«Neue» und «zweite» Heimat

REGION. Wo fühlt man sich heimisch? Was ist Heimat überhaupt? Diese Frage werden drei Teilnehmer mit Migrationshintergrund, mit drei verschiedenen Lebensgeschichten, öffentlich in Goldach diskutieren.

Christoph Renn
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Spannende Diskussion: Die drei Teilnehmer der Gesprächsrunde mit Pfarrer Pius Helfenstein beim ersten Treffen. (Bild: Christoph Renn)

Spannende Diskussion: Die drei Teilnehmer der Gesprächsrunde mit Pfarrer Pius Helfenstein beim ersten Treffen. (Bild: Christoph Renn)

«Eine einheitliche Definition existiert nicht», findet man im Internet, sucht man nach dem Begriff Heimat. Der St. Galler Musiker Stahlberger sagt in seinem gleichnamigen Lied: «Heimat ist ein grosses Wort. Ist Heimat ein Gefühl, oder ist es ein Ort? Viele Leute sagen, am schönsten ist es immer noch <dihei>, und viele sagen <Nei>.» Doch was ist nun Heimat? Dieser Frage stellen sich am 18. November im katholischen Pfarreiheim in Goldach drei Menschen mit Migrationshintergrund. Im Stile der «Arena» unter der Leitung des Rorschacher Pfarrers Pius Helfenstein soll diskutiert und erfahren werden, was Heimat bedeuten kann, was Heimat für Gefühle hervorbringt. Das Gespräch soll Verständnis für die verschiedenen Auffassungen bringen – zum Nachdenken anregen.

Freunde finden

Drei Migranten, drei Lebensgeschichten, drei Familien, welche in Rorschach, Rorschacherberg und Goldach eine «neue», eine «zweite» Heimat gefunden haben. Durch neue Freunde, durch den Beruf oder durch die Familie. Kürzlich haben sich die Teilnehmer im Büro von Pfarrer Helfenstein das erste Mal getroffen. Eine von ihnen ist die 41jährige Hawe De Maio Merga aus Äthiopien. Mit 17 Jahren ist sie in die Schweiz gekommen, nach St. Gallen. In der Stadt sei es schwierig gewesen, Kontakte zu knüpfen. Bald ist sie nach Goldach gezogen und hat Freundschaften geknüpft, hat sich verliebt und geheiratet. Heute ist sie Mutter von zwei Kindern, arbeitet im Altersheim, ist Dolmetscherin und Moderatorin bei Caritas. Sie habe hier ihre neue Heimat gefunden, denn hier fühle sie sich wohl.

Familie und Arbeit

Wohl fühlt sich in Rorschach auch der 43jährige Chandran Saravanamuthu aus Sri Lanka, besser bekannt als Sandro. Seit siebzehn Jahren lebt und arbeitet er am Bodensee. Sofort habe er nach Arbeit gesucht, denn er wolle immer arbeiten. Und er wurde fündig: Als Tellerwäscher angefangen, ist er heute stolzer Inhaber der Pizzeria Capri in Rorschach. Nur Deutschkurse habe er nie sonderlich gerne besucht. Viel lieber habe er sich mit den Leuten unterhalten und so die Sprache erlernt – und zugleich noch Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Er ist verheiratet und Vater von drei «Jungs». Seine Heimat sei dort, wo er seine Zukunft sieht – und die sei hier, bei seiner Familie, in Rorschach.

Die Sprache als hohe Hürde

Über die Zukunft denkt auch der dritte Teilnehmer, der 40jährige Abdullah Karakoc nach. Einige seiner Bekannten gingen wieder zurück in die Türkei, er und seine Familie werden aber hier bleiben. In ihrer neuen, zweiten Heimat. Der Bereichsingenieur eines Grosskonzerns habe einen schwierigen Start gehabt. «Alles war anders. Ich habe zum ersten Mal einen Zug gesehen, als ich in der Schweiz ankam.» Vor allem die Sprache habe ihm anfangs die Suche nach der Heimat erschwert.

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