Nachhaltiger Unterricht

Im Oberstufenzentrum Bünt in Waldkirch werden Jugendliche zu bewussten Konsumenten erzogen. Zumindest soll dies eine neue Schulhausphilosophie bewirken.

Mario Pavlik
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Nachhaltigkeit im Klassenzimmer: Schulleiter Raphael Frei erklärt den Schülern eine Aufgabe zum Thema Fair-Trade. (Bild: Ralph Ribi)

Nachhaltigkeit im Klassenzimmer: Schulleiter Raphael Frei erklärt den Schülern eine Aufgabe zum Thema Fair-Trade. (Bild: Ralph Ribi)

Waldkirch. Warum ist Recycling wichtig? Wievielmal mehr Strom verbraucht eine herkömmliche Glühbirne im Vergleich zu einer Sparlampe? Was nützen Fair-Trade-Produkte? Antworten auf diese Fragen bekommen Schüler im Oberstufenzentrum Bünt in Waldkirch. Im Schulhaus hat man sich seit vergangenem Frühjahr «Bildung für nachhaltige Entwicklung» auf die Fahnen geschrieben.

Schulleiter nicht «supergrün»

«Wir wollen die Schüler sensibilisieren und ihnen nachhaltiges Denken und Handeln vermitteln», sagt Schulleiter Raphael Frei. In einer konsumorientierten Gesellschaft sei es sinnvoll, die Schüler zu bewussten Konsumenten zu erziehen. «Sie sollen lernen, wie sie im Alltag nachhaltig handeln können», sagt Frei. Er selbst sei nicht «supergrün» und gehöre zu jenen Menschen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Trotzdem: «Wenn jeder einzelne etwas Kleines tut, kann gemeinsam etwas Grosses verändert werden.»

Diese Haltung vertritt auch Andrin Deflorin, Leiter von Young Caritas. Am Donnerstagmorgen referierte er zu Fair-Trade-Produkten in der Aula des OZ Bünt. «Wir wollen zeigen, wie etwas bewirkt werden kann», sagt Deflorin.

Während seines Vortrags erklärt er, dass mit einem Aufpreis von 50 Rappen für ein Kilo Bananen bei den Bauern in der Dominikanischen Republik faire Bedingungen geschaffen werden können. «Wir referieren aber nicht nur über Fair-Trade-Produkte», sagt Deflorin. Rund 40mal pro Jahr besuche die Young Caritas Schulen und halte Vorträge zu Themen wie Hunger, Kindersoldaten oder Armut in der Schweiz. Referate wie jenes in Waldkirch seien für die Schule kostenlos, sagt Deflorin.

Interessierte Schüler

Nach dem Vortrag verteilen sich die Schüler auf vier Posten in den Klassenzimmern, der Turnhalle und der Aula. Dort malen sie Plakate zu Fair-Trade-Produkten, spielen ein unfaires Fussballspiel, erhalten ergänzende Informationen zum Vortrag und simulieren in einem Rollenspiel die Verhältnisse in einem Entwicklungsland.

«Ich habe mir das Ganze schlimmer vorgestellt. Jetzt finde ich es extrem spannend», sagt die 15jährige Salome. Ihre Mitschülerin Michelle pflichtet ihr bei. «Es ist echt interessant und wir lernen viel Neues. Ich wusste nicht, dass es Leute gibt, die unter solch krassen Bedingungen leben müssen.» Auch sie findet das Thema Fair Trade eine spannende Sache. Auf die Frage, ob sie auch im gewöhnlichen Unterricht etwas über Nachhaltigkeit lerne, antwortet sie: «Davon merke ich nicht viel.»

Nichts zu tun mit Energiestadt

«Veranstaltungen wie jene der Caritas gab es bisher erst zwei. Die Vermittlung von Nachhaltigkeit lassen wir sonst in den Lehrplan einfliessen», sagt Schulleiter Frei. So berechnen die Schüler beispielsweise im Fach Natur und Technik, wie viel Strom ein ständig eingestecktes Handy-Ladegerät verbraucht. So werde vermittelt, wie sich Strom sparen lässt.

Mit dem Bestreben der Gemeinde, das Label «Energiestadt» zu erhalten, habe die Nachhaltigkeitsphilosophie der Schule aber nichts zu tun, sagt Frei. «Sollte Waldkirch aber tatsächlich Energiestadt werden, könnten wir uns Kollaborationen bei Energieprojekten durchaus vorstellen.»