NACHGEFRAGT

Schule evakuieren war damals richtig Genau gestern vor vier Jahren wurde das Kaufmännische Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen evakuiert. Eine Schülerin sei mit einer Waffe unterwegs hiess es.

Drucken
Teilen
Urs Bucheli Rektor Kaufmännisches Berufs- und Weiterbildungszentrum (Bild: Quelle)

Urs Bucheli Rektor Kaufmännisches Berufs- und Weiterbildungszentrum (Bild: Quelle)

Schule evakuieren war damals richtig

Genau gestern vor vier Jahren wurde das Kaufmännische Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen evakuiert. Eine Schülerin sei mit einer Waffe unterwegs hiess es. Rektor Urs Bucheli sagt, welche Lehren gezogen und welche Massnahmen ergriffen worden sind.

Sie waren der erste Schulrektor in der Ostschweiz, der mit einer solchen Bedrohung konfrontiert war. Was haben Sie nun nach dem Amoklauf in den USA empfunden?

Dieses Ereignis hat mich sehr betroffen gemacht. Ich habe auch sofort zurückgedacht an jenen Tag im Jahr 2008. Auch wenn sich das Ereignis zum Glück ganz anders entwickelte als nun jenes in Newtown, war für uns die Situation in jenem Augenblick schwierig. Wir mussten von einer Bedrohung ausgehen und sehr kurzfristig die richtigen Massnahmen treffen.

1000 Schülerinnen und Schüler wurden evakuiert. War das ein kluger Entscheid?

Es war ein Entscheid der polizeilichen Einsatzleitung und in der damaligen Situation sicher richtig. Aus heutiger Optik müsste man erwägen, ob sich die Klassen in einem Bedrohungsfall nicht besser in den Schulzimmern einschliessen, um einen Kontakt mit einem allfälligen Täter möglichst zu vermeiden.

Wie haben Experten und Schule auf den Vorfall reagiert?

Einerseits haben wir unsere Erkenntnisse im internen Krisenmanagement und in der Alarmorganisation verarbeitet. An den kantonalen Berufsfachschulen wurden andererseits in präventiver Hinsicht verschiedene Massnahmen getroffen. Die Betreuung und Erfassung von Lernenden mit Problemen wurde durch die Einrichtung von sozialen Diensten massiv ausgebaut. Diese vom Staat und den Landeskirchen getragenen Sozialdienste stehen den Lernenden als niederschwellige Beratungsangebote zur Verfügung. Wichtig scheint mir auch, dass wir in problematischen Beratungsgesprächen immer Lösungsansätze für die Bewältigung von Schwierigkeiten aufzeigen und Hilfestellungen anbieten.

Können mit Prävention aber Amokläufe verhindert werden?

Intern wirken diese Massnahmen sicher. Ein Angriff durch eine aussenstehende Person kann damit allerdings nicht bekämpft werden. In einem solchen Fall käme das vorbereitete und à jour gehaltene Krisenmanagement, über das jede Berufsfachschule verfügt, zur Anwendung. (th)

Aktuelle Nachrichten