NEWROZ: Laut, bunt und politisch ins neue Jahr

Zum Frühlingsbeginn feiern Kurden jeweils Neujahr. Rund 100 Personen sind aus diesem Anlass in einem Fackelzug durch die Stadt gezogen. Wegen der aktuellen Lage in der Türkei war das Fest noch politischer als sonst.

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Mit einem Fackelzug durch die Stadt haben rund 100 Kurden am Donnerstagabend das neue Jahr eingeläutet. (Bild: Luca Ghiselli)

Mit einem Fackelzug durch die Stadt haben rund 100 Kurden am Donnerstagabend das neue Jahr eingeläutet. (Bild: Luca Ghiselli)

Wenn der Tag und die Nacht gleich lang sind und der Frühling beginnt, starten zahlreiche Kulturen im Nahen Osten ins neue Jahr. Newroz heisst der Brauch, der jeweils um den 21. März auch von Kurden in der Stadt begangen wird. Für die Kurden hat das Fest aber nicht nur den Zweck, das neue Jahr einzuläuten.

Newroz dieses Jahr noch wichtiger als sonst

Schon seit langem hat das Fest auch eine politische Bedeutung: Es geht um Widerstand, Überwindung der Unterdrückung und Freiheit. Rund 100 Kurdinnen und Kurden – einige davon in traditioneller Tracht – sind am Donnerstagabend durch die Stadt gezogen. Die derzeit prekäre Lage in der Türkei trug dazu bei, dass die Sprechchöre angriffiger, die Spruchbänder deutlicher waren als in anderen Jahren.

So skandierten die Anwesenden Sprüche wie «Erdogan Faschist» und «Türkische Armee, raus aus Kurdistan». Ein Plakat, das den türkischen Machthaber Tayyip Erdogan als Nazi zeigte, wurde in die Höhe gestreckt. «Für uns ist Newroz dieses Jahr noch wichtiger als sonst», sagte eine Kurdin. Die Lage in der Heimat werde immer schlimmer. «Ein Bürgerkrieg steht kurz bevor.»

Der Demonstrationszug bahnte sich den Weg durch den Abendverkauf von der Marktgasse via Multergasse und Vadian­strasse zum St. Leonhard-Pärkli. Dort kam es zu einer Premiere in St. Gallen: Zum ersten Mal wurde das Newroz-Feuer entzündet. Wer darüber springt, fordert die Gefahr heraus – und bezwingt sie: ein gutes Omen fürs neue Jahr der Kurden. (ghi)