Neue Bishops gesucht

Seit 25 Jahren gibt es in St. Gallen den Rugby-Club The Bishops. Das wissen jedoch noch längst nicht alle. Mit Hilfe der WM in England und Wales, die morgen mit dem Final endet, versuchen die Bishops ihre Sportart bekannter zu machen.

Raya Badraun
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Der Neuseeländer Malcolm Frazer trainiert bei den Bishops junge Studenten, bärtige Männer und auch Frauen. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Der Neuseeländer Malcolm Frazer trainiert bei den Bishops junge Studenten, bärtige Männer und auch Frauen. (Bilder: Hanspeter Schiess)

RUGBY. Es gab Zeiten, da wurden die Bishops mit American-Football-Spielern verwechselt. «Ah, Ihr seid die mit dem Helm», hörten sie dann jeweils. Dank der Rugby-WM in England und Wales wird ihnen das so schnell wohl nicht mehr passieren. Die Faszination für den Ballsport ist mittlerweile auch in der Schweiz angekommen. Als am vergangenen Samstag der Halbfinal zwischen Neuseeland und Südafrika ausgetragen wurde, war das Irish Pub in St. Gallen so voll wie schon lange nicht mehr. Die Bishops nutzten den Moment und weibelten bei den Zuschauern für ihren Verein. «Viele wissen gar nicht, dass man in St. Gallen Rugby spielen kann», sagt Captain Oliver Baumgartner. Dabei feierten die Bishops diesen Sommer bereits das 25-Jahr-Jubiläum. Und seit dem vergangenen Jahr gibt es unter dem Namen Cindies sogar ein Frauenteam.

Studenten und bärtige Männer

Auch bei Baumgartner stand am Anfang eine WM. 2003 holte England den Titel, das Heimatland seiner Mutter. Sie war es auch, die ihm den Sport näherbrachte. Er, der körperbetonte Verteidiger, solle doch vom Fussball zum Rugby wechseln, sagte sie. Als Baumgartner schliesslich mit 19 Jahren das Studium aufnahm, folgte er dem Rat der Mutter. «Um spielen zu können, muss man nicht 120 Kilogramm schwer und 1,90 Meter gross sein», sagt der 28jährige Westschweizer. «Für jede Position auf dem Feld braucht es einen anderen Spielertyp.» Wie stark durchmischt die Bishops sind, sieht man beim Training auf dem Breitfeld hinter der AFG Arena. Junge Studenten spielen mit gestandenen Bäckern, Australier mit Neuseeländern, bärtige Männer mit langhaarigen Frauen. Auch ein paar Neulinge trainieren mit. «In St. Gallen wird man sehr schnell Teil der Mannschaft», sagt Baumgartner, der 2008 an die Universität St. Gallen und zu den Bishops wechselte. «Der Teamspirit ist extrem gut. Dafür ist wohl auch die dritte Halbzeit verantwortlich.» Diese ist ein wichtiger Teil der Rugby-Kultur.

Olma-Bratwurst für die Gegner

Rugby ist ein körperbetonter Sport. Prellungen sind keine Seltenheit. Schwere Verletzungen gebe es aber kaum, sagt Baumgartner. Denn Fairness wird grossgeschrieben. So wird mit dem Schiedsrichter nicht diskutiert – auch bei gelben Karten nicht. Ohne zu murren sitzen die Spieler ihre Zeitstrafe ab. Und nach dem Spiel lädt das Heimteam die Gäste zum Essen ein. Auf dem Breitfeld gibt es dann jeweils eine Olma-Bratwurst mit Bier. «Diese Art mit dem Gegner umzugehen, ist mir sehr wichtig», sagt Trainer Malcolm Frazer, der in Neuseeland aufgewachsen ist. Morgen wird die dritte Halbzeit wohl noch etwas länger dauern. Nach dem Auswärtsspiel der Bishops gegen Schaffhausen treten im WM-Final Neuseeland gegen Australien an. «Ich bin sehr aufgeregt», sagt Frazer. «Hoffentlich haben die Neuseeländer keinen schlechten Tag.» Auch für die restlichen Bishops ist es ein wichtiges Spiel: Ein weiteres Mal können sie Zuschauer von ihrem Sport überzeugen.

Rugby: Geschichte über die Bishops St. Gallen. Bilder aus dem Training, mit dem Trainer Malcolm Frazer auf dem Sportplatz Breitfeld. (Bild: Hanspeter Schiess)

Rugby: Geschichte über die Bishops St. Gallen. Bilder aus dem Training, mit dem Trainer Malcolm Frazer auf dem Sportplatz Breitfeld. (Bild: Hanspeter Schiess)

Legende (Bild:)

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