Neue Wohnformen schaffen

Ab April gibt es in Gossau eine Wohngruppe der Stiftung VitaTertia für an Demenz erkrankte Menschen. Gestern führte Direktor Markus Christen über die Baustelle.

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Markus Christen (links) und Stephan Marcinek erklären die Baupläne. (Bild: Nina Rudnicki)

Markus Christen (links) und Stephan Marcinek erklären die Baupläne. (Bild: Nina Rudnicki)

GOSSAU. Noch ist jener Bereich der Seniorenresidenz VitaTertia in Gossau, in dem bald Demenzkranke wohnen werden, eine einzige Baustelle. Doch schon Ende April wird es hier in einer Wohngruppe Platz für 16 Bewohner geben. Einer- und Zweierzimmer, eine gemeinsame Küche, Rückzugsecken, Aufenthaltsräume und ein Garten sind vorgesehen. «Eine spezielle Abteilung, die einzig auf die Bedürfnisse der Demenzkranken ausgerichtet ist, war in Gossau notwendig», sagt Markus Christen, Direktor der Stiftung VitaTertia, während des Baustellenrundgangs. Zumal es bislang an genügend Angeboten zur Betreuung demenzkranker Menschen fehlen würde.

Immer mehr ältere Menschen

«Die Menschen werden immer älter. Als Folge davon steigt auch die Zahl der an Alzheimer erkrankten Personen», sagt Christen. So seien es 2010 alleine im Kanton St. Gallen 6200 Demenzkranke gewesen. «Allerdings leben nur 50 Prozent der Betroffenen in Heimen.» Oft würden sich die Familien und Angehörigen schämen, die Betroffenen in einem Heim unterzubringen. «Viele Ehepartner haben das Gefühl, versagt zu haben.» Eine Umfrage, welche die Terzstiftung vor einem Jahr bei über 65jährigen Gossauern durchgeführt hatte, zeigte aber, dass sich die Mehrheit für neue Wohnformen wie spezielle Wohngruppe in einer Demenzabteilung aussprachen, (Ausgabe vom 30. März 2012). «Das Bedürfnis besteht also», sagt Christen. Derzeit laufen bei VitaTertia die Bewerbungsgespräche. Bis neun Stellen sollen geschaffen werden. «Insgesamt werden es 14 Personen sein, die künftig auf der Demenzabteilung arbeiten», sagt Christen. Stephan Marcinek, Leiter der Pflege und Betreuung, fügt hinzu: «Für die Pfleger bedeutet das, dass sie einen Viertel mehr Zeit pro Bewohner haben, als es üblich ist.»

«Die optimale Grösse»

Für die Hälfte der Plätze haben sich laut Christen bereits Interessenten gemeldet. 6000 bis 9000 Franken koste ein Platz in einer Demenzabteilung schweizweit pro Monat. «Bei uns sind die Kosten zwar leicht höher als im Schnitt, die Leistung liegt dafür aber deutlich darüber.» Für 16 Plätze habe sich die Stiftung entschieden, weil dies «die optimale Grösse» sei. «Dadurch können wir den Bewohnern eine Art Familienleben, aber zugleich auch Privatsphäre ermöglichen.» (nar)