NATUR: Juwel inmitten der Siedlung

In Wittenbach und in Andwil gibt es Biotope von nationaler Bedeutung. Allerdings wurde die Pflege vernachlässigt. Mit Sanierungen sollen nun stark gefährdete Amphibien wieder zurückgewonnen werden.

Angelina Donati
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Umgeben von Häusern, gedeiht auf dem Alten Ziegeleiareal in Wittenbach ein Amphibienlaichgebiet. (Bild: Michel Canonica)

Umgeben von Häusern, gedeiht auf dem Alten Ziegeleiareal in Wittenbach ein Amphibienlaichgebiet. (Bild: Michel Canonica)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Einfach mal innehalten und dem Quaken, Zirpen und Summen zuhören: Diesem Wunsch kommen die Anwesenden auf dem Ausflug mit Regierungsrat Bruno Damann gerne nach. Der Gossauer nimmt an diesem heissen Nachmittag zwei Biotope von nationaler Bedeutung unter die Lupe. Mit ihm versammeln sich auch Guido Ackermann vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei, Vertreter des zuständigen Ökobüros sowie der Gemeinde. Im Kanton gebe es schätzungsweise 50 Gebiete dieser Art. «Herausgepickt» haben sie das Gebiet mit rund 30 Biotopen im Alten Ziegeleiareal in Wittenbach, das soeben saniert wird, und das Andwiler Moos, das vor einem Jahr aufgewertet wurde.

Dass es sich mehr als «nur» um Teiche handelt, wollen die Zuständigen veranschaulichen: «Eine beachtliche Biodiversität und widerstandsfähige Ökosysteme liegen im Interesse von uns allen», ist Damann überzeugt. Er bezeichnet das Biotop in Wittenbach als Juwel inmitten der Siedlung. «Solche Naturinseln haben eine wichtige Funktion, nicht nur für Tiere und Pflanzen, sondern auch für Anwohner.» Ein solches Gebiet nämlich könne grosse Regenmengen auffangen und langsam wieder abfliessen lassen – ein unersetzbarer Dienst im Hochwasserschutz.

Verwilderung und Siedlung vertreiben die Tiere

Die Aufwertung und Sanierung von Mooren und Feuchtbiotopen sei äusserst wichtig. So gelinge es, stark gefährdeten Amphibienarten, etwa Gelbbauchunken und Kammmolchen, einen Lebensraum zu geben. Und auch zahlreiche Pflanzenarten finden damit eine neue Heimat. Allerdings sei genau die Pflege vernachlässigt worden, wodurch Tiere und Pflanzen kleiner an der Zahl wurden. Auch das Wachsen der Siedlung um das Amphibienlaich­gebiet habe Tiere vertrieben. Immerhin: Auf das Gebiet soll nun grösseres Augenmerk gelegt werden. Eine Biodiversitätsstrategie werde noch diesen Herbst von der St. Galler Regierung verabschiedet. Bei einer der Massnahmen geht es um die Aufwertung der Biotope. Während in Wittenbach Büsche und Wiesen grosszügig zurückgeschnitten und Stellen ausgebaggert wurden, sind im Andwiler Moos zusätz­liche Wasserflächen geschaffen worden. 100000 Franken sind für das Projekt in Wittenbach und 56000 Franken in Andwil investiert worden. Damit nicht genug: Die Fachkräfte sind sich einig, dass sich die Aufwertung erst richtig gelohnt habe, wenn die Gebiete auch weiterhin regelmässig sanft gepflegt werden.