Noch ein Campus wäre möglich

Die Emil Wild & Co. AG plant an der Rorschacher Strasse 226 einen Neubau. 30 bis 35 Millionen Franken will sie für das Grossprojekt in die Hand nehmen. Wer die Räume mieten wird, ist unklar. Sie bieten sich aber geradezu als Campus an.

Jeanette Herzog
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Das Gebäude der Bernet-Gruppe an der Rorschacher Strasse 226 soll abgerissen werden. An seiner Stelle ist ein Neubau geplant. (Bild: Michel Canonica)

Das Gebäude der Bernet-Gruppe an der Rorschacher Strasse 226 soll abgerissen werden. An seiner Stelle ist ein Neubau geplant. (Bild: Michel Canonica)

Usain Bolt würde etwas über neun Sekunden sprinten, um das Gebäude hinter sich zu lassen. Trotz der Leichtathletikanlage des LC Brühl ist aber kaum anzunehmen, dass im Quartier St. Fiden-Neudorf allzu viele Spitzenläufer daheim sind. Etwa zwei Minuten müssten die Bewohner also einplanen, um am Bauwerk vorbeizuspazieren. 96 Meter lang soll das geplante Gebäude werden und 18 Meter hoch. Die Pläne umfassen fünf Stockwerke ab Boden und zwei bis drei unterirdisch für eine Tiefgarage. Das Erdgeschoss soll leicht zurückversetzt werden, damit eine Art Arkade entsteht.

Alte Gebäude werden abgerissen

Der Boden zwischen der Grütli- und der Grünaustrasse wäre mit diesem Projekt voll ausgenutzt. Die bestehenden Bauten direkt an der Rorschacher Strasse, in denen die Bernet Gruppe wirkte, bis sie nach Bronschhofen umzog, würden abgerissen und die Gebäude in zweiter Reihe mit dem Neubau verbunden.

Einen «markanten Bau» nennt Alexander Weiss vom Stadtplanungsamt den geplanten Komplex. Er hat die Ausarbeitung des Gestaltungsplans, der noch bis zum 25. September im Amtshaus öffentlich aufliegt, eng begleitet. «Wir sind sehr für diese Entwicklung», sagt er. Der Baukörper setze einen städtebaulichen Impuls, ein gutes Beispiel für verdichtetes Bauen. Heute werde das Areal nicht ausgenutzt.

Das BZGS kommt ins Spiel

Daran will die Grundeigentümerin, die Emil Wild & Co. AG, längst etwas ändern. «1997 haben wir angefangen zu planen, dann wieder davon abgelassen», sagt Inhaber und Geschäftsführer Alexander Wild. Stattdessen habe man das Gebäude an der Grütlistrasse 1 ausgebaut. Dieses beherbergt einen Teil des Berufs- und Weiterbildungszentrums für Gesundheits- und Sozialberufe St. Gallen (BZGS). Das Bildungszentrum könnte nun auch beim geplanten Bau ins Spiel kommen. Es besteht heuer seit zehn Jahren und platzt aus allen Nähten. Die Schülerzahlen sind von anfangs 112 auf heute 2500 explodiert. Der Unterricht findet an drei verschiedenen Standorten statt; zwei in St. Gallen, einer in Rheineck. Diese könnten zu einem einzigen Campus an der Rorschacher Strasse vereinigt werden. Die Stadt wäre damit nach HSG und FHS um einen Campus reicher.

«Ideal für eine Schule»

Offiziell ist der Zweck der Gebäudenutzung «noch völlig offen», sagt Alexander Weiss. Die öffentlich ausgelegten Pläne verraten zumindest, dass die Räume sowohl für eine Nutzung als Schule als auch für Büros ausgelegt sind. Weiss bezeichnet die Situation als «ideal für eine Schule». Diesbezüglich verhalte sich die Stadt aber neutral. «Die Strategie des Kantons ist letztlich entscheidend.»

Bauherr Alexander Wild macht keinen Hehl daraus, dass er das BZGS gerne in seinen neuen Räumen sehen würde: «Unserer Meinung nach wäre das Gebäude perfekt geeignet für einen Campus.» Der Kanton sei denn auch einer der Interessenten. Es gebe aber noch weitere Anfragen für die Nutzung als Bürogebäude. Klar ist bereits, dass eine Nutzung durch Detaillisten wie Aldi oder Lidl ausgeschlossen ist wegen des Verkehrsaufkommens. Im Gestaltungsplan regelt ein Artikel die zulässigen Fahrtenzahlen. Morgens und abends sind je maximal 160 Fahrten zugelassen. «Eine publikumsintensive Nutzung wollen wir nicht», erklärt Weiss. Eine Schule aber sei möglich.

Baubeginn frühestens 2014

Noch bleibt Zeit, bis der Kanton eine Entscheidung fällen muss. Zunächst einmal muss der Gestaltungsplan abgesegnet werden, danach geht es um die Detailplanung. «Wir hoffen, dass wir die Baubewilligung bis im Sommer 2014 haben», sagt Alexander Wild. Nach zweijähriger Bauzeit könnte das neue Gebäude im Herbst 2016 bezogen werden. «Sollte es Einsprachen geben, dauert es natürlich länger.» Den interessierten Parteien erschwere das die Planung massiv. Gebaut werde aber erst, wenn zwei Drittel der Fläche vermietet sei.