NEUERÖFFNUNG: Aus Pfund wird Goldkind

In den ehemaligen Räumen der Confiserie Pfund am Marktplatz 10 öffnet am 1. September das Café Goldkind. Die neue Inhaberin ist in der Stadt nicht unbekannt.

Peter Hummel
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Bald füllen sich die Vitrinen der Confiserie Pfund wieder: Sara Poplasen (rechts) folgt im Café Goldkind auf das Ehepaar Pfund. (Bild: Peter Hummel)

Bald füllen sich die Vitrinen der Confiserie Pfund wieder: Sara Poplasen (rechts) folgt im Café Goldkind auf das Ehepaar Pfund. (Bild: Peter Hummel)

Peter Hummel

stadtredaktion@tagblatt.ch

Gross war der Aufschrei, als die Confiserie Pfund an Silvester 2016 dicht machte: Wieder ging ein Traditionsgeschäft der Innenstadt verlustig. Eine Person beschloss aber schon damals, dass es weitergehen sollte: Sara Poplasen. Als Briefträgerin hatte sie Anfang Dezember von der Schliessung erfahren. Zwei Tage später deponierte sie bei Christian und Marlies Pfund ihr Interesse. Doch die Pfunds brauchten Bedenkzeit, was mit dem Laden geschehen soll. Ihnen lag rund ein Dutzend Anfragen vor, von einer Gelateria über eine Pizzeria bis zum Schmuckladen. Angesichts der nötigen millionenhohen Investition in den Umbau der Backstube, die viermal grösser ist als der Laden, verringerte sich jedoch die Zahl der Interessenten.

Als Ende März die Ladentür für einen Inventarverkauf nochmals kurz aufging und sich Poplasen die Ladengestelle sichern wollte, da waren sich die Pfunds sicher: «Diese ansteckende Begeisterung verdient eine Chance. Genau solch initiative Berufsleute braucht eine lebendige Innenstadt.» Zudem war Sara Poplasen nicht einfach nur ihre Pöstlerin, sondern brachte auch eine für Confiseur Pfund respektable Referenz mit: als rechte Hand von Mina Streuli, die bis 2011 während 18 Jahren die Pasticceria Da Mina am Spisertor führte. Als die aus Bosnien zugezogene Poplasen 1993 als Aushilfe anfangen durfte, hatte die gelernte Lebensmitteltechnologin zwar ein bisschen Kenntnis von den Produkten, aber keine Ahnung von Deutsch. Doch mit ihrem Talent und Elan wurde sie von Streuli so stark gefördert, dass sie in den letzten Jahren den Laden zeitweilig alleine schmeissen konnte.

Eine eigene Handschrift setzen

Doch traut sich Sara Poplasen denn quasi aus dem Stand eine erfolgreiche Wiederbelebung der Confiserie Pfund zu? Immerhin dürfte die prominente Lage am Marktplatz etwas herausfordernder sein als jene am Spisertor. «Nun, ich war ja in den vergangenen sechs Jahren neben meinem Hauptjob nicht untätig, sondern habe viele Caterings ausgeführt, zuletzt etwa eine Hochzeit für 160 Leute. Ich fühle mich jedenfalls bereit», sagt die Pöstlerin.

Allerdings will sie ja keine «Da Mina» und auch kein «Pfund» sein. Sie will keine Pfundsteine und Steinböckli anbieten. Ein paar Spezialitäten vom Spisertor wird es zwar geben, etwa Brownies und Michette, zudem Pralinés und Zöpfe sowie ein Mittagsangebot mit diversen Salaten. Aber Poplasen will ihre eigene Handschrift setzen, konsequenterweise auch unter neuem Namen: Café Goldkind wird ihr Baby heissen. Herleitungen gibt‘s immerhin einige: Etwa ihr goldblondes Haar und goldiges Gemüt. Ausserdem gibt’s in der Schweiz diesen Namen noch nirgends. Er passt dafür ganz gut hierher: Neben Goldschmied Frischknecht und dem Goldhaus wird diese Häuserzeile nun zu einer «Goldmeile».

Wertvolle Helfer stehen bereit

Einen Startbonus hat Poplasen: Als Briefträgerin kennt man sie in der halben Innenstadt. Sie glaubt auch gewappnet zu sein, falls es von Beginn an brummen sollte: «Viele Bekannte haben mir ihre Hilfe angeboten.» Als eigentliche Rückfallebene darf sie auf ihre «Lehrmeisterin» Mina Streuli zählen, die ihr zumindest in den Anfängen zum Fliegen verhelfen will. Und man darf davon ausgehen, dass sie sogar auf ein doppeltes Netz vertrauen kann: Christian Pfund wird ihr bei all den Geräten technischen Beistand leisten. Und vielleicht überkommt es ihn ja nochmals, dass er doch wieder gelegentlich Pfundsteine giesst. Das überlieferte Rezept dazu hat er jedenfalls trotz Anfragen noch nicht weiterverkauft.