Nicht nur die Jagd nach Rekorden, auch berührende Begegnungen

ARBON. Es ist nicht nur die Zahl der Rekorde bei den Schweizer Meisterschaften im Rollstuhlsport gewesen, die Aufsehen erregt hat. Auch die Begegnungen von Behinderten und Nichtbehinderten aus aller Herren Länder berührten die Herzen.

Alois Degenhardt
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Athleten aus 24 Nationen fanden auf der Stacherholz-Sportanlage ideale Bedingungen vor und waren trotz Konkurrenz eine grosse Familie. (Bild: Alois Degenhardt)

Athleten aus 24 Nationen fanden auf der Stacherholz-Sportanlage ideale Bedingungen vor und waren trotz Konkurrenz eine grosse Familie. (Bild: Alois Degenhardt)

Die Rekordjagd hatte bereits am Eröffnungstag eingesetzt. Die Topathleten aus der Schweiz, aus Italien, Holland, Deutschland, Amerika, Kanada, Japan und vielen weiteren Ländern witterten Morgenluft, als sie die idealen Bedingungen entdeckten. Einerseits war das ein Bilderbuchwetter, sonnig, trocken und wenig Luftbewegung, andererseits der immer wieder gelobte Mondo- Belag der Stacherholz-Bahnen, der schon in der Vergangenheit zu schnellen Zeiten geführt hatte.

Manchmal auch gefährlich

Dass dieser Sport nicht nur schnell, sondern auch gefährlich sein kann, wird bei einem der wenigen Zusammenstösse klar: In einem 5000-Meter-Rennen haben sich zwei Kontrahenten verhakt und werden mit ihren Renngeräten kopfüber auf die Wiese katapultiert. Aufmerksame Helfer sind schnell zur Stelle und schälen sie aus ihren massgeschneiderten Sitzen.

Bei der Betrachtung der hochentwickelten Sportgeräte wird schnell klar, welche Bedeutung der Bahnbelag hat: Die schmalen Slicks (profillose Pneus) brauchen einen möglichst harten Untergrund mit wenig Reibungsverlust. Was für den Rollstuhlsport ideal ist, fürchten allerdings die Leichtathleten als Belastung für die Gelenke.

«Der Mondo-Belag ist etwa 20 Jahre alt», erzählt OK-Mitglied Urs Scherrer, «Reparaturen werden häufiger, und bei einer Totalsanierung können wir kaum noch mit so idealen Bedingungen für den Rollstuhlsport rechnen.»

Eindrückliche Begegnung

Die Jagd nach Rekorden ging auch am Samstag weiter, doch wertvoll waren vor allem die Begegnungen am Rande der Bahn.

Ein Beispiel aus der näheren Umgebung: Katrin Debrunner kommt aus Mettendorf und hat bereits am Eröffnungstag drei Schweizer Rekorde aufgestellt. Am Sonntag durfte sie eine Silbermedaille in Empfang nehmen – und die Meisterschaften waren noch nicht zu Ende. In der Schule hat sie soeben die Aufnahmeprüfung für die PMS (Pädagogische Maturitätsschule) bestanden.

«Der Rektor muss jetzt seine Ankündigung wahr machen, die Schule, wie bereits vorgesehen, rollstuhlgängig zu gestalten», berichtet der stolze Vater.

Beispielhaftes Engagement

«Wir organisieren diese Meisterschaften bereits zum dritten Mal», berichtet OK-Präsident Nick Sigg, der rastlos über die Anlage kreist und immer wieder die Athleten anfeuert: «Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit, denn es ist bewundernswert, welche Entbehrungen sie für ihren Sport in Kauf nehmen.

» «Wir», das ist die Männerriege des STV Arbon, der für diesen Anlass ohne Mühe 160 Helferinnen und Helfer aufbietet – vom Schulkind bis zu den Grosseltern, «diese Meisterschaft ist für uns zu einem generationenübergreifenden Anlass geworden».

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