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NACHFOLGE: Grosse Sorgen und erste Anwärter

Nach dem überraschenden Rücktritt des Gossauer Stadtrats Stefan Lenherr machen die Parteien eine Auslegeordnung. Die CVP will keine Zeit verlieren und den Sitz verteidigen, andere warten noch ab.
Angelina Donati
Anfang Jahr stiess Helen Alder (2. von rechts) zum Gossauer Stadtrat. Nun braucht es eine Nachfolge für Stefan Lenherr (rechts). (Bild: PD/Foto Belos)

Anfang Jahr stiess Helen Alder (2. von rechts) zum Gossauer Stadtrat. Nun braucht es eine Nachfolge für Stefan Lenherr (rechts). (Bild: PD/Foto Belos)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Gerade mal eine Woche ist es her, seit der Gossauer Stadtrat Stefan Lenherr (CVP) mitteilte, dass er sein Amt auf Ende des Monats niederlegt. Wie alle, hat die Meldung auch die hiesigen Parteien überrascht. So auch die SVP Goss­au-Arnegg, den grössten Kon­trahenten der CVP. Beide zählen je neun Stadtparlamentssitze. «Lenherrs Begründung ist nachvollziehbar», sagt Markus Rosenberger, SVP-Parteipräsident.

«Es zeigt aber auch auf, dass wir nicht ganz unrecht hatten», fügt er hinzu und spricht damit den einstigen Vorstoss der SVP an, die fünf Stadtratssitze wegen der hohen Arbeitsbelastung wieder auf sieben Personen zu erweitern. Bei der Abstimmung im Jahr 2011 wurde diese Idee von den Gossauern allerdings bachab geschickt. «Bei einem Amt mit 65 Stellenprozenten gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Person äusserst schwierig», sagt Rosenberger. Denn trotz des hohen Pensums müsste die Person nebenbei noch einer anderen Tätigkeit nachgehen können. Dass es in der Praxis bekanntlich nicht beim definierten Aufwand bleibe, wirke sich erschwerend aus.

Im Rennen um einen neuen Stadtratskandidaten geht die SVP nun über die Bücher. Auch wenn die Partei stets Mühe hatte, in der Exekutive Fuss zu fassen, sei sie weiterhin gewillt, einen Stadtratskandidaten zu portieren. Allerdings nicht um jeden Preis: «Wir wollen niemanden verheizen», sagt Rosenberger. «Es soll jemand sein, der sich im Bereich Bau auskennt.» Natürlich komme es auch darauf an, wie sich die anderen Parteien verhalten. Noch existieren keine Namen – die SVP will sich demnächst beraten.

FDP, Flig und SP befinden sich auf «Augenhöhe»

Auch die CVP kann die Entscheidung ihres Stadtrats nachvollziehen und bedauert den Rücktritt, wie Seline Heim, Parteipräsi­dentin, sagt. Bereits am Samstag hatte sich der Vorstand zu einer Sitzung getroffen und eine Findungskommission einberufen. Das Ziel der CVP ist es, den Stadtratssitz zu verteidigen. Bedenke man, dass auch noch Frühlings- und Sommerferien dazwischenliegen, handle es sich um einen kurzen Wahlkampf, wie Seline Heim festhält. Die Partei will darum keine Zeit verlieren. Erste Kontaktversuche mit den ersten Anwärtern auf den Stadtratsposten wurden laut der Parteipräsidentin bereits gestartet.

Auf die Suche nach möglichen Kandidaten wird sich in den kommenden Wochen auch die FDP machen. Momentan aber sorgt sich die Partei vielmehr um die «äusserst ungünstige Kombination zweier Abgänge mit Stefan Lenherr und Ivan Furlan», wie Markus Hutter, Vizeparteipräsident, sagt. «Die Frage ist doch, wie nun die laufenden Projekte übergeben werden können.» Zudem ist die FDP überrascht, dass Stefan Lenherr sein Exekutivamt in gerade mal drei Wochen niederlegen kann. Der Stadtrat stünde jetzt vor der grossen Aufgabe, die Vakanz zu überbrücken und danach die Projekte sauber weiterzugeben. «Auch dass durch den Übergang die Belastung der anderen Stadtratsmitglieder steigt, bereitet uns grosse Sorgen», sagt Hutter.

Über die «kurzfristige Kündigung» Lenherrs staunt auch die Flig (Freie Liste Gossau). Die Partei hätte sich eine Verlängerung von einem bis zwei Monaten gewünscht, sagt Parteipräsident Alfred Zahner. «Wir bedauern Lenherrs Rücktritt. Schliesslich empfanden wir den Zustand und die Führung des Bauamts als sehr gut.» Mit den beiden gewichtigen Abgängen habe die Stadtver­waltung schwierige Aufgaben zu bewältigen. Wie es um mögliche Stadtratskandidaten steht, wird die Flig demnächst besprechen.

Ebenfalls noch nicht «zusammengesessen» ist die SP. Auch sie will bald ein Treffen ansetzen. Die Partei, die nach Aussage von Präsident Ruedi Blumer «erstarkt» ist, kann sich gut vor­stellen, eine Kandidatur aus den eigenen Reihen zu portieren – auch wenn es sich laut Blumer schwierig gestalten dürfte. Die SP konnte bei den Wahlen im Herbst einen Sitz im Gossauer Stadtparlament dazugewinnen und befindet sich nun mit vier Sitzen auf «Augenhöhe» mit FDP und Flig. «Die Zeiten sind vorbei, dass eine Vertretung unserer Partei in der Exekutive nicht gerechtfertigt wäre», begründet Blumer. Lenherrs Rücktritt stimmt Blumer insofern nachdenklich, als bei den vergangenen Wahlen in Wil und in der Stadt St. Gallen die beiden CVP-Stadtratsmitglieder, welche das Baudepartement führten, abgewählt worden sind. «Der Bau steht eher in der Kritik als andere Departemente. Beim Thema Bau und bei der Schule meinen doch viele, sie wüssten es besser», sagt Blumer. Auch der Weggang Ivan Furlans erschwere die Situation für Gossau. «Es ist schade, dass das Führungsteam ausgewechselt wird.» Mit dem Gesak und anderen Bauprojekten stünden momentan wichtige Vorhaben an. «Womöglich kann es dadurch zu weiteren Verzögerungen kommen», mutmasst er.

Amt könnte schon vor Januar neu besetzt werden

Wie es mit den pendenten Geschäften im Bereich Bau wei­tergeht, entscheidet sich am 26. April. Dann nämlich tagt der Stadtrat, wie Stadtpräsident Alex Brühwiler sagt. «Danach werden wir entsprechend kommunizieren.» Die Verteilung der Arbeiten auf die bestehenden Köpfe wird in etwa ein Dreivierteljahr beanspruchen. Gewählt wird das neue Stadtratsmitglied am 24. September. Auf wann genau der Arbeitsbeginn festgelegt wird, sei abhängig von der jeweiligen Person, wie Brühwiler sagt. Grundsätzlich sei der Amtseintritt auf Anfang 2018 angedacht – umso besser aber, wenn die vakante Stelle bereits schon ab diesem Oktober wieder besetzt sei. Das sei aber auch abhängig davon, ob das absolute Mehr beim ersten Wahlgang erreicht wird. Andernfalls kommt es zu einem zweiten Wahlgang, der laut Brühwiler im November stattfinden könnte.

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