«Neubädli»-Team macht weiter

ST.GALLEN. Vor zwei Wochen konnte die Feuerwehr einen Altstadtbrand im Klosterbezirk knapp verhindern. In der Küche des Restaurants Neubad war eine Fritteuse in Brand geraten. Der Schock beim «Neubädli»-Team sitzt noch immer tief.

Odilia Hiller
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Wirtin Monika Engler mit Chef de Service Chantal Kolp und Küchenchef Reto Hofer (v. r.). (Bild: Benjamin Manser)

Wirtin Monika Engler mit Chef de Service Chantal Kolp und Küchenchef Reto Hofer (v. r.). (Bild: Benjamin Manser)

Der schlimmste Tag nach dem Restaurantbrand im «Neubad» war für Monika Engler und ihr Team der erste Montag. «Du stehst auf und willst arbeiten gehen. Dein Körper will arbeiten gehen. Aber deinen Arbeitsort gibt es nicht mehr», sagt Küchenchef Reto Hofer über die Gefühle in den Tagen, nachdem das Feuer gelöscht war. Es folgt das Begreifen des Unfassbaren, jeden Tag von neuem, sagt er. «Es ist also wirklich passiert. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Und du musst zu Hause bleiben.»

Sechs Lehrlinge betroffen

Dass sie gehörig daran kauen, was vor gut zwei Wochen in der Bankgasse 6 geschehen ist (siehe Kasten), merkt man der Wirtin des Restaurants Neubad, Monika Engler, ihrem Küchenchef Reto Hofer und Chef de Service Chantal Kolp an. Der Gedanke, dass es irgendwie weitergehen müsse, sei allerdings schnell dagewesen. Bereits steht für die drei fest: «Wir bauen das <Neubädli> wieder auf.» Mit dem gleichen Team.

Sie seien unterdessen fast wie eine Familie – ein «Dreamteam» jedenfalls, das ohne einander fast nicht kann.

Elf Mitarbeiter sind vom Zwangsunterbruch des Betriebs betroffen, darunter sechs Lehrlinge. Für alle habe sich eine gute Lösung gefunden, sagt die Wirtin. Die Lehrlinge werden im Restaurant Candela beschäftigt, bis das «Neubad» wieder aufgeht.

«Wir erhalten unglaublich viel Unterstützung von allen Seiten.» Auch vom Vermieter erlebten sie viel Verständnis, Grosszügigkeit und Hilfe. Keine Selbstverständlichkeit, finden sie.

Vor Weihnachten eröffnen?

Doch es gibt trotz massiven Schadens am Gebäude auch gute Nachrichten. Das Feuer und die Mottbrände, die die Feuerwehr während Stunden beschäftigten, haben das Bistro im Erdgeschoss sowie das historische Säli im ersten Stock des fast 600jährigen Gebäudes nicht völlig zerstört.

Hereinfliessendes Löschwasser hat zwar einen Wasserschaden angerichtet, von den Flammen blieben die für das Restaurant charakteristischen Räume aber weitgehend verschont. Total verkohlt sind hingegen Küche, Produktionsräume und sanitäre Anlagen, weshalb auch ein provisorischer Betrieb kein Thema sei. Wann das Restaurant wieder hergerichtet sein wird, ist allerdings sehr ungewiss. «Schön wäre, wir könnten zum Beispiel vor Weihnachten wieder öffnen», sagt die Wirtin. Aber noch sei es viel zu früh, um einen genauen Termin zu nennen.

Auch von Stammgästen erreicht sie zurzeit eine Welle der Solidarität und des Mitgefühls. «Die gigantische Anteilnahme von allen Seiten ist uns ein grosser Trost», sagt sie. Täglich rufen gemäss Wirtin momentan noch Ahnungslose an, um einen Tisch zu reservieren. Beeindruckt zeigt sich das «Neubädli»-Team von der Arbeit der Feuerwehr. Während in den oberen Geschossen noch Löscharbeiten im Gange waren, wurde das Löschwasser unten bereits abgesaugt.

Der Küchenchef ist sich sicher: Hätten die Feuerwehrleute dies nicht getan, wäre auch das Säli, welches die bekannte Erststockbeiz erst zu einem Bijou macht, nicht zu retten gewesen. Über 100 Männer waren insgesamt aufgeboten. Einige von ihnen wachten auch in den folgenden Nächten über drohende weitere Mottbrände.

«Reines Glück»

Im obersten Stockwerk des Hauses befindet sich eine Wohnung, die vor kurzem untervermietet wurde. Auch jener Mieter habe vor, nach der Renovation in seine Wohnung zurückzukehren. «Er ist eben auch ein Teil unserer <Neubad>-Familie geworden», sagt Monika Engler.

Dass es keine Verletzten oder Tote gab, sei reines Glück. Als die ersten Stichflammen aus der Fritteuse schossen – eine knappe Stunde nachdem sie aus der Revision zurückgekommen war –, sass das ganze Team beim Mittagessen. Nur wenig später hätte Hochbetrieb geherrscht, sowohl in der Küche als auch in der Gaststube. «Gott sei Dank. Nicht auszudenken, wie das hätte ausgehen können», sagt der Küchenchef.