stellen sich viele Gossauer Fragen. SP-Stadtparlamentarierin Marlis Eeg-Blöchliger hat in einer Einfachen Anfrage an den Stadtrat die Idee publik gemacht, die Halle als Kultur- und Konzertlokal zu nutzen. Darob schüttelt Rosmarie Müller aber nur den Kopf. «Viel zu teuer.» Die Liegenschaften stehen zum Verkauf, Interessenten gebe es einige. Natürlich sei ihr wichtig, dass die Gebäude weiterhin sinnvoll genutzt werden. Und schon bald könnte sich eine Lösung abzeichnen, spruchreif sei aber noch nichts.