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NACHRUF: Beharrlicher Staatsanwalt und einfühlsamer Mensch

Die Trauer ist gross, und es fehlen auch nach Tagen noch die Worte, um das Unfassbare fassen zu können. Thomas Hansjakob ist nicht mehr. Von einem Tag auf den anderen ist er entschwunden, ohne dass wir uns von ihm hätten verabschieden können. Dabei hatte er sich doch noch so viel vorgenommen.
Thomas Hansjakob (1956–2018) (Bild: Urs Jaudas/Archiv)

Thomas Hansjakob (1956–2018) (Bild: Urs Jaudas/Archiv)

Für Februar dieses Jahres war eine Tagung und die Herausgabe eines Buches zum geheimen Überwachungsrecht der Schweiz geplant und in wenigen Wochen hätte er wie üblich seine Vorlesungen zum schweizerischen Strafprozessrecht an der Universität St.Gallen wieder aufgenommen.

All dies und noch vieles anderes mehr wird nun wohl unvollendet bleiben. Mit Thomas Hansjakob haben wir einen einfühlsamen Menschen, einen konsequenten Verteidiger des Rechtsstaats, einen eloquenten Wissenschafter und einen allseits geschätzten Freund, Kollegen und Vorgesetzten verloren. Thomas Hansjakob hat die st.-gallische Strafrechtspflege in den vergangenen 30 Jahren wie kaum ein anderer geprägt. Als kantonaler Untersuchungsrichter, später dann als Amtsleiter des Untersuchungsamtes St.Gallen und seit 2007 als Erster Staatsanwalt des Kantons St.Gallen hat er der Strafverfolgung ein Gesicht gegeben. In ungezählten Prozessen hat er die Anklage persönlich vor Gericht vertreten. Er hat sich nie gescheut, auch kontroverse Themen aufzugreifen und umstrittene Fragen der Klärung zuzuführen. Als Vorgesetzter hat Thomas Hansjakob die Schwerpunkte mitbestimmt, seine Mitarbeitenden im besten Sinne des Wortes geführt und damit entscheidend dazu beigetragen, dass die Staatsanwaltschaft St.Gallen in der schweizerischen Landschaft über einen ausgezeichneten Ruf geniesst.

Die Verdienste von Thomas Hansjakob reichen denn auch weit über den Kanton hinaus. Mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit und mit seinem Engagement in eidgenössischen Kommissionen und gesamtschweizerischen Gremien hat er die Diskussionen um ein zeitgemässes Strafrecht und um einen modernen Strafprozess entscheidend mitgeprägt. Sein Wort war immer gefragt, wenn es darum ging, Lösungen zu finden, die nicht nur den tragenden Grundsätzen der Rechtsordnung entsprechen, sondern sich auch im praktischen Alltag der Rechtsanwendung bewähren.

Mit aller Konsequenz hat Thomas Hansjakob dem Recht gedient und das Recht gegen Angriffe verteidigt. Er ist für eine wirksame und effiziente Strafverfolgung eingetreten. Trotzdem hat er nie aus den Augen verloren, dass hinter jedem Rechtsbrecher auch ein Mensch steht. Bewundernswert war seine Ruhe und Gelassenheit, die er auch in schwierigsten Situationen an den Tag legte. Unbeirrt und beharrlich hat er die Werte eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens hochgehalten, auch wenn ihm dies nicht immer nur zum Lob gereichte.

Sein unermüdlicher Einsatz für das Recht und gegen das Unrecht war keineswegs einseitig. Ebenso deutlich, wie er die Rechtsbrecher die Konsequenzen ihres Handelns spüren liess, machte er der Politik und den Medien klar, dass das Strafrecht kein pädagogisches Hilfsmittel für alle Zwecke ist. Bezeichnend seine Aussage im «St.Galler Tagblatt» vom 23. Dezember 2016: «Vielleicht sollten wir uns darauf besinnen, was Strafrecht eigentlich soll: Es soll die Verfolgung schwerer Rechtsbrüche ermöglichen und deren Bestrafung regeln. Was ein schwerer Rechtsbruch ist, bestimmen allerdings weder die Medien noch deren Leser in Online-Abstimmungen, sondern das legt der Gesetzgeber fest.»

Gerade weil Thomas Hansjakob sich in kein Schema zwängen liess, war er so überzeugend. Er hat sich nicht hinter der Autorität seines Amtes versteckt, ist auf die Menschen zugegangen und hat das Gespräch gesucht. Mit grosser Geduld hat er zugehört, sich mit den Argumenten auseinandergesetzt und erst nach reiflicher Überlegung seine Meinung gebildet. Dass er es dabei nicht allen recht machen konnte, spricht für ihn und ist wohl in seinem Amt begründet.

Thomas Hansjakob verfügte in seinem beruflichen Umfeld über ein ausgesprochen hohes Mass an Glaubwürdigkeit, wohl eine der wichtigsten Eigenschaften als Mensch und auch als Staatsanwalt. Polizei, Gerichte und die Anwaltschaft anerkannten gleichermassen sein profundes Fachwissen und seine Redlichkeit im Strafverfahren. Und selbst die Beschuldigten, die ja nicht unbedingt mit seiner Unterstützung rechnen konnten, zollten ihm Anerkennung, weil sie immer auf seine Fairness zählen durften.

Mit Thomas Hansjakob ist ein Mensch von uns gegangen, der Grosses geleistet hat und den wir sehr vermissen werden.

Niklaus Oberholzer
Bundesrichter seit 2012, zuvor Richter am Kantonsgericht St.Gallen

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