Nicht von oben diktiert

REGION RORSCHACH. Für Kantonsrat Sandro Wasserfallen gibt es zwei politische Brennpunkte, die in nächster Zeit die Gemüter erhitzen könnten: Das wachsende Verkehrsproblem in der Region und erneute Fusionspläne für eine Stadt am See.

Lea Müller
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Prozess von unten: Kantonsrat Sandro Wasserfallen findet, dass eine Fusion zur Stadt am See ein Anliegen aus der Bevölkerung sein muss. (Bild: Lea Müller)

Prozess von unten: Kantonsrat Sandro Wasserfallen findet, dass eine Fusion zur Stadt am See ein Anliegen aus der Bevölkerung sein muss. (Bild: Lea Müller)

Ein Bänkli mitten im Grünen. Kantonsrat Sandro Wasserfallen lässt den Blick über den Möttelischlossweiher hinunter auf die Region Rorschach und den Bodensee bis ans deutsche Ufer schweifen. Er hat diesen Ort in Untereggen für das Sommergespräch mit der Tagblatt-Redaktion gewählt. «Ich schätze die Naherholungsgebiete in unserer Region», sagt der junge SVP-Politiker. «Manchmal tut es gut, Abstand vom Alltag zu gewinnen und Probleme aus einer gewissen Distanz zu betrachten.» Die Ruhe beim Möttelischlossweiher wird nur von Vogelgezwitscher unterbrochen – und dem steten Rauschen des Verkehrs aus der Ferne. Der Verkehr ist für Sandro Wasserfallen denn auch einer der politischen Brennpunkte in der Region Rorschach.

Verkehrsproblem wächst

Den zunehmenden Verkehr in der Region empfinde die Bevölkerung als belastend, sagt Sandro Wasserfallen, der sich regelmässig mit Mitbürgerinnen und Mitbürgern austauscht. Er selbst steht als Berufspendler fast täglich in der Autoschlange vor einem Bahnübergang. «Dass die Mobilität zugenommen hat, ist eine gesellschaftliche Realität. Nun müssen wir Lösungen für das wachsende Verkehrsproblem finden», sagt Sandro Wasserfallen. Der Autobahnanschluss Witen in Goldach ist seiner Meinung nach unumgänglich. Auch Bahnunterführungen an zentralen Stellen befürwortet er.

Wichtig sei nun, dass die zehn Kantonsräte aus der Region Rorschach sich parteiübergreifend zusammentun, sich für den regionalen Verkehr einsetzen und in ihren Fraktionen Mehrheiten schaffen. Sandro Wasserfallen weist darauf hin, dass erste Konkretisierungen ins 16. Strassenbauprogramm des Kantons St. Gallen einfliessen. Im Herbst werde der Kantonsrat über die nächsten Schritte informiert.

Signale aus der Vergangenheit

Für Kantonsrat Sandro Wasserfallen gibt es einen weiteren politischen Brennpunkt, der in nächster Zeit die Gemüter erhitzen könnte: die Pläne für eine Fusion zur Stadt am See. Die Interessengemeinschaft Stadt am See hat sich zum Ziel gesetzt, in der nächsten Amtsperiode die Fusion von Goldach, Rorschach und Rorschacherberg zu realisieren. «Ich stehe diesem Ziel skeptisch gegenüber», sagt Wasserfallen. Seiner Meinung nach muss die Fusion ein Anliegen aus der Bevölkerung sein – ein Prozess von unten. «Doch das Stimmvolk hat in nicht allzu ferner Vergangenheit ganz klar signalisiert, dass es Fusionen in unserer Region grundsätzlich sehr kritisch gegenübersteht», sagt der Goldacher. Im Jahr 2008 erteilte Rorschacherberg einer Fusion mit Rorschach ebenso eine Absage wie Goldach einer mit Untereggen.

«Aufs Abstellgleis»

Die grösste Gefahr bei einer Fusion sieht Sandro Wasserfallen darin, dass die kleinere der beiden Gemeinden demokratisch auf das Abstellgleis geraten könnte. «Ortsspezifische Anliegen haben aufgrund der kleineren Prozentzahl an Stimmen weniger Chancen», erklärt er. Bei einer Heirat von zwei ungleichen Gemeinden sei einer der Partner meist der Verlierer, meint der SVP-Kantonsrat. Es dürfe auch nicht sein, dass Gemeinden nur wegen Baulandgewinn «eingenommen» werden. Ausserdem erhöhe sich bei zunehmender Komplexität der Führung einer grösseren Gemeinde auch die Distanz zwischen Verwaltung und Bevölkerung. «Damit würden die fusionierten Gemeinden eine Abnabelung der Bürgerinnen und Bürger von der Verwaltung riskieren.»

Würden die Gemeinden als fusionierte Stadt nicht mehr politisches und wirtschaftliches Gewicht erhalten? «Ich bin überzeugt, dass die Region auch ohne Fusion stark auftritt», sagt Wasserfallen. Bereits jetzt werde erfolgreich gemeindeübergreifend zusammengearbeitet. Auch die Kantonsräte würden sich über Parteigrenzen hinweg für die Region einsetzen. Die Gemeinden müssten strukturell noch stärker zusammenwachsen – dann könnten nach Meinung von Sandro Wasserfallen Fusionspläne wieder geprüft werden. «Aber erst längerfristig, in etwa 15 bis 20 Jahren.»