Natur statt Schulzimmer

GOLDACH. Jugendliche des Brückenangebots «rheinspringen bridges» hielten während der vergangenen Tage Goldacher Biotope in Schuss. So wollen sie der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Jan Hoefliger
Drucken
Teilen
Jugendliche des Motivationssemsters «rheinspringen bridges» helfen Emil Knechtle (rechts) bei den Arbeiten in den Biotopen in Goldach. (Bild: Jan Hoefliger)

Jugendliche des Motivationssemsters «rheinspringen bridges» helfen Emil Knechtle (rechts) bei den Arbeiten in den Biotopen in Goldach. (Bild: Jan Hoefliger)

Der Tag könnte verregneter nicht sein, doch neben dem Schuppisweiher trotzt eine Gruppe Jugendlicher Wind und Wetter. Gemeinsam haben sie gestern liegengebliebene Äste eingesammelt und sie zu Holzhaufen aufgeschichtet. Darin sollen künftig Amphibien hausen. «Wir wollen der Allgemeinheit etwas zurückgegeben», sagt Stella Locher, Lehrperson der Jugendlichen. Die Jugendlichen bestreiten das sogenannte Motivationssemester von «rheinspringen bridges». Dieses ist ein Brückenangebot des Kantons St. Gallen und will Jugendliche ohne Lehrstelle bei der Suche unterstützen und gleichzeitig ihre schulischen Lücken auffüllen.

Einsätze in freier Natur

Während zwei bis drei Wochen im Semester setzen sich die Jugendlichen aber auch bewusst für das Gemeinwohl ein und bestreiten Einsätze vorwiegend in freier Natur. Das erstemal arbeiten sie auch direkt mit einer Gemeinde zusammen. Die Jugendlichen arbeiten ohne Gegenleistung. Als Dankeschön spendiert ihnen aber die Gemeinde Goldach die Verpflegung.

Gemeinsam etwas erreichen

Neben dem gemeinnützigen Aspekt sollen die Jugendlichen aber auch selber profitieren können. «Vor allem bei diesem Wetter lernen viele, auf die Zähne zu beissen und etwas durchzuziehen, das vielleicht keine Lieblingsbeschäftigung ist», sagt Stella Locher. Es sei auch schon vorgekommen, dass Einzelne aus Frustration die Arbeit abgebrochen hätten und nach Hause gegangen seien. In dieser Woche sei dies aber nicht der Fall gewesen. Durchgehalten wird nicht alleine, sondern im Team. «Die Jugendlichen helfen sich und spornen sich gegenseitig an. Ich lerne viele Jugendliche dabei von einer neuen Seite kennen», sagt Locher. So würde etwa manch einer, der im Klassenzimmer zappelig sei, draussen in der Natur in seinem Element sein. Und er könne seine Kräfte bei der körperlich anspruchsvollen Arbeit mit den anderen messen. «Die Woche hat uns als Klasse gut getan», sagt Cristian Musio, Jugendlicher aus Rorschach. Es sei motivierend, auf das sichtbare Ergebnis zurückzuschauen. «Ich freue mich bereits auf den nächsten Einsatz. Dann aber hoffentlich mit mehr Sonne.»

Angehäufte Arbeiten

Auch Emil Knechtle, pensionierter Primarlehrer und jetzt Betreuer der Biotope in Goldach, macht die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen Spass. «Ohne ihre Unterstützung in den vergangenen Tagen wären die Aufgaben kaum zu bewerkstelligen gewesen», sagt er. Schon seit Mittwoch arbeiten die Jugendlichen, die aus dem ganzen Kanton St. Gallen stammen, in Goldach. So haben sie am Mittwoch beim Biotop Weid eine Wiese vom vielen Humus befreit, um Platz für neue Blumensorten zu schaffen. Am Donnerstag waren die Jugendlichen mit dem Ausgraben von Steinen auf dem Gelände neben dem Schuppisweiher beschäftigt, damit dieses geebnet werden kann. «Diese Aktionen sind wichtig, um im verwachsenen Gebiet um die Biotope eine grössere Artenvielfalt zu schaffen», sagt Knechtle. Früher seien viele der Arbeiten von Freiwilligen erledigt worden. Diese seien heutzutage schwer zu finden, und dem Bauamt fehlten oft die Kapazitäten dafür.

Aktuelle Nachrichten