Neubauten verdrängen Parkhotel

Das Hotel Waldau schliesst in einer Woche – diesmal wohl endgültig. Hauptgrund ist der bevorstehende Bau weiterer Mehrfamilienhäuser im Park. Nach 105 Jahren als Hotel steht der Umbau des Hauses in Wohnungen bevor.

Fritz Bichsel
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Die Visualisierung zeigt, wie im Westteil des Waldauparks Mehrfamilienhäuser entstehen sollen zwischen dem bisherigen Hotel und Bäumen. (Bild: Visualisierung: pd)

Die Visualisierung zeigt, wie im Westteil des Waldauparks Mehrfamilienhäuser entstehen sollen zwischen dem bisherigen Hotel und Bäumen. (Bild: Visualisierung: pd)

RORSCHACHERBERG. «Nochmals gut zwei Jahre eine Baustelle nebenan und noch näher – das kann kein Hotel überleben», sagt Waldau-Pächter Charly Fleischhacker. Er spricht damit das Projekt für zwei weitere Mehrfamilienhäuser im Park an. Bereits der Bau der Häuser im Ostteil des Parks habe 2013/14 Einbussen bewirkt. Der Lärm halte Gäste ab, auch für Seminare buche so kaum jemand. Das gilt für ein Haus, das als Hotel in einem Park mit freiem Blick auf den nahen Bodensee bekannt und positioniert ist, ganz besonders. Unter diesen Umständen hätten die Eigentümer entschieden, den Hotel- und Restaurantbetrieb aufzugeben, sagt der aus dem Bündnerland stammende Hotelier auf Anfrage.

Zurück zu Plänen von 2010

Eigentümerin ist die Schlosshotel TGS AG von Werner und Sybille Mang von der benachbarten Schönheitsklinik. Sie hatten bereits beim Kauf vor fünf Jahren erwogen, die «Waldau» in Wohnungen umbauen zu lassen, und schlossen den Betrieb kurz danach. Dann fanden sich aber mit Charly und Annelie Fleischhacker Pächter, die Hotel, Restaurant, Bar und Garten im Sommer 2012 wieder öffneten. Jetzt läuft das Bewilligungsverfahren für die Umnutzung des rund 150jährigen Hauses in Wohnungen mit Anbau von Balkonen.

Gleichzeitig liegt bei der Gemeinde Rorschacherberg das Baugesuch für 32 Eigentumswohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern im Parkteil westlich des Hotels auf. Jenes Bauland verkauften Mangs an die Swiss Finest Homes AG in Staad. Beide Bauprojekte ausführen will die i+R Wohnbau AG in St. Margrethen. Derweil geht im Viersternhaus Waldau der Betrieb zu Ende. Nach 105 Jahren als Hotel und Restaurant ist die Schliessung diesmal wohl endgültig.

Von viel Grün zu Baugebiet

Von den Mitarbeitenden hätten die meisten bereits eine neue Stelle, berichtet der Hotelier. Für die letzten Tage bis zum Ende am 4. Dezember seien nur noch zwei Festangestellte und einige Aushilfen tätig. Das Hotelierpaar Fleischhacker, das vom Nobelort Zürs am Arlberg nach Rorschacherberg kam, will ins Bündnerland zurückgehen für weitere gastronomische Tätigkeiten.

Die «Waldau» erlebte bereits Zweckänderungen in eine Privatschule und dann in den Hotelbetrieb. Zu einem von mehreren Besitzerwechseln führte vor Jahren die Versteigerung nach dem Konkurs des damaligen Hoteliers. Ursprünglich stand das Haus als eines von wenigen in weitem Grün. Südlich entstand ein grosses Wohnquartier, das inzwischen bis in den Ostteil des Parks um die «Waldau» wuchs.

Häuser neben Parkbäumen

Dasselbe steht bevor mit den zwei Mehrfamilienhäusern im Westteil des Parks, denen ein weiteres im Südteil folgen kann. Die Grundlage für die Projekte bildet der durch die Gemeinde erlassene Überbauungsplan Waldau. Nach Ausräumen von Einsprachen durch geringe Verschiebung der südlichen Baufläche und der Genehmigung durch den Kanton, ist dieser jetzt rechtskräftig. Er ermöglicht, ein Geschoss höher zu bauen. Dafür bleibt mehr Grünfläche, auf der ein Teil der Parkbäume erhalten oder neu gepflanzt werden muss, der Bach wird teils offengelegt.