Nach Konkurs: Bussen wegen Misswirtschaft

Eine Bank hat einen Architekten und einen Treuhänder in Zusammenhang mit dem Konkurs einer Wohnbaugenossenschaft der Misswirtschaft beschuldigt. Das Kreisgericht verhängte jetzt Geldstrafen.

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Eine Bank hat einen Architekten und einen Treuhänder in Zusammenhang mit dem Konkurs einer Wohnbaugenossenschaft der Misswirtschaft beschuldigt. Das Kreisgericht verhängte jetzt Geldstrafen.

Bank will Geld zurück

2001 wurde der Konkurs über die Wohnbaugenossenschaft Schlüsselacker eröffnet. Vier Jahre danach stellte die Bank, die der Wohnbaugenossenschaft einen Kredit gewährt hatte, bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen vier ehemalige Vorstandsmitglieder wegen Vermögens- und Konkursdelikten. Der beschuldigte Präsident der Genossenschaft starb in der Zwischenzeit. Das Strafverfahren gegen einen zweiten Beschuldigten wurde aufgehoben.

Am Montag standen die beiden anderen Vorstandsmitglieder, ein 72jähriger Architekt und ein 70jähriger Treuhänder, vor dem Kreisgericht St. Gallen. Ihnen wurde vorgeworfen, durch ihr Verhalten die finanzielle Schieflage der Wohnbaugenossenschaft verschlimmert zu haben. Unter anderem ging es darum, dass sie es über Jahre unterlassen haben sollen, eine ordentliche Buchhaltung zu führen. Sie hätten keine Zwischenbilanz erstellt und nach dem Verkauf eines Teils der Liegenschaften keine Wertberichtigung vorgenommen.

Die Bank machte als Strafklägerin Zivilforderungen geltend. Vom hauptangeklagten Architekten verlangte sie rund 1,7 Millionen Franken zuzüglich Zins seit 2001, vom Treuhänder 415 000 Franken. Die Staatsanwaltschaft forderte bedingte Geldstrafen. Für den Hauptangeklagten beantragte sie 360 Tagessätze zu 100 Franken und eine Busse von 3000 Franken, für den zweiten Beschuldigten 30 Tagessätze zu 400 Franken und eine Busse von 800 Franken.

Schuldensanierung gescheitert

Beide Beschuldigten betonten vor den Schranken, sie könnten es nicht verstehen, dass sie angeklagt worden seien. Man habe lange Zeit mit der Bank über eine Schuldensanierung verhandelt und damit gerechnet, dass sie gelinge, erklärte der Architekt. Dass dann alles aus dem Ruder gelaufen sei, könne man nicht dem Vorstand der Wohnbaugenossenschaft anlasten. Nicht zuletzt wegen der damaligen Immobilienkrise habe ein heilloses Durcheinander geherrscht.

Sein Verteidiger bezweifelte, dass es sich um einen strafrechtlich relevanten Fall handelt. Erwiesen sei auch, dass der Hauptverantwortliche bei der Genossenschaft der verstorbene Präsident gewesen sei. Der Verteidiger des Treuhänders verlangte ebenfalls einen Freispruch. Aus der Anklageschrift gehe nicht einmal hervor, was genau seinem Mandanten, der später als die anderen zur Wohnbaugenossenschaft gestossen sei, vorgeworfen werde.

Schuldsprüche gefällt

Das Kreisgericht fällte für beide Angeklagte Schuldsprüche. Den Architekten verurteilte es wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung und Misswirtschaft zu einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 60 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren. Für den Treuhänder sprach es wegen Misswirtschaft 30 Tagessätze zu 220 Franken aus. Die Zivilforderungen der Strafklägerin wurde teilweise geschützt. (cis)

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