Nächstes Ziel: Moskau

RORSCHACH. Der Rorschacher Künstler John Stutz sagt: «Ich bin nur erfolgreich, weil ich etwas mache, was andere nicht können.» Nach seiner Ausstellung in St. Petersburg möchte er an die Biennale in Moskau eingeladen werden. Ein Atelierbesuch.

Lea Müller
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Kunst schaffen mit Hilfe eines Roboters: Der Rorschacher Künstler John Stutz giesst in seinem Atelier ein Bild aus pechschwarzem Kunstharz. (Bild: Lea Müller)

Kunst schaffen mit Hilfe eines Roboters: Der Rorschacher Künstler John Stutz giesst in seinem Atelier ein Bild aus pechschwarzem Kunstharz. (Bild: Lea Müller)

RORSCHACH. Am Boden kleben Farbspritzer, in der Luft hängt der Geruch von Kunstharz. John Stutz steht an einer grossen Maschine in seinem Atelier in Arbon und giesst pechschwarzen Kunstharz in einen Rahmen. In seinen Anfangsjahren als Künstler hielt der Rorschacher die Giesspistole noch von Hand. Heute erledigt diese Aufgabe ein Roboter. Mit vier Industriemaschinen kann er viel grössere Kunstwerke herstellen als in den 90er-Jahren, als er noch ein kleines Atelier an der Burgstrasse in Rorschach hatte. Heute beschäftigt John Stutz einen Mitarbeiter, der rund um die Uhr Kunstwerke produziert. «Ich bestimme das Design und mache den letzten Schliff», sagt er. Die Kunst des 78-Jährigen bewegt sich in grossen Dimensionen – das zeigt sich auch in seinen internationalen Ausstellungen.

Einladung nach St. Petersburg

Ende August nahm er an der Biennale in St. Petersburg teil. Auf etwa 1000 Quadratmetern stellte er seine Skulpturen und Bilder aus. «Kuratorin Larisa Skobkina stellte mir einen Fünftel der gesamten Fläche zur Verfügung», sagt John Stutz stolz. Die russische Kuratorin habe seine Ausstellungen in New York gesehen und gesagt: «Den Stutz muss ich unbedingt haben», erzählt der Rorschacher. Er habe sich sehr gefreut über die Einladung und sogleich einen mit seinen Kunstwerken gefüllten Container nach St. Petersburg geliefert.

In zwei Bilder integrierte der Künstler Porträts, die ein Strassenkünstler für ihn gezeichnet hatte. Darauf sind der russische Ministerpräsident Vladimir Putin und Dasha Zhukova, eine schillernde Persönlichkeit der russischen Kunstszene, abgebildet. «Das Echo der Besucher an der Biennale war super», erzählt John Stutz. In Zeitungen und mehreren Fernsehstationen seien anerkennende Berichte erschienen.

John Stutz, der mit bürgerlichem Namen Jean Stutz heisst, bewegt sich seit Jahrzehnten auf internationalem Parkett. Auch beruflich: Die Firmengruppe sunbeam-iom.com ist Anbieterin von Flüssigkunststoffen und baut unter anderem Sportanlagen auf der ganzen Welt. «Ich bin viel herumgekommen», erzählt der 78-Jährige. Seit drei Jahren ist er pensioniert, aber immer noch im Hintergrund des Familienunternehmens tätig.

Erkenntnis in Bombay

«Mehrheitlich kann ich mich jetzt auf meine Kunst konzentrieren», sagt John Stutz. Seit 1963 fühle er sich zur Kunst berufen. «Aus einem inneren Drang heraus fing ich an, wie wild zu malen.» Zuerst mit Öl- und Acrylfarben. 1992 hatte er in Bombay dann ein Erlebnis, das ihn eine andere Richtung einschlagen liess: Er besuchte eine Schule für junge Künstler. «Die Exaktheit ihrer Bilder hat mich umgehauen», erinnert sich John Stutz. «Ich erkannte, dass ich viel zu wenig begabt bin. So warf ich Pinsel und Staffelei in eine Ecke und rührte sie seither nicht mehr an.» John Stutz merkte, dass er sich als Künstler abheben muss von den anderen.

Seine Werke entwickelt er in Anlehnung an seinen Beruf. Als gelernter Maschinenschlosser hat er eine Vorliebe für Stahl und Metall. Und der Familienbetrieb produziert Materialien wie Polyurethan-Kunstharz. John Stutz stehen also Chemikalien und Maschinen zur Verfügung, die andere Künstler für viel Geld kaufen müssten. Er sagt denn auch: «Ich komme mit meiner Kunst nur so gut an, weil ich etwas mache, das andere nicht können.»

Ein Geschenk für Putin

Vor einer guten Woche reiste John Stutz erneut nach Russland. «Ich möchte an die Biennale in Moskau eingeladen werden», sagt er und lacht: «Ich musste Türklinken polieren.» Er habe sich mit Kuratoren und Galeristen getroffen und Lob erhalten. «Anerkennung für meine Kunst ist mir sehr wichtig», sagt der 78-Jährige. Um seine Bekanntheit zu steigern, nutzt er seit neustem Social Medias. Auf YouTube hat er ausserdem Videos von seinem Schaffen und der Biennale in St. Petersburg veröffentlicht. Seine Kunstwerke sind auch in einer Dauerausstellung an der Zollstrasse 62 in Zürich zu sehen.

Das Porträtbild von Vladimir Putin hat der Rorschacher Künstler dem russischen Ministerpräsidenten übrigens als Geschenk schicken lassen. Eine persönliche Antwort hat er zwar nicht erhalten. «Aber eine seiner Sekretärinnen teilte mir mit, dass Putin sich sehr darüber gefreut habe», erzählt John Stutz und lacht.

www.sunbeam-collection.com