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NATURGARTEN: Bioterra St.Gallen und Umgebung: "Ein Garten braucht vor allem Zeit"

Luzia Steiner aus Abtwil bewirtschaftet ihren Garten seit über 30 Jahren nach biologischen Prinzipien. Das Gärtnern im Einklang mit der Natur ist für sie eine Lebenseinstellung.
Laura Widmer
Luzia Steiner in ihrem Gemüsegarten in Abtwil. (Bild: Michel Canonica)

Luzia Steiner in ihrem Gemüsegarten in Abtwil. (Bild: Michel Canonica)

Die Fensterfront in der Küche von Luzia Steiner gibt den Blick frei auf einen schneebedeckten Garten. Anfang März sind die Gemüsebeete mehrheitlich leer, nur der winterharte Rosenkohl, Lauch und Zuckerhutsalate sind bereit für die Ernte. Langweilig ist der Ausblick aber auch in der kalten Jahreszeit nicht. «Jeden Morgen beim Frühstück schaue ich den Vögeln zu», sagt Luzia Steiner. Stieglitze suchen in den Disteln nach Samen und tun sich an den Wegwarten gütlich. «In einem biologischen Garten ist immer etwas los», sagt Steiner. Jedes Jahr entdecke sie Insekten, die sie noch nie gesehen habe.

Steiner bewirtschaftet ihren Garten seit 1981 biologisch. Aus Überzeugung, für die Natur und wegen qualitativ besseren Produkte, wie sie sagt. Der Einsatz von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln oder künstlichem Dünger kommt für Steiner nicht in Frage. Sie kennt andere Methoden, um ihren Garten gedeihen zu lassen.

Unkrautvernichter und die Alternativen

Unkrautvernichter ist im Kanton St.Gallen auf öffentlichem Grund verboten. In den 18 Familiengärten der Stadt St.Gallen wird den Pächtern nahe gelegt, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Diese Massnahmen sind für Luzia Steiner aber nur ein erster von vielen weiteren notwendigen Schritten. Ihrer Ansicht nach müsste man weiter gehen und Spritzmitteln noch mehr einschränken. «Solange das Zeug erhältlich ist, wird es auch genutzt.»

Jeder Gifteinsatz sei einer zu viel, erst recht in Hausgärten. «All dass chemische Zeug geht in den Boden.» Durch Herbizide und künstliche Dünger werde das empfindliche Gleichgewicht des Bodens nachhaltig gestört.

Dass es auch anders geht, davon ist Steiner überzeugt. «Der Kompost ist das Herz des Bioanbaus», sagt sie. Durch das Recyceln von organischen Abfällen und auch durch natürlichem Dünger werden die Bodenorganismen gefüttert, die Humus produzieren. Dieser ist die Grundlage eines gesunden Ökosystems. Statt Chemikalien nutzt sie pflanzliche Mittel wie Kräuterjauchen und Steinmehl, um Schädlinge und Krankheiten in Schach zu halten.

Vielfalt in den Beeten fördert den Pflanzenschutz

Ein Biogarten ist immer ein vielfältiger Garten. Monokulturen gibt es nicht, dafür gehören Wildblumen und einheimische Sorten selbstverständlich dazu. «Mindestens zwei Drittel der Blumen sollten einheimisch sein», sagt Steiner. Diese Sorten sind meist auch widerstandsfähiger, da sie die klimatischen Bedingungen gewohnt sind. Förderlich sei auch die Mischung von Gemüse und Blumen in einem Beet. «Es darf nicht zu aufgeräumt sein.»

Das gilt gemäss Luzia Steiner auch für andere Bereiche des Gartens. Holzhaufen bieten schneckenfressenden Igeln einen Unterschlupf. Für Blindschleichen haben Steinhaufen den gleichen Zweck. Es sei ein Geschenk, einen Garten zu haben, und diese Prozesse beobachten zu können, sagt Steiner.

Aber auch wer in einer Stadtwohnung lebt, kann die Artenvielfalt unterstützen. «Würde beispielsweise jeder auf seinem Balkon eine Weinraute pflanzen, wäre das für den Schwalbenschwanz das Paradies!», sagt Steiner.

Nicht nur «Ökos» gärtnern biologisch

Seit 1991 gibt Luzia Steiner für Bioterra Kurse zum Gartenbau. Ihre Leidenschaft für das biologische Gärtnern sind offensichtlich. «Es ist ganz klar eine Lebenseinstellung.» Wer einmal begonnen habe, bleibe in der Regel auch dabei. Das Bestreben nach einem ökologischeren Anbau sei vorhanden, viele Leute wüssten aber nicht genug von den Methoden ohne Chemie. Das merke sie auch jedes Jahr in ihren Kursen, die von verschiedensten Personen besucht werden. «Das sind nicht nur ‹Ökos›», sagt sie, sondern junge Paare, Hausfrauen, Pensionäre oder Bäuerinnen. «Das Biogärtnern ist so interessant, weil man um die Zusammenhänge weiss.» Von heute auf morgen werde aber niemand zum Biogärtner. «Ein Garten braucht Zeit, um wachsen zu können.»

Giftfrei gärtnern

Die Organisation Bioterra setzt sich für einen schonenden und giftfreien Umgang mit den Böden und Pflanzen ein und fördert die Kompostwirtschaft. Sie führt dazu verschiedene Lehrgänge und Tageskurse durch. Luzia Steiner leitet ab kommender Woche Bio-Gartenbau-Kurse im Botanischen Garten St.Gallen. Der Abendkurs startet am Montag und wird am 12., 19. und 26. März, jeweils um 19.30 Uhr, fortgeführt. Der zweite Kurs findet am Dienstag, ab 8.45 Uhr, statt und wird am 6., 13., 20. und 27. März durchgeführt. Die Kursteilnahme kostet inklusive Unterlagen 125 Franken. Im Jahresprogramm von Bioterra sind weitere Anlässe beispielsweise zum Thema Bodenverbesserung am 26. Mai oder zu Naturkosmetika am 15. August aufgeführt. Die Pflanzentauschbörse findet in diesem Jahr am 11. Oktober statt. (lw)

www.bioterra.ch

Die Abtwilerin Luzia Steiner züchtet in ihrem Garten in kleinen Käfigen auch Raupen des Schwalbenschwanzes. Dieser prächtige Schmetterling hat es in der Natur heute teilweise sehr schwer geeignete Nischen für den Nachwuchs zu finden. (Bild: Ralph Ribi - 13. Juli 2016)

Die Abtwilerin Luzia Steiner züchtet in ihrem Garten in kleinen Käfigen auch Raupen des Schwalbenschwanzes. Dieser prächtige Schmetterling hat es in der Natur heute teilweise sehr schwer geeignete Nischen für den Nachwuchs zu finden. (Bild: Ralph Ribi - 13. Juli 2016)

Der Schwalbenschwanz ist einer der farbenprächtigsten einheimischen Schmetterlinge. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Der Schwalbenschwanz ist einer der farbenprächtigsten einheimischen Schmetterlinge. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Luzia Steiner von Bioterra St.Gallen und Umgebung setzt sich auch für "wilde Nischen" in den Stadtgärten ein. Wer ein wenig "natürliche Unordnung" zulässt, unterstützt die natürliche Vielfalt. (Bild: Barbara Hettich)

Luzia Steiner von Bioterra St.Gallen und Umgebung setzt sich auch für "wilde Nischen" in den Stadtgärten ein. Wer ein wenig "natürliche Unordnung" zulässt, unterstützt die natürliche Vielfalt. (Bild: Barbara Hettich)

Einer der Profiteure von etwas mehr "natürlicher Unordnung" in den Stadtgärten kann der Igel sein. Er ist zum Überleben unter anderem auf Ast- und Laubhaufen angewiesen. (Bild: Ferdinand Ostrop/KEY)

Einer der Profiteure von etwas mehr "natürlicher Unordnung" in den Stadtgärten kann der Igel sein. Er ist zum Überleben unter anderem auf Ast- und Laubhaufen angewiesen. (Bild: Ferdinand Ostrop/KEY)

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