Nächstenliebe als Motor

Astrid Eisenring hat einen neuen Verein für die Kinderhilfe gegründet. Der erste Lastwagen des Vereins soll in diesen Tagen von Rorschach in die Ukraine fahren, um rund 2000 Weihnachtspäckli an bedürftige Kinder zu liefern.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen
«Ohne freiwillige Helfer geht es nicht.» Astrid Eisenring vor dem Rorschacher Kornhaus beim Ausladen einer Lieferung. (Bild: Sebastian Keller)

«Ohne freiwillige Helfer geht es nicht.» Astrid Eisenring vor dem Rorschacher Kornhaus beim Ausladen einer Lieferung. (Bild: Sebastian Keller)

Region Rorschach. Astrid Eisenring sitzt auf Nadeln. Also eigentlich auf Weihnachtspäckli – und anderen Hilfsgütern. Aber eben, der bestellte Lastwagen, der die Hilfsgüter in die Ukraine fahren sollte, ist noch nicht eingetroffen. «Er stecke im Schnee fest, hat mir die Transportfirma gesagt», erklärt Astrid Eisenring, während sie im dritten Stock des Kornhauses zwischen aufgetürmten Kartons steht, die bereits auf Paletten zum Verladen bereit sind.

«Rund 2000 Weihnachtspäckli für Kinder in Heimen und Tagesstätten haben wir verpackt», sagt die Präsidentin des neugegründeten Vereins «Hoffnung für Kinder in Not» (siehe Stichwort). Auch Hosen, Pullover, Kinderwagen, Schulbänke und -stühle wird der Lastwagen mitnehmen.

Ohne Helfer nicht machbar

Ihre Motivation? «Die Nächstenliebe», sagt die Rorschacherbergerin. Zudem gebe ihr der Glaube Kraft – und die vielen Helfer. Astrid Eisenring erzählt: «Eine 89jährige Frau kam zweimal die Woche, um Päckli zu machen.

Das beeindruckt mich.» Das Handy klingelt. Sie nimmt es ab. Hört zu. «Geht es dir morgen, Erwin?» Ein Lachen. «Ja, ich weiss, du stehst nicht gerne früh auf.» Erneut ein Lachen. Sie legt auf. Der Herr wollte sich nach dem neuen Termin zum Verladen erkundigen – und wird kommen.

Doch die Frage, wann der Lastwagen kommt, ist nur eine, die Astrid Eisenring beschäftigt. Das Lager im Kornhaus können sie nicht mehr lange nutzen. «Es ist baufällig, wir müssen leider raus», sagt sie.

Deshalb ist sie auf der Suche nach einem neuen Lagerraum ab Frühling 2011. «Er sollte kostenlos, mit Rampe und in der Region Rorschach sein», sagt die Frau mit dem grossen Herzen und hofft, dass es nicht ein Wunsch bleiben wird.

111 Päckli aus Mosnang

Erneut klingelt das Handy. Es ist zwar nicht der Chauffeur des Lastwagens, aber dafür kommen weitere Hilfsgüter. Astrid Eisenring greift sich den alten Postwagen und fährt mit dem Lift ins Erdgeschoss. Hans Länzlinger aus Mühlrüti steht vor dem Kornhaus.

Im Anhänger 111 Weihnachtspäckli für die Ukraine sowie Kleider, Bürsten und Handtücher. Alles aus Mosnang. Der Plan war, sie direkt weiter zu verladen. Astrid Eisenring zuckt die Schultern: «Manchmal werden einem auch Steine in den Weg gelegt, wenn man Gutes tut», sagt sie ohne aufzugeben, aber mit dem Glanz der Hoffnung in den Augen.

«Kann man den Kindersitz noch brauchen», fragt Hans Länzlinger. Die beiden wägen ab: er funktioniert noch, sieht aber nicht mehr so schick aus. «Solche Entscheidungen muss ich immer wieder treffen», sagt Astrid Eisenring und nimmt den Sitz an sich mit den Worten: «Besser einen solchen als gar keinen.» Für Hans Länzlinger ist klar: «Ich bringe die Hilfsgüter hierher, da weiss ich, dass sie zu den Kindern kommen. Zudem mache ich es gerne.» Astrid Eisenring fliegt am 16. Dezember in die Ukraine, um das selber zu prüfen.

Aber wohl auch, um die strahlenden Kinderaugen zu sehen, wenn sie ein Päckli öffnen.

Weitere Informationen unter Telefon 071 850 03 60 oder www.osteuropa-hilfe.ch, für Spenden: PC 90-2263-4 oder IBAN: CH5381296000012587757.

Aktuelle Nachrichten