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Neo-Zirkus mit nackter Haut

Heiss ist es im «Treppenhaus». So heiss, dass Ferkel Johnson seine Glitzerweste schon zu Beginn auszieht. «Die sollte euch ohnehin nur blenden», sagt er mit einem breiten Grinsen im geschminkten Gesicht.
Linda Müntener
Pantomime, Schauspieler, Clown: Ferkel Johnson begeistert das Publikum. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Pantomime, Schauspieler, Clown: Ferkel Johnson begeistert das Publikum. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Heiss ist es im «Treppenhaus». So heiss, dass Ferkel Johnson seine Glitzerweste schon zu Beginn auszieht. «Die sollte euch ohnehin nur blenden», sagt er mit einem breiten Grinsen im geschminkten Gesicht. Der Berliner Pantomime und Schauspieler hat am Samstag zu einer Nacht voller Kabarett, Zirkus und Burlesque in Rorschach geladen. «Ihr werdet Dinge sehen, die ihr noch nie gesehen habt. Und Dinge, die ihr nie wieder sehen wollt.»

Extremes und Erotik

In beide Kategorien gehört die skurrile Show von Roc Roc-It, der als «Freak aller Freaks» angepriesen wird – und diesem Titel alle Ehre macht. Der beleibte Extremkünstler quetscht seinen Körper durch einen Tennisschläger, bläst einen Gummihandschuh mit der Nase auf und klemmt sich in einer «Parabel auf das Leben» Chlüpperli ins Gesicht. Diese erfrischende Verrücktheit kommt beim Publikum an.

Genauso wie die Niederländerin Xarah von den Vielenregen, die «bitte mit offenem Mund und nicht mit offener Hose bestaunt werden darf», wie sie Ferkel Johnson ankündigt. Die Burlesque-Künstlerin zieht das Publikum mit stilvoller Erotik in ihren Bann. Sie spielt mit Verführung, Sinnlichkeit und der Schönheit des weiblichen Körpers. Die männliche Version der subtilen Erotikshow liefert Ferkel Johnson gleich selber. Und erntet dafür tosenden Applaus.

Das Publikum spielt mit

Im vollbesetzten «Treppenhaus» bleibt aber auch Zeit für etwas Melancholie. Ferkel Johnson reisst als Clown nicht nur Witze. Er singt auch traurig-komische Chansons über das Verlassenwerden, etwa am «L. A. International Airport». Der charismatische Entertainer versteht es, eine zwischenmenschliche Ebene zwischen sich und seinem Publikum zu schaffen. So macht er den Anwesenden, die sich für diesen besonderen Anlass in Schale geworfen haben, haufenweise Komplimente. Denn: «Mich einzuschleimen, hat mich im Leben bisher immer weitergebracht.» Jene, die sich nicht an den Dresscode «Abendgarderobe» gehalten haben, bekommen ihr Fett ab. Und ein vorlauter Zuschauer in der ersten Reihe wird kurzerhand als Stimmungsbarometer eingesetzt.

Für mehr circensische Kultur

«Doch wozu das alles?», fragt sich manch einer nach der zweistündigen Show. Hinter der schrägen Unterhaltung steckt noch mehr. Ferkel Johnson, der eigentlich Merlin Pohse heisst, hat zusammen mit Katia Rudnicki und Ralf Eberle im Dezember den Verein Rejnvalo mit Sitz in Staad gegründet. Gemeinsam wollen sie die circensische Kultur in der Ostschweiz fördern. Anfang Mai war der Verein bereits mit dem Mini-Zirkus «Karfunkel Kabinett» in Staad zu Gast. «Und wir wollen noch mehr», sagt Ferkel Johnson, «aber nur, wenn ihr auch wollt.» Das Publikum im «Treppenhaus» will.

Die Burlesque-Künstlerin Xarah von den Vielenregen spielt mit Verführung. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Die Burlesque-Künstlerin Xarah von den Vielenregen spielt mit Verführung. (Bilder: Rudolf Hirtl)

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