Neue «Tankstelle» geht auf

Wo man Alkohol bis 22 Uhr kaufen kann, sind viele Jugendliche anzutreffen. Die These lässt vermuten, dass sich Jugendliche in Zukunft vermehrt beim Bleicheli treffen.

Mirjam Bächtold
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Shoppen nach Ladenschluss: Pronto-Shop an der Kornhausstrasse. (Bild: Mirjam Bächtold)

Shoppen nach Ladenschluss: Pronto-Shop an der Kornhausstrasse. (Bild: Mirjam Bächtold)

Auf Plätzen neben den Verkaufsstellen Avec und Aperto am Bahnhof treffen sich abends häufig Jugendliche, die sich in den Shops mit Alkohol eindecken. Seit heute gibt es eine weitere Verkaufsstelle, die bis 22 Uhr geöffnet hat. An der Kornhausstrasse 18 wird der Coop-Pronto-Shop eröffnet, betrieben von der Coop Mineralöl AG (siehe Kasten). Da im Laden auch Alkoholika verkauft werden, gibt es Befürchtungen, dass vermehrt Jugendliche zum nahegelegenen roten Platz kommen könnten (Tagblatt vom 16. Juli).

Alkohol erst ab 18 Jahren

Jürg Kretzer, Mediensprecher der Coop Mineralöl AG, sieht jedoch keinen Grund zur Beunruhigung. «Alkoholhaltige Getränke werden bei Coop Pronto freiwillig nur an Personen ab 18 Jahren verkauft», sagt er. Gegen ein befürchtetes Littering habe man im Eingangsbereich einen Abfallbehälter aufgestellt. Zudem würden PET und Batterien zurückgenommen.

«Unser Shop wird eröffnet, um das Bedürfnis der Kundschaft für den schnellen und bequemen Einkauf abzudecken und nicht um Littering, Lärmemissionen oder gar den Alkoholkonsum zu fördern.» Ausserdem hätten Untersuchungen gezeigt, dass ein Bedarf für einen Coop Pronto in diesem Gebiet bestehe.

Shop hat Auswirkungen

Hansueli Salzmann, Leiter Offene Jugendarbeit beim Jugendsekretariat, glaubt nicht, dass eine Verkaufsstelle den Alkoholkonsum von Jugendlichen fördert.

«Aber jede Verkaufsstelle hat Auswirkungen auf die Jugendlichen», sagt er. Es sei eine weitere Möglichkeit für die Jugendlichen, sich mit Alkohol einzudecken. «Aber wenn sie diese nicht hätten, würden sie in einen anderen Laden gehen.» Solche Verlagerungen gebe es immer wieder. Als der Avec-Shop eröffnet wurde, seien viel mehr Jugendliche zum Bahnhofpärkli gekommen. Eine ähnliche Entwicklung sei jetzt beim Pronto-Shop möglich.

Es könne sein, dass mehr Jugendliche zum roten Platz kommen oder dass neue Plätze, wie etwa vor der Kantonalbank, attraktiv werden. «Wir werden eine allfällige Veränderung beobachten», sagt Salzmann. Dabei gehe es nicht darum, den Shop zu überwachen, sondern die Plätze in der Nähe in die Route der aufsuchenden Jugendarbeit aufzunehmen. «Am wichtigsten ist uns der Kontakt zu den Jugendlichen.»

Auch Benjamin Lütolf, Mediensprecher der Stadtpolizei, rechnet mit einer allfälligen Verlagerung des Ausgangsrayons der Jugendlichen. Doch er ist wegen der neuen Verkaufsstelle nicht beunruhigt. «Wenn Jugendliche Alkohol wollen, bekommen sie ihn sowieso.»

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