Nähe hilft Kinder heilen

Die Familie Kaiser-Zehender hat schwierige Zeiten durchlebt. Ein Kind wurde schwer krank und musste lange im Kinderspital St. Gallen behandelt werden. Das Ronald-McDonald-Haus bot der Familie die Nähe zur kleinen Patientin.

Oliver Schneider
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Jacqueline Kaiser mit ihren Töchtern, von links: Céline, Leandra und Julia. Fast ein Jahr lang musste Leandra im Kinderspital behandelt werden. (Bild: Michel Canonica)

Jacqueline Kaiser mit ihren Töchtern, von links: Céline, Leandra und Julia. Fast ein Jahr lang musste Leandra im Kinderspital behandelt werden. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN/GOSSAU. Die Familie Kaiser-Zehender wohnt in einem weissen Einfamilienhaus auf dem Friedberg in Gossau. Die drei Töchter Céline, Leandra und Julia lassen den Alltag der Familie nie langweilig werden. Die Zeiten waren aber nicht immer so schön, wie sie heute sind.

Familie aus dem Alltag gerissen

Im 2008 stand es um Leandras Gesundheit nicht gut. Sie war gerade einmal dreieinhalb Jahre alt, als ihr eine gewöhnliche Grippe zu schaffen machte. Ihr Zustand verschlimmerte sich, und dazu kam ein Ausschlag am ganzen Körper. Von der Notfallstation im Kinderspital wurde Leandra sofort auf die Intensivstation verlegt. «Ein den Ärzten unbekannter Virus hatte ihre Lunge angegriffen», sagt die Mutter Jacqueline Kaiser. Die Familie wurde jäh aus dem Alltag gerissen. Für sie sei es sehr wichtig gewesen, Tag und Nacht in der Nähe von Leandra zu sein. Während Jacqueline Kaiser tagsüber am Krankenbett wachte, kam ihr Mann Guido Kaiser jeden Tag nach Feierabend ins Kinderspital. Die Geschwister Céline, im Kindergartenalter, und Julia, 13 Monate alt, kamen in dieser Zeit bei ihren Grosseltern unter. «Selbstverständlich war es schwierig, meine anderen Kinder nicht mehr bei mir zu haben, doch Leandra war in diesem Moment einfach die Schwächste», sagt Jacqueline Kaiser.

Zustand verschlimmerte sich

Der Zustand von Leandra verschlimmerte sich nach einem Monat noch weiter. «Die Ärzte standen mit dem Rücken zur Wand. Sie wussten nicht, wie sie ihr helfen konnten», sagt Jacqueline Kaiser. Sechs Wochen wurde Leandra dann im Kinderspital Zürich behandelt. Als sich aber auch mit der dortigen Behandlung keine Besserung zeigte, brachte man sie wieder zurück nach St. Gallen.

Ein vorübergehendes Zuhause

«Die Zustände waren für uns unerträglich. Der Weg, den wir jeden Tag auf uns nehmen mussten, um Leandra zu besuchen, war zu weit», sagt Jacqueline Kaiser. So suchte die Familie eine Unterkunft in der Nähe des Kinderspitals. Sie wussten bereits, dass es das Ronald-McDonald- Haus in St. Gallen gibt. Das Haus bietet Eltern in Situationen, wenn ein Kind schwerkrank stationär im Kinderspital bleiben muss, eine Unterkunft ganz in der Nähe der kleinen Patienten. Jacqueline Kaiser habe das Kinderspital nach einem Zimmer im Ronald-McDonald-Haus gefragt, und einen Tag später auch schon eines bekommen. Ganze drei Monate diente das Zimmer als zweites Zuhause für die Eltern. Das Haus habe ein Wohnzimmer, eine Küche und sei gemütlich eingerichtet. Auch das Personal pflege einen herzlichen Umgang mit den Bewohnern. In der Nähe des Kinderspitals zu wohnen, habe die Zeit einfacher gemacht. «Es war ein angenehmer Aufenthalt, den Umständen entsprechend», sagt Jacqueline Kaiser. Sie sei davon überzeugt, dass Leandra die Nähe gespürt hat. Auch in sehr schwierigen Zeiten, als sie im künstlichen Koma lag, sei sich Jacqueline Kaiser sicher gewesen, dass ihre Tochter sie gehört habe. «Im Unterbewusstsein hat sie alles mitbekommen.»

Endlich wieder vereint

Nach neun langen und kräfteraubenden Monaten sei Leandra endlich wieder stark genug gewesen, nach Hause zu kommen. Heute gehe es Leandra wieder gut. Ein Teil ihrer Lunge sei nicht mehr funktionsfähig, damit könne man aber ein ganz normales Leben führen. «Sie wird zwar keine Spitzensportlerin mehr, aber das nehmen wir gerne in Kauf», sagt Jacqueline Kaiser.

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