NAMEN & NOTIZEN Weshalb Würth International in Rorschach baut, der Stadtpräsident unerwähnt bleibt und Alphornklänge am Hafenplatz zu hören sind.

Am Dienstag wurden Passanten am Hafenbahnhof Zeugen einer Jam Session der besonderen Art. Ein Mann mit Kappe und SBB-Latzhose stellte sein Alphorn auf und blies munter hinein. Schüler mit Kebab und junge Eltern mit Kinderwagen staunten über die selten gehörten Klänge.

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Latzhose: Der Alphornbläser vom Hafenbahnhof. (Bild: Dominik Bärlocher)

Latzhose: Der Alphornbläser vom Hafenbahnhof. (Bild: Dominik Bärlocher)

Am Dienstag wurden Passanten am Hafenbahnhof Zeugen einer Jam Session der besonderen Art. Ein Mann mit Kappe und SBB-Latzhose stellte sein Alphorn auf und blies munter hinein. Schüler mit Kebab und junge Eltern mit Kinderwagen staunten über die selten gehörten Klänge. Der Grund für das Konzert am Mittag: «Übung macht den Meister», sagt der Musiker. Die Einzigen, die sich kaum beeindruckt gaben waren die Autofans auf dem Kabisplatz: Ihre Hip-Hop-Musik dröhnte weiterhin aus den Boxen.

Da steht er nun, der Mann, der im Alter von 21 Jahren die Ärmel hochkrempelte, aus der von seinem Vater 1945 gegründeten Grosshandlung für Schrauben einen internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik machte und trotz Milliardenumsätzen die Bodenhaftung nicht verloren hat. Das Publikum im Rorschacher Stadthofsaal war von Reinhold Würth, dem Gewinner des Carl-Stürm-Preises 2011 beeindruckt. Der 76jährige deutsche Grossindustrielle bedankte sich mit einer verblüffend ehrlichen Rede für «die ehrenvolle Auszeichnung». Einerseits mahnte er, auch im Soge des Erfolges nie zu vergessen, Demut und Bescheidenheit zu zeigen, andererseits habe es sich bewährt, immer zehn Jahre in die Zukunft zu planen und sich auch ehrgeizige Ziele zu setzen. «Wir werden dieses Jahr knapp 11 Milliarden Euro Umsatz machen. Bei einem Wachstum von 15 bis 18 Prozent wollen wir diesen bis ins Jahr 2020 auf 20 Milliarden steigern.» Bescheidenheit hört sich anders an, doch der Blick auf die Kennzahlen des Konzern (64 000 Mitarbeitende/Niederlassungen in 80 Ländern) lassen erahnen, dass das von Würth genannte Umsatzziel durchaus realistisch ist. Einmal mehr betonte der Firmenpatron übrigens, welch grosses Gewicht der People's Airport St. Gallen-Altenrhein in der Entscheidungsfindung hatte. «Ohne den nahen Airport hätten wir uns nie für Rorschach entschieden. Wir sind schnell hier und ebenso schnell wieder weg; das ist unabdingbar für ein derart kosmopolitisches Unternehmen.»

Die Ansiedlung von Würth International ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Stadt den Turnaround geschafft hat, darüber waren sich nicht nur die Gäste anlässlich der Preisverleihung einig. «Die Aufbruchstimmung ist spürbar, und der Aufbruch wird auch zunehmend sichtbar», stellte denn auch Stiftungsrat Ernst Buob in seiner Laudatio fest und erwähnte neben der Würth-Baustelle auch die Überbauung des Franke-Areals und die entstehenden Hochhäuser auf dem Alcan-Areal. «Es geht zwar nicht himmelwärts, aber immerhin auch bildlich aufwärts.» Nun, man muss ihn und seine Politik zwar nicht mögen; Fakt ist aber; der Aufschwung der Stadt Rorschach ist eng mit Stadtpräsident Thomas Müller verknüpft. Dass sich das Thema Aufschwung zwar wie eine roter Faden durch die Preisverleihung zog, auch Carl Felix Stürm nahm den Ball auf, «die Niederlassung von Würth in Rorschach ist eine Steilvorlage an die ganze Region», der Stadtpräsident jedoch mit keiner Silbe Erwähnung fand, wurde vor allem von Gästen aus dem politischen Lager doch mit einigem Erstaunen zur Kenntnis genommen. (djb/rtl)

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