Neue Schulmodelle im Test

Was andere Kantone bereits praktizieren, fasst nun auch in St. Gallen Fuss: Auf der Oberstufe werden alternative Unterrichtsformen getestet. Die Schulversuche greifen Modelle auf, wie sie auch an Privatschulen üblich sind.

Markus Wehrli
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Lernen in der Gruppe und über die Jahrgänge hinweg – ein Markenzeichen der Oberstufe von morgen. (Archivbild: Reto Martin)

Lernen in der Gruppe und über die Jahrgänge hinweg – ein Markenzeichen der Oberstufe von morgen. (Archivbild: Reto Martin)

ST. GALLEN. Taminatal, Quarten, Häggenschwil: In diesen Gemeinden wird die gängige Unterrichtsform an Oberstufen gebrochen. Die beiden Schulen im Sarganserland tun dies im Rahmen von Schulversuchen und mit Bewilligung der St. Galler Erziehungsrates. Häggenschwil als Privatschule, nachdem ebensolche Schulversuche hier nicht bewilligt wurden. Gemeinsam ist den drei Oberstufen nicht nur die geringe Schülerzahl, die eine Suche nach neuen Unterrichtsformen notwendig macht. Auch die neuen Modelle gleichen sich.

Integrierte Oberstufe und mehr

Stichworte dazu sind die integrative Oberstufe und das altersdurchmischte Lernen. Definiert sich die Oberstufe heute über je eine Real- und Sekundarklasse pro Jahrgang – also mindestens sechs Klassen an einer Schule –, wird dieses Gerüst mit den neuen Schulformen ersetzt.

In der integrativen Oberstufe treten an die Stelle von Sek und Real sogenannte Stammklassen in drei Jahrgängen. Das altersdurchmischte Lernen geht einen Schritt weiter. Es hebt nicht nur Sek und Real, sondern auch die Orientierung am Jahrgang auf. Unterrichtet wird dann entsprechend dem Lernstand der Schüler.

Örtliche Bedürfnisse regieren

«Im Zuge der Schulversuche in Quarten und im Taminatal kommt eine Mischform der drei Unterrichtsformen zur Anwendung», sagt Rolf Rimensberger, Leiter Amt für Volksschule. Massgebend seien die örtlichen Erfordernisse. An der Oberstufe Taminatal etwa wird die integrative Oberstufe mit drei Jahrgangs-Stammklassen eingeführt. Diese wiederum werden in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen in Leistungsgruppen unterteilt. In den Wahlfächern schliesslich kommt auch die Alterssegmentierung zur Aufhebung.

Komplexer ist die Situation in Quarten. Hier wird in den Naturwissenschaften und Fremdsprachen im Grundsatz am herkömmlichen System festgehalten. «Mathematik, Deutsch und musisch-gestalterische Fächer können aber in altersdurchmischten Gruppen unterrichtet werden», sagt Rimensberger – also in Gruppen, in denen die Jahrgangsklassen aufgehoben sind. Noch offen ist, ob dabei auch die Sekundar- und Realstufen aufgelöst und deren Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Rimensberger betont, dass die Schulformen für die beiden Oberstufen noch nicht definitiv festgelegt seien. Es handle sich um Konzepte, die aufgrund der konkreten Situation vor Ort ausgestaltet würden.

Privat, aber nicht anders

Hintergrund der Versuche ist nicht nur, Unterrichtsformen für die beiden kleinen Sarganserländer Oberstufen zu finden, die ihnen ein Überleben ermöglichen. Das Bildungsdepartement möchte generell Erfahrungen mit neuen Schulmodellen sammeln – für den Fall, dass in einer weiteren Gemeinde die Schülerzahlen knapp werden.

Dies ist in besonderem Masse in Häggenschwil der Fall. Die kleinste Oberstufe im Kanton wird ab kommendem Sommer als Filiale der Romanshorner Privatschule SBW Haus des Lernens weitergeführt.

«Unser Unterrichtsprinzip ist insofern mit den Schulversuchen im Sarganserland vergleichbar, als auch bei uns die Individualisierung des Lernens im Vordergrund steht», sagt Reto Ammann, Gesamtleiter der SBW. Auch an den Lernhäusern der SBW wird die integrierte Oberstufe praktiziert. Sek- und Realstufe sind aufgehoben. Zudem ist auch die Alterssegmentierung in einem Teil der Fächer aufgelöst.

Anstelle der herkömmlichen Klasse sind Lerngruppen getreten. «Der Lehrer ist nicht jemand, der im Frontalunterricht allen dasselbe lehrt, sondern einer, der Inputs gibt und nachher begleitet und coacht. Die Schüler erarbeiten sich dann das Wissen selbständig, und zwar einzeln oder in Gruppen.» Ziel sei, die Schüler ihrem Leistungsstand entsprechend zu fordern und zu fördern.

Auch wenn sich die Modelle gleichen: Ein Unterschied zu den Schulversuchen im Sarganserland besteht. Anders als der Kanton St. Gallen kann die SBW an ihren Lernhäusern auf mehrjährige Erfahrungen in diesen Unterrichtsformen zurückgreifen.