NACHGEFRAGT

«Techno ist eine Lebenseinstellung» Raumstation-Geschäftsführer Werner Stöckli über zwölfstündige Öffnungszeiten, finanzielle Schwierigkeiten und drogenfreie Techno-Nächte. Herr Stöckli, Ihr Club hat bis elf Uhr morgens geöffnet.

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Werner Stöckli Geschäftsführer Raumstation (Bild: Quelle)

Werner Stöckli Geschäftsführer Raumstation (Bild: Quelle)

«Techno ist eine Lebenseinstellung»

Raumstation-Geschäftsführer Werner Stöckli über zwölfstündige Öffnungszeiten, finanzielle Schwierigkeiten und drogenfreie Techno-Nächte.

Herr Stöckli, Ihr Club hat bis elf Uhr morgens geöffnet. Wie schaffen Sie es, wach zu bleiben?

Ich schaue, dass ich am Wochenende jeweils acht Stunden Schlaf bekomme. Vor den Parties stelle ich den Wecker auf 18 Uhr. Ich bin sehr diszipliniert, was das betrifft. Im Moment trinke ich auch sehr wenig Alkohol, das hält fit.

Viele Ihrer Gäste kommen erst am frühen Morgen in den Club. Warum öffnen Sie schon um 23 Uhr?

Weil sonst viel zu wenig Zeit bleibt, all die Künstler spielen zu lassen, die wir wollen! Aber es hat auch mit dem Umsatz zu tun. Wenn wir nur sechs Stunden geöffnet haben, können wir nicht überleben.

Aber im Electrokeller, den Sie früher führten, ging es doch auch, obwohl er erst um fünf Uhr morgens öffnete.

Stimmt, aber da hatte ich auch viel weniger Ausgaben und buchte keine bekannten, teuren DJs. In der Raumstation zahle ich viel mehr für Miete, Personal und die Künstler, das kann man nicht vergleichen.

Wie finanzieren Sie den Club?

Mit den Eintrittspreisen und dem Umsatz an der Bar.

Geht das unter dem Strich auf?

Im Schnitt läuft es nicht schlecht. Wir leben von einigen gutbesuchten Anlässen. Die Raumstation ist erst seit einem Jahr geöffnet, und ich gehe davon aus, dass es im zweiten Jahr aufwärtsgeht.

Wäre zugänglichere Musik eine Möglichkeit, mehr Publikum anzulocken?

Natürlich könnte ich das tun, was viele andere Clubbetreiber tun: Kommerzielles spielen. Aber bevor ich auf Mainstream umsattle, höre ich lieber auf. Da geht's nicht nur um Finanzielles, Techno ist auch eine Lebenseinstellung.

In den kommenden Nächten legen bei Ihnen DJs des St. Galler Labels Abbruchhaus auf, ebenso das St. Galler Kollektiv Basstartos. Arbeiten Sie vermehrt mit regionalen Künstlern zusammen?

Ja, es nützt nichts, nur auf bekannte internationale Namen zu setzen. Wir sind mit immer mehr regionalen Vertretern alternativer Musikrichtungen in Kontakt.

Techno hat auch mit synthetischen Substanzen zu tun. Ist die Raumstation ein Drogenclub?

Nein, das stimmt nicht. Wer das behauptet, war noch nie bei uns. Wer in unserem Club Pillen oder Pulver verkauft, fliegt raus, auch zu Kiffern sind wir sehr böse. Im Vergleich zu anderen Läden stehen wir sauber da.

Aber gibt es allen Ernstes Nachtschwärmer, die morgens um acht noch nüchtern sind?

Ja, da gibt's einige! Ich kenne auch viele, die bei uns verkehren und nur Wasser trinken.

Interview: Roger Berhalter

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