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«Nicht die Bahn ist das Problem»

Wie Rotmonten ist auf der andern Seite des Tals auch das Riethüsli ein «Bergquartier». Quartiervereinspräsident Hannes Kundert erklärt die Unterschiede und weshalb es sich trotz diverser Probleme lohnt, im Riethüsli zu leben.
Individualverkehr und öV im Nebeneinander: Viele Riethüsler sähen auch die Autos gerne in einem Tunnel verschwinden. (Archivbild: Ralph Ribi)

Individualverkehr und öV im Nebeneinander: Viele Riethüsler sähen auch die Autos gerne in einem Tunnel verschwinden. (Archivbild: Ralph Ribi)

Herr Kundert, warum gebärden sich die Riethüsler immer wieder mal aufmüpfig so wie die Rotmöntler?

Hannes Kundert: Ich denke nicht, dass wir besonders aufmüpfig sind. Aber ein Quartierverein ist nicht dafür da, nur Vorstandssitzungen abzuhalten. Er sollte für das Quartier schauen und Quartierpolitik machen. Auch wollen wir für die Stadt ein verlässlicher Ansprechpartner sein.

Wie unterscheidet sich das Riethüsli von Rotmonten?

Kundert: Wir unterscheiden uns in der Bewohnerstruktur. Rotmonten ist mondäner. Wir sind gut durchmischt, haben guten Mittelstand. Neben Miethäusern können wir in Oberhofstetten eine Wohnzone mit Einfamilien- und Reihenhäusern präsentieren. Geographisch ist das Quartier nach allen Seiten ausgerichtet. Es gibt nicht nur die Nordseite mit der Stadtsicht, einige haben auch Säntissicht. Wir haben aber im Gegensatz zu Rotmonten und auch St. Georgen Durchgangsverkehr nach Teufen, der jährlich um knapp ein Prozent zunimmt. Das schränkt die Attraktivität des Quartiers ein.

Der Durchgangsverkehr, die eingestürzte Turnhalle, das verzögerte Altersheimprojekt und die Bauruine Solitüde belasten das Quartier, aber der «Hauptfeind» scheinen die Appenzeller Bahnen zu sein.

Kundert: Das täuscht. Die Appenzeller Bahnen wollten ursprünglich während des Tunnelbaus den Durchgangsverkehr durch das Quartier leiten. Das gab natürlich mächtige Opposition. Nun zeichnet sich eine Lösung ab, indem die neue Station auf die Riethüsli-Strasse verlegt wird, wodurch der Verkehr weiterhin auf der Hauptachse zirkulieren könnte. Unser Hauptproblem ist nicht die Bahn, sondern der Individualverkehr.

Würde denn ein verlängerter Busbetrieb bis Teufen anstelle der Bahn nicht für Entlastung sorgen?

Kundert: Ich bin für den Bus als öV-Verkehrsmittel. Aber es gibt Leute, die sich sagen, man soll die Strasse mit Bussen nicht noch mehr belasten. Ich denke nicht, dass Busse die Lösung sind, und ich höre jetzt schon die Leute meckern, die im Bus im täglichen Stau stecken, der von der Schneebergstrasse bis zur St. Leonhardsbrücke reicht. Die Bahn ist generell ein modernes Vorortsverkehrsmittel, komfortabler als der Bus. Und mit dem neuen Tunnel und einer gewissen Zeiteinsparung rechnen die Appenzeller Bahnen, dass ein paar Leute umsteigen und das Auto zu Hause lassen werden. Wie viele Pendler sich aber umstimmen lassen, weiss niemand genau.

Der Durchgangsverkehr bleibt also.

Kundert: Nur ein Strassentunnel ab der Liebegg, bei der Kantonsgrenze, hinunter in die Stadt oder zum Autobahnanschluss Kreuzbleiche brächte eine spürbare Entlastung und für das ganze Quartier, nicht zuletzt für die Teufener Strasse, eine enorme Aufwertung. Wir haben eine Petition laufen. Die Unterstützung ist gross. Von St. Georgen haben wir allerdings noch nichts gehört. Dort müsste man auch an einer Tunnellösung interessiert sein, umfahren doch viele Lenker den Stau und weichen via Tal der Demut über St. Georgen aus.

Was sind die aktuellen Probleme?

Kundert: Bei der Solitüde-Ruine herrscht Status quo. Wir haben immer noch keine Lösung für unser erstes Alterszentrum. Und nicht zuletzt ist die Turnhalle alles andere als eine Visitenkarte. Wäre der Einsturz auf dem Olma-Areal geschehen, hätte man sicher bereits gehandelt, wäre das juristische Techtelmechtel ausgeblieben. Dann hoffen wir, dass die Poststelle noch lange bleibt.

Ist das Quartier in der Stadt gut vertreten, um Lösungen zu finden?

Kundert: Stadtrat Nino Cozzio wohnt im Riethüsli, dazu vier bis fünf Stadtparlamentarier. Ich war dort auch als Quartiervertreter tätig. Da hat man als Quartiervereinspräsident schon auch Einfluss. Die Stichworte: Kampf um die Hauswartswohnung im Schulhaus und eine funktionale Passerelle. Wenn man bereit ist, konstruktiv und anständig eine Lösung anzustreben, dann findet man sie auch. Wie die Verhandlungen mit den Appenzeller Bahnen gezeigt haben.

Was macht es trotz der Probleme attraktiv, ins Riethüsli zu ziehen?

Kundert: Wir haben wunderbare Menschen hier oben, die zusammenhalten, obwohl das Quartier vom Verkehr zerschnitten ist. Hier gibt es ein weites Spektrum von Wohnmöglichkeiten, von Einfamilienhäusern über Mietwohnungen bis zu Genossenschaftswohnungen. Im Einfamilienhausquartier sind die Preise aufgrund der Stadtnähe sehr hoch, bei den Mietwohnungen sind die Preise eher günstig.

Interview: Fredi Kurth

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