Neue Stützen für ein altes Dach

GOSSAU. Die SBB wollen den Perron 1 am Bahnhof Gossau für 3,2 Millionen Franken sanieren. Die Dachkonstruktion soll sicherer, der Perron komplett rollstuhlgängig werden. Dabei muss auch auf den Denkmalschutz geachtet werden.

Benno Gämperle
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Der Perron 1 soll bald vollständig rollstuhlgängig sein. Die Stufe an der Kante wird aufgehoben. (Bild: Ralph Ribi)

Der Perron 1 soll bald vollständig rollstuhlgängig sein. Die Stufe an der Kante wird aufgehoben. (Bild: Ralph Ribi)

Die Perrondächer des SBB-Bahnhofes von Gossau sind wohl eine der prägendsten Visitenkarten der Stadt. Es dürfte kaum einen Reisenden geben, der im Zug Gossau passiert und die Dächer mit den filigranen Holzpfeilern nicht bemerkt. Wohl mit ein Grund, weshalb die Perrondächer, zeitgleich mit den Bahnhofsgebäuden anno 1913 erbaut, unter Denkmalschutz stehen.

«Statisch ertüchtigen»

Nun soll das Perrondach von Gleis 1,75 Meter lang und grösstenteils am Bahnhofsgebäude befestigt, «statisch ertüchtigt» werden, wie es in der Ausschreibung des «ordentlichen eisenbahnrechtlichen Plangenehmigungsverfahrens» heisst. Die Verstärkung des Perrondaches ist jedoch nicht die einzige Arbeit, welche die SBB am Bahnhof Gossau ausführen wollen. Zweites zentrales Element dieses Projektes ist die Erhöhung des Perrons an Gleis 1 auf 55 cm (siehe «Perron 1 wird rollstuhlgängig»). Voraussichtlicher Baubeginn ist im April 2014, die Inbetriebnahme des erneuerten Perrons 1 ist auf Dezember 2014 geplant. Vorausgesetzt, keine Einsprachen verzögern das Vorhaben. Das ganze Projekt soll 3,2 Millionen Franken kosten.

Der Kies muss weg

«Die Statik und somit auch die Sicherheit des vor 100 Jahren erbauten Perrondaches basiert auf den damals gültigen Normen», erklärt Thomas Vollmar, Gesamtprojektleiter der SBB. Seither seien die Annahmen für Schneelasten in den aktuellen SIA-Normen erhöht worden. Vollmar weiter: «Mit der Ertüchtigung des Perrondaches stellen wir die Tragsicherheit gemäss den aktuell gültigen Normen sicher.» Geplant sind laut dem Gesamtprojektleiter SBB diverse Verstärkungsmassnahmen für das Holzdach, welche «mit der Denkmalpflege abgestimmt und optisch sehr gut verträglich» seien. So sollen die Binder, also die tragenden Teile des Daches, laut Vollmar mittels einer Querrippe auf dem Perrondach verstärkt werden. Diese Querrippe sei von unten nicht sichtbar. Unsichtbar sollen auch die Stahlprofile bleiben, welche neu auf die Binder zu liegen kommen sollen. Sie werden laut Projektbeschrieb «zusammen mit den Holzstützen einen Querrahmen bilden». Als zusätzliche Entlastung soll zudem die heute vorhandene Kieseindeckung des Perrondaches entfernt werden; diese war beim Bau im Jahre 1913 nicht vorgesehen und sei im Zuge einer Sanierung der Abdichtung auf dem Dach aufgebracht worden, wie der SBB-Gesamtprojektleiter Thomas Vollmar weiter ausführt. Der Kies habe als Schutz der darunterliegenden Dachabdeckung gedient und das ursprüngliche Metalldach ersetzt. «Eine Dachbegrünung war nie vorgesehen», erklärt Vollmar auf Anfrage.

Aus Stahl wird wieder Holz

Derjenige Teil des Perrondaches, dem die Pendler und sonstigen Bahnhofnutzer buchstäblich am nächsten stehen, sind die olivgrün bemalten und geschnitzten Holzpfeiler. Drei dieser Pfeiler an Gleis 1 mussten im Lauf der Zeit ersetzt werden. An ihrer Statt stehen heute Stahlstützen; auf eine davon stützt sich zudem ein Fahrleitungsmast. Bei der Sanierung sollen sämtliche Holzstützen verstärkt oder ersetzt werden. Das gilt auch für die Stahlstützen, die wieder durch Holzpfeiler ersetzt werden sollen. Ausgenommen davon ist die Stütze mit dem Fahrleitungsmast. Auch die Betonfundamente der Stütze sollen neu gesetzt werden, wovon obengenannte Ausnahme ebenfalls nicht betroffen ist.

Eine Probe schon entnommen

Regelmässige Begeher des Gossauer Bahnhofes haben es bemerkt: Zwischen Unterführung und Sitzplatz des Cafés Friends fehlt bereits jetzt eine der Original-Dachstützen. Sie wurde provisorisch mit Holzbalken und -latten ersetzt. Dies hat laut Thomas Vollmar mit der geplanten Dachsanierung zu tun. «Wir haben anhand der ausgebauten Stütze deren Aufbau und die Bemessungswerte der Stützenmaterialien für die statische Nachrechnung untersucht.»

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