NACHBARN: Die Natur rückt zusammen

Naturmuseum und Botanischer Garten wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Möglich macht’s die neue räumliche Nähe zueinander. An Eigenständigkeit wollen die Institutionen dabei aber nicht verlieren.

Luca Ghiselli
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Gute Nachbarschaft am Stadtrand: In der Bildmitte unten das neue Naturmuseum, am rechten Bildrand der Botanische Garten mit Tropenhaus. (Bild: Urs Bucher)

Gute Nachbarschaft am Stadtrand: In der Bildmitte unten das neue Naturmuseum, am rechten Bildrand der Botanische Garten mit Tropenhaus. (Bild: Urs Bucher)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

250 Meter lang ist der Fussweg vom Naturmuseum zum Botanischen Garten. Mit dem Umzug des Museums im November 2016 sind die beiden Institutionen im Neudorf nah zusammengerückt. «Dieser Aspekt war für die Standortwahl entscheidend. Es ist zusammen, was zusammengehört», sagte Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums, gestern am Mittagstreff. Er hatte gemeinsam mit Hanspeter Schumacher, Leiter des Botanischen Gartens, zur Orientierung über die Zusammenarbeit der beiden Institutionen geladen.

Zusammenarbeit ohne Verschmelzung

«Die Nähe von Museum und Garten wird von den Besuchern sehr geschätzt», sagt Schumacher. Er habe noch von niemandem gehört, der diese Lösung verurteile. Und erste Schritte in der Zusammenarbeit könne man bereits heute sehen: «Wir koordinieren Führungen, haben diesen Sommer zwei Ausstellungen, die thematisch ähnlich gelagert sind.» An der Organisation will Schumacher aber nichts ändern. «Wir haben nicht einmal einen eigenen Rasenmäher und sind in erster Linie ein Handwerksbetrieb», sagt er. Da sei der Botanische Garten im Gartenbauamt richtig eingegliedert. Von einer Fusion wollen weder Schumacher noch Bürgin etwas wissen. «Ich kann mir zwar vorstellen, dass langfristig solche Gedanken entstehen. Davon würde ich aber nicht viel halten», sagt Schumacher.

Die Signalisierung soll besser werden

Synergien lassen sich aber nicht nur inhaltlich, sondern auch logistisch nutzen, sagt Bürgin. «Wir lagern rund 100000 Herbarien des Botanischen Gartens im Museum.» Zudem könne man die Räume der anderen Institution nach Absprache nutzen. Und auch der Museumspark, der bis Ende Jahr zwischen Kirche St. Maria Neudorf und Naturmuseum entsteht, sei nicht dazu da, den Botanischen Garten zu konkurrenzieren.

Bei allem, was in der Zusammenarbeit zwischen Museum und Garten bereits gut funktioniert, gab es in der Anfangsphase aber auch Stolpersteine. «Als ich erfuhr, dass wir unsere Bushaltestelle verlieren, war ich natürlich zunächst wütend», sagt Schumacher. Das habe aber nicht lang gedauert. Schliesslich sei die Umbenennung vor dem Hintergrund, dass das Naturmuseum sich unmittelbar neben der Haltestelle befinde, auch logisch. Nun gehe es darum, die Zusammenarbeit weiter auszubauen. «Unser gemeinsamer Wunsch ist es zum Beispiel, die Signalisierung zwischen Naturmuseum und Botanischem Garten klarer zu gestalten», sagt Bürgin. Eine Grafikerin habe zu diesem Zweck ein Konzept entwickelt: Ein Vogel, der zum Ahorn wird, je näher man zum Botanischen Garten gelangt. Nun gelte es, das Strasseninspektorat und die Stadtpolizei von dieser Idee zu überzeugen.

Vor 100 Jahren bereits einmal Nachbarn

Dass Naturmuseum und Botanischer Garten in St. Gallen ganz nah beieinander sind, gab’s schon einmal. Bis 1918 befand sich der Botanische Garten im Stadtpark und das Naturmuseum im 1878 erstellten Kunklerbau, wo es bis vergangenen Herbst noch zu Hause war. Der wilde Garten wich dann dem neoklassizistischen Zeitgeist: Das Historische und Völkerkundemuseum wurde gebaut, der Garten dazu sollte eher französisch als englisch sein. So wurde der Botanische Garten zunächst zum Spelteriniplatz verlegt und 1945 dann an seinen aktuellen Standort am östlichen Stadtrand.