Neue Chancen im Stadtzentrum

Die Haltestelle Stadt wird ein Bahnhof. Das wertet die Umgebung auf zu einem Teil des Stadtzentrums, was durch eine Strassenunterführung noch verstärkt würde. Die Weichen stellen die Bürger beim Entscheid über die Unterführung.

Fritz Bichsel
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Erweitertes Stadtzentrum mit Bahnhof (Mitte), Portalen der geplanten Unterführung (dunkelgrün) und Beispiel für mögliche Bauten (gelbbraun). (Bild: zVg)

Erweitertes Stadtzentrum mit Bahnhof (Mitte), Portalen der geplanten Unterführung (dunkelgrün) und Beispiel für mögliche Bauten (gelbbraun). (Bild: zVg)

RORSCHACH. Rorschach ist geprägt von der Industrialisierung vor gut hundert Jahren: Fabriken im Wohngebiet, Quartiere mit heute veraltetem Wohnraum, zwei Bahnlinien, die den Zugang zu Zentrum und See erschweren. Im Verhältnis zum Wachstum des Siedlungsgebietes – über die eng gezogene Grenze hinaus bis in die Nachbargemeinden – blieb das Geschäftszentrum bescheiden: an einigen Strassenabschnitten nahe des Hafens.

Seit jüngerer Zeit wandelt sich das Bild. Im Zentrum entsteht neuer Wohnraum in Kombination mit Geschäften. Im Westen folgten der aufgegebenen Aluminiumfabrik die Stadtwald-Hochhäuser und sind Neubauten auf dem Löwengarten-Areal anstelle der abgebrochenen Brauerei projektiert. Am südlichen Stadtrand fanden neuer Geschäftsraum und eine neue Siedlung Platz. Ostwärts dehnt sich der Stadtkern aus, mit dem Würth-Haus als markanter Neuerung.

Der Stadtrat beeinflusst und fördert diese Entwicklungen stark. Dabei folgt er Leitideen, die er nun im Konzept für die Stadtentwicklung vertieft und der Bevölkerung zur Stellungnahme unterbreitet hat. Damit hatte er zugewartet bis zur Klärung von Fragen zu einem wichtigen Entwicklungsgebiet: der Umgebung der heutigen Bahnhaltestelle Stadt.

Stadtzentrum kann wachsen

Nun steht fest: Bund und SBB gehen den Bau des Stadtbahnhofs an. Das erleichtert auch den Bau einer Strassenunterführung unter dem Bahnhof hindurch für Busverkehr und Zufahrt zum Zentrum ohne Barrieren. Der Bund ist bereit, das zu 40 Prozent mitzufinanzieren. Und die Umfahrung des Stadtkerns in einem Tunnel bis in dieses Gebiet hat der Bund zwar zurückgestellt, sie kann aber ein langfristig realistisches Ziel bleiben.

Rorschach soll das regionale Dienstleistungszentrum bleiben. Und dafür soll das Stadtzentrum gestärkt werden durch Ausdehnung bis Bäumlistorkel/Stadtbahnhof und barrierenfreie Erreichbarkeit. Das beurteilt Stadtpräsident Thomas Müller als zentral für die Entwicklung von Rorschach. Er freut sich, dass die Bevölkerung diese Ziele stark unterstütze. Das zeigten die Resultate der Vernehmlassung zum Stadtentwicklungskonzept.

Potenzial für innere Verdichtung

Stärkung der Innenstadt für Versorgung, Ausdehnung des Geschäftszentrums zum Stadtbahnhof und Strassenunterführung für besseren Zugang zu Zentrum und See beurteilen 90 oder mehr Prozent der antwortenden Bürger als ganz oder teilweise richtig und wichtig.

Der Stadtrat hat Boden gesichert für den grösseren Bahnhof und einen Bushof. Für eine Strassenunterführung braucht die Stadt weiteren Boden, und sie prüft zusätzliche Liegenschaftenkäufe für die Entwicklung dieses neuen Teils des Zentrums. Hauptsächlich will sie sich nach Auskunft des Stadtpräsidenten jedoch konzentrieren auf die Sicherung von Land für eigenen Bedarf, auch für eine Kernumfahrung in fernerer Zeit.

Die Umgebung der Haltestelle Stadt ist erst locker überbaut. Mit dem Bahnhof erhalten Grundeigentümer Anreiz, das Potenzial für Aus- und Neubauten zu nutzen. Mit einer Strassenunterführung dehnt sich das aus zur Löwen- und Signalstrasse, die weniger Verkehr hätten. Und die Schliessung der Scapa bringt neue Nutzungsmöglichkeiten auch südlich des künftig beidseits zugänglichen Bahnhofs.

Diskussion und Abstimmung

Die Bürger können diese Möglichkeiten am Stadtapéro in einer Woche diskutieren. Im Februar entscheiden sie dann über den Kredit für die Unterführung.