«Nicht partout gegen den Verkehr»

REGION. Ein Autobahnanschluss im Gebiet Witen bei Goldach? Nein, sagt ein Komitee. Denn der Autobahnanschluss werde das Verkehrsproblem in der Region nicht wirklich lösen, aber massive Eingriffe ins Siedlungsgebiet nach sich ziehen.

Marianne Bargagna
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Felix Gemperle und Lukas Reichle (von links) wehren sich gegen einen Autobahnanschluss Witen durchs Goldacher Gebiet Hohrain. (Bild: Rudolf Hirtl)

Felix Gemperle und Lukas Reichle (von links) wehren sich gegen einen Autobahnanschluss Witen durchs Goldacher Gebiet Hohrain. (Bild: Rudolf Hirtl)

Ein Autobahnanschluss Witen ist seit Jahren im Gespräch. Vor sieben Jahren dann die Mitteilung, dass ein solcher im Gebiet Witen realisiert werden soll. Damals sagte der Goldacher Gemeindepräsident Thomas Würth: «Wir haben uns zusammen mit dem Kanton auf eine Lösung geeinigt, die machbar und zweckmässig ist.» Und die FDP bezeichnete diese Lösung als gut. Die SP hingegen sprach sich gegen diesen Autobahnanschluss aus. Denn sie entlaste Goldach nur unwesentlich, zerstöre aber viel Kulturland und erhöhe die Attraktivität des motorisierten Verkehrs. Ähnliches sagt heute ein Komitee gegen den Autobahnanschluss Region Rorschach.

Sanftere Massnahmen gefragt

Ansprechperson des Komitees, dem etwa 40 Mitglieder angehören, ist der Rorschacher Lukas Reichle. Warum hat sich das Komitee erst jetzt, nach Jahren des Bekanntwerdens des Vorhabens, gebildet? Dazu sagt Reichle: «Bisher basierte alles auf vagen Grundlagen. Jetzt wird es konkret, die Detailprojektierung wird ins kantonale Strassenbauprogramm 2014–2018 aufgenommen.» Für die Gegner also der richtige Zeitpunkt, sich zu Wort zu melden. Das werden sie auch am Informationsanlass vom kommenden Montag in Rorschach (vgl. Kasten). Dort wollen sie Fragen stellen und ihren Standpunkt vertreten. Unter anderem klarmachen, dass das Komitee gegen den Autobahnanschluss der festen Überzeugung ist, «dass mit sanfteren Massnahmen innerhalb der Region des Verkehrsproblem wirkungsvoller, nachhaltiger und vor allem kostengünstiger gelöst werden kann». Lukas Reichle, der in St. Gallen arbeitet, erinnert an die Eröffnung des Rosenbergtunnels Ende der 80er-Jahre. Damals habe der Tunnel wohl eine Entlastung gebracht. Dann stellt er die rhetorische Frage: Und was ist heute?

«Anschluss bringt nichts»

Für Felix Gemperle, Goldacher und Komitee-Mitglied, ist eines klar: «Wir dürfen den Individualverkehr nicht attraktiver machen.» Und das geschähe mit dem Autobahnanschluss. Reichle doppelt nach: «Dieser Anschluss bringt nichts.» Es brauche gute, Gemeindegrenzen übergreifende Lösungen für das Verkehrsproblem. Die Komiteemitglieder monieren zudem die fehlenden konkreten Ideen bezüglich flankierenden Massnahmen in den betroffenen Gemeinden. Bis heute lägen nur Absichtserklärungen auf dem Tisch. Sollte der Anschluss kommen, dann müssten auch verbindliche Projekte der flankierenden Massnahmen vorliegen. Denn: Was wäre, wenn der Autobahnanschluss genehmigt, später die flankierenden Massnahmen abgelehnt würden? Daran mögen die Komiteemitglieder nicht denken.

Nicht nur direkt Betroffene

Ihnen geht es um Lösungen, «die den Verkehr in der Region erträglicher machen, aber nicht zu mehr Verkehr führen», ganz im Geiste der Stadt am See, sagt Lukas Reichle. Er und Gemperle sagen auch, dass das Komitee hinter der in Rorschach beantragten Neugestaltung der Hauptstrasse stehe. «Wir sind nicht partout gegen den Verkehr», sagt Lukas Reichle. Felix Gemperle ergänzt: «Wir sind auch keine fundamentalistische Gruppe.» Dann fügt er noch an, dass die Mehrheit der Komiteemitglieder wohl im betroffenen Gebiet wohnten, aber eben nicht alle. Und ein grosser Teil sei politisch nicht aktiv, der Rest gehöre jeglichen politischen Couleurs an.

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