«Nachtleben macht attraktiv»

Das «Maberg» in Rorschach schliesst heute für immer seine Türen. Am Konzert von Stahlberger & Band blickten zehn der 138 Zuschauer in die Wochenenden der nahen Zukunft, die sie wohl in St. Gallen verbringen werden.

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Dominique Schmid, 20, Au-Pair, Rorschacherberg

Die Schliessung finde ich überhaupt nicht in Ordnung. Es gibt jetzt in Rorschach kein Lokal mehr, das mich interessieren würde. Allgemein bin ich mit der Gesamtsituation in Sachen Ausgang unzufrieden. Man kann in der Hafenstadt nur eins trinken und dann nach Hause gehen. Konzerte und Parties kommen einfach zu kurz, und von Lesungen und anderen kulturellen Events will ich gar nicht reden.

Christian Vanin, 17, Mechatroniker, Rorschach

Ich bin echt überfragt, wenn ich sagen soll, wo ich jetzt in den Ausgang gehen will. Für Jugendtreffs bin ich mittlerweile zu alt, für Clubs bin ich aber noch zu jung. Mir wird ein Platz fehlen, an dem ich einen tollen Abend geniessen kann und auch mal musikalisch überrascht werde. So unterschiedlichen Sound wie im Mariaberg findet man sonst nirgends in der Region.

Désirée Deubelbeiss, 23, Studentin, Rorschach

In Zukunft werde ich nach St. Gallen gehen, denn Rorschach hält absolut nichts mehr für mich bereit. Alles was im Notfall noch bliebe wäre das «Tres Amigos», aber dort kann man auch nur wenig mehr tun als sitzen und trinken – Stimmung gibt's da weniger. Auch geht mit dem «Maberg» ein Treffpunkt für junge Leute aus der Umgebung verloren. Aber grundsätzlich bleibt nur dies zu sagen: Die Zeit im Mariaberg war einfach megaschön.

Patric Fol, 17,

Schüler, Goldach

Wenn ich in Rorschach in den Ausgang gehe, oder besser: ging, dann ins Mariaberg. Es ist einfach ein cooles Lokal, in dem sich die unterschiedlichsten Leute in fast schon familiärer Atmosphäre treffen. Der Stadt wird echt etwas fehlen. Ich werde in Zukunft wohl oder übel nach St. Gallen müssen. Nicht, weil ich will, sondern weil es in Rorschach keinen tollen Laden mehr gibt. In Zukunft werde ich daher im «Schwarzen Engel», der Grabenhalle oder dem «Rümpeltum» zu finden sein oder meine Abende bei den Drei Weieren verbringen.

Louisa Goldman, 17, Schülerin, Altenrhein

Als ich im Tagblatt von der Schliessung gelesen habe, fühlte ich mich recht mies. So etwas wie das Mariaberg gibt es in ganz St. Gallen und auch im Rheintal nicht. Klar, es war bequem und einfach von zu Hause in Altenrhein nach Rorschach zu kommen, aber es sprach noch viel mehr für das «Maberg». In so einem kleinen Lokal ist die Atmosphäre einfach viel persönlicher und sympathischer als in einem grossen Club in einer Grossstadt. Und Rorschach würde so einen Ort brauchen.

Matthias Geisser, 17, Zimmermann, Rorschach

Rorschach wird ein Platz zum Beisammensein fehlen und ich hoffe, dass ein Ersatz gefunden wird. Denn das Mariaberg war ein Ort der Freiheit. Ein Ort, an dem auch Jüngere akzeptiert werden und generationenübergreifend gefeiert wird. Als Mitglied einer der beiden Gruppen, die aus dem Verein Kulturbrauerei entstanden sind, kämpfe ich weiter, dass in Rorschach wieder ein Ort wie «unser» Mariaberg entstehen kann.

Chantal Wartenweiler, 21, Studentin, Rorschach

Die Schliessung finde ich voll daneben. Es gibt nun keinen Treffpunkt für die Jugend mehr und das wird der Hafenstadt fehlen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das im Tagblatt beschriebene, zukünftige Kulturlokal mit Lesungen und Café, Ateliers und so weiter «vehebet». Jugendliche brauchen manchmal einfach eine Party, an der einfach ausgelassen gefeiert werden kann, oder ein Konzert einer witzigen Band.

Andreas Vogler, 25, kaufmännischer Angestellter, Tübach

Ab der kommenden Woche steht es um den Ausgang in Rorschach schlecht. Laute Musik oder ausgelassenes Tanzen geht ab dann gar nicht mehr. Doch so etwas braucht eine Stadt, ja sie lebt teilweise sogar davon. Einfach nur ein bisschen See und ein paar Kneipen reichen nirgends mehr hin. Auch ein Nachtleben, das vielleicht mal etwas lauter als ein Fernsehgerät ist, trägt zur Attraktivität eines Ortes bei.

Mark Etterlin, 25, Projektleiter, Thal

Schon das Hafenbuffet war eine Bereicherung für die Stadt, denn ein unbeschwerter Rahmen und lockere Stimmung ist dringend notwendig für jeden Ort. Wo soll man sich denn sonst ganz informell und entspannt treffen? Doch was auch immer kommen mag, es wird anders sein als das Mariaberg. Und das ist auch gut so, denn ein solches Lokal sollte stets im Wandel sein. Lesungen und Konzerte sollten aber schon sein.

Jasmin Mäder, 26, Konstrukteurin und Mutter, St. Gallen

Die Schliessung ist extrem tragisch. Es war einfach wunderschön hier. Besonders Spass haben mir die Dog-Turniere – Dog ist ein Kartenspiel das auf einem Brett gespielt wird – gemacht. Aber auch bei Konzerten war im Mariaberg einfach immer ein gutes Publikum. Die Stadt braucht auf jeden Fall etwas Neues wie das «Maberg», denn was sollen die Jugendlichen denn sonst tun? Am Bahnhof abhängen, nur damit sich die Älteren dann wieder darüber beschweren können?

Text: Dominik Bärlocher

Bilder: Lea Müller

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