Laurenzen schlägt leise Töne an

Die reformierte Kirche St.Laurenzen dämpft ihre nächtlichen Glockenschläge. Dennoch zweifelt die IG Stiller den grossen Nutzen an. Denn die Domglocken nebenan schlagen mächtig wie eh und je.

Elisabeth Reisp
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Die Glocken der Laurenzenkirche (rechts) schlagen nachts nun leiser. Der Glockenschlag des Doms bleibt unverändert. (Bild: Hannes Thalmann)

Die Glocken der Laurenzenkirche (rechts) schlagen nachts nun leiser. Der Glockenschlag des Doms bleibt unverändert. (Bild: Hannes Thalmann)

Seit letzter Woche ertönen die nächtlichen Stundenschläge der Kirche St.Laurenzen leiser. Die Kirchenvorsteherschaft der Kirchgemeinde St.Gallen C hat sich dazu entschlossen, die Laurenzenglocken mit einer Dämpfung auszurüsten. Nachts sollen die Stundenschläge nun in deutlich verminderter Lautstärke zu hören sein.

Eine Notwendigkeit zu diesem Schritt habe nicht bestanden, sagt Barbara Bär, Administratorin der Kirchengutsverwaltung. Der Glockenschlag sei in der Kirchenvorsteherschaft aber immer wieder ein Thema gewesen. Also habe man sich zu diesem Kompromiss entschieden. Die Glockenschläge seien nun von 22.15 bis 5.45 Uhr deutlich leiser.

Drei Kirchen, drei Vorgehensweisen

Die Kirchgemeinde C verwaltet drei Kirchen: St.Laurenzen, Linsebühl und St.Mangen. Bei allen drei Kirchen wird die Lärmbegrenzung anders gehandhabt. «In der Linsebühlkirche läuten die Glocken nachts schon seit längerem gar nicht mehr», sagt Bär. In der Laurenzenkirche wurde der Schlag nun gedämpft. In St.Mangen hingegen hält die Kirchenvorsteherschaft am vollen Geläut in normaler Lautstärke fest. «Im Moment sind dort keine Änderungen oder Massnahmen vorgesehen», sagt Bär.

Um wie viel Dezibel die Glockenschläge nun leiser sind, dazu kann die Kirchgemeinde St. Gallen C keine Angaben machen und verweist auf die Firma Muff, welche die Lärmdämmung eingebaut hat. Dort heisst es, die Glocken seien jetzt etwa 30 bis 40 Prozent leiser. Eine Dezibelmessung wurde aber nicht vorgenommen, daher können auch sie keine Aussage dazu machen.

Wie viel die Reduzierung der Lautstärke den direkten Anwohnern von St.Laurenzen nützt, sei dahin gestellt. Schliesslich steht nur ein Steinwurf entfernt der Dom. Und dieser lässt seine Glocken klingen. Aus einem einfachen Grund, wie Bistumssprecherin Sabine Rüthemann sagt: «Das alte Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1767 und ist komplett mechanisch. Auf einzelne Schläge kann nicht verzichtet werden. Entweder läuft die Uhr oder nicht.» Bei den Katholiken ist das Glockengeläut gemäss Armin Bossart, katholischer Kirchgemeindepräsident, derzeit kein Thema. Bossart: «Nur in den Sommermonaten kommt es manchmal zu vereinzelten Reklamationen. Vermutlich weil die Leute dann nachts das Fenster offen lassen.» Gemäss Bossart läuten alle katholischen Kirchen der Stadt auch in den Nachtstunden. «Einzige Ausnahme bildet die katholische Kirche Rotmonten. Das war dort aber von Anfang an so», sagt Bossart. Als die Kirche damals gebaut wurde, wurde die Baubewilligung nur mit dieser Auflage erteilt.

IG Stiller will keine Viertelstundenschläge

Für die IG Stiller hingegen sind die Glocken in der Stadt ein Ganzjahresthema. Die Dämmung der Laurenzenkirche sei wohl begrüssenswert, sagt IG-Vorstandsmitglied Samuel Büechi. Solange die Glocken aber auch die Viertelstundenschläge angeben, nütze das nicht viel. Er fordert den Verzicht zumindest der viertelstündlichen Schläge. Zudem sei in diesem Quartier mit Dom das «Gebimmel derart ausgeartet», dass die nächtliche Lärmbelastung trotz der Dämmung der Laurenzenglocken immer noch viel zu hoch sei.