Neustart im «Schoren»

Nach 36 Jahren im «Goldenen Schäfli» sind Priska und Hugo Schudel auf den Rosenberg gezügelt. Diese Woche war Eröffnung im «Schoren», der durchgehend warme Küche anbietet.

Beda Hanimann
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Von der Altstadt auf den Rosenberg: Priska und Hugo Schudel im «Schoren», ihrer neuen Wirkungsstätte. (Bild: Ralph Ribi)

Von der Altstadt auf den Rosenberg: Priska und Hugo Schudel im «Schoren», ihrer neuen Wirkungsstätte. (Bild: Ralph Ribi)

Nicht einfach eine kleine Umstellung sei das gewesen, sondern eine Riesenumstellung. So sagt es Hugo Schudel. Seit dieser Woche sind er und seine Frau Priska Gastgeber im «Schoren», da funktionieren Bewegungsabläufe plötzlich nicht mehr, die sich zuvor über Jahrzehnte eingespielt haben. 36 Jahre haben die beiden das «Goldene Schäfli» in der Metzgergasse geprägt, seit dessen Eröffnung am 1. Mai 1979, sie waren gleichsam das «Goldene Schäfli». «Ein Lebensabschnitt, eine wunderschöne Zeit», sagt Hugo Schudel. «Der Weggang hat wehgetan, es hat auch Tränen gegeben», ergänzt Priska Schudel.

«Schoren» statt «Benedikt»

Aber da war nicht nur die Wehmut, der unverwechselbare Charme des Lokals mit dem legendären schiefen Boden, sondern auch das Bedürfnis, etwas Neues zu wagen, etwas Neues zu wollen. Denn die verwinkelte Altstadtliegenschaft hatte auch ihre Tücken. «Wir wissen jetzt auch in der Küche, was für Wetter ist», sagt Hugo Schudel lachend, in Erinnerung an die geschlossene Küche im «Schäfli». Die dunklen Räume seien ein Grund gewesen, um aufzuhören, sagt Priska Schudel. «Am Anfang hat mir das nichts ausgemacht, aber in den letzten Jahren hat es mir aufs Gemüt geschlagen.»

Zuerst war geplant, das «Benedikt» im Klosterviertel zu übernehmen, doch der Umbau verzögerte sich, schliesslich wurde der Vertrag wieder aufgelöst. Und ins Visier kam der «Schoren», das über hundertjährige Quartierrestaurant am westlichen Rosenberg, das als Rôtisserie zum Mekka der Gourmets wurde, zuletzt aber manchen Pächterwechsel und eine eher unglückliche Namensänderung zu «Level» erlebt hat. Mit den Schudels darf es wieder der «Schoren» sein, das Restaurant, dem das Quartier den Namen gegeben hat.

Durchgehend geöffnet

Das Bekenntnis zum Quartier ist durchaus Programm. «Wir können nicht davon ausgehen, dass alle <Schäfli>-Stammgäste auch hierher kommen, und die Touristen fallen gänzlich weg», sagen die Schudels. Deshalb orientieren sie sich auch an der neuen Umgebung. Als künftige Gäste sehen sie neben Quartierbewohnern Angestellte des nahen Bundesverwaltungsgerichts und der Gewerbebetriebe an der Zürcherstrasse, durch die Nähe zum Friedhof Feldli aber auch Trauergesellschaften.

Der «Schoren» ist deshalb durchgehend von 8 bis 24 Uhr geöffnet (Sonntag und Montag sind Ruhetage). «Es gibt auch am Nachmittag eine kleine Karte, es ist immer ein Koch da», sagt Priska Schudel. Und für Mütter mit Kindern gibt's sogar Stengelglace. Die Speisekarte bietet klassische gehobene Küche – zu der natürlich die Klassiker aus dem «Schäfli» wie Kalbsleberli oder Milken gehören. Und täglich vier Mittagsmenus zwischen 14 und 21 Franken.

Stimmungsvoller Wintergarten

Die «Schoren»-Räumlichkeiten wurden entschlackt. Der Eingangsbereich wirkt freundlicher und heller, und vor allem ist das grossflächige Kartongemälde verschwunden, so dass der stimmungsvolle Wintergarten endlich wieder wie ein solcher wirkt.

Das Platzangebot ist etwas kleiner als im «Goldenen Schäfli», und was für das Wirtepaar und die Angestellten ein Gewinn ist: Speiseraum, Fumoir, Wintergarten, Küche und sogar der Weinkeller liegen auf einer Ebene. Gross ist die Freude auf die Gartenwirtschaft. «Das hatten wir in der Altstadt nicht», sagt Priska Schudel. Was dort im Gegensatz zum «Schoren» ebenfalls fehlte, waren eigene Parkplätze.

Gastgewerbe im Wandel

Ein erfahrenes Wirtepaar wie die Schudels, das ist für den «Schoren» wie für die Stadt ein Glücksfall. Ihr Feuer für die Gastronomie ist eindrücklich, ebenso wie ihre Einschätzung des Wandels in der Branche. Dass heute jeder ohne weiteres ein Restaurant eröffnen könne, sei gefährlich, «das macht das Gastgewerbe kaputt», sagt Priska Schudel. Kritisch beurteilt sie auch die veränderten Essgewohnheiten: «Wenn die Leute über Mittag schnell im Stehen einen Hamburger essen oder sich im Büro aus der Tupperware verpflegen, geht die Geselligkeit verloren.» Dem will der «Schoren» auch mit den günstigen Mittagsmenus entgegenwirken.

Zu spüren bekommen hat die klassische Gastronomie auch die Tatsache, dass grössere Unternehmen zunehmend eigene Verpflegungsangebote für die Angestellten haben und dass das Vereinsleben anders geworden ist. Aber der Enthusiasmus der Schudels lässt keinen Zweifel, dass sie für diese Herausforderungen gerüstet sind.

Schoren, Dufourstrasse 150, Dienstag bis Samstag geöffnet. www.schorensg.ch

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