Nach Essen nun auch Schlafen

Die Säntis Gastronomie AG feiert ihr 25-Jahr-Jubiläum. Von Rasten und Rosten ist bei dem Gastro-Unternehmen nichts zu spüren. Im Gegenteil. Kürzlich hat es sogar ein Hotel eröffnet.

Nina Rudnicki
Merken
Drucken
Teilen
Ein Vierteljahrhundert Säntis Gastronomie wurde bei den Olma Messen gefeiert, da das Unternehmen dort seinen Ursprung hat. (Bild: PD)

Ein Vierteljahrhundert Säntis Gastronomie wurde bei den Olma Messen gefeiert, da das Unternehmen dort seinen Ursprung hat. (Bild: PD)

Wenn er an die Zukunft der Säntis Gastronomie AG denkt, dann fallen Geschäftsführer Rico Zindel zahlreiche Ideen ein. Das war schon vor zwei Jahren so, als er eine Kreativgruppe gegründet hatte. Seither hat er das Catering-Unternehmen Front Cooking eingeführt. Dabei wird auf modularen Kücheninseln mitten in Messehallen gekocht, so dass die Besucher den Köchen über die Schulter schauen können. Auch ein neues Cafébar-Konzept hat die Kreativgruppe entwickelt. In der mobilen Bar werden morgens Brot und Gipfeli gebacken. Mittags lässt sich die Cafébar mit ein paar Handgriffen in eine Wok-Kochstation umwandeln und am Nachmittag in eine Cüpli-Bar. Mitte September hat die Säntis Gastronomie ihr 25-Jahr-Jubiläum gefeiert (siehe Kasten). Nun befindet sich das Unternehmen mitten in einer Neuausrichtung – die umgesetzten Trends wie Front Cooking und mobile Cafebars sind nur dessen Anfang.

So eröffnet die Säntis Gastronomie am Samstag mit ihrer neuen Tochterfirma Säntis Home AG ihr erstes Hotel, das Holiday Inn in Schindellegi. Für ein Holiday Inn hat sich Zindel entschieden, weil es eine starke, internationale Marke ist. «Es stand bei uns nie zur Diskussion, ein Hotel ohne internationale Anbindung zu eröffnen. Denn dann wäre es bedeutend schwieriger, erfolgreich zu sein», sagt Zindel. Das Ziel sei es, relativ schnell erfolgreich zu sein, kostendeckend zu arbeiten und die Zahl der Übernachtungen zu erhöhen. Nächste Woche, in der ersten Woche nach der Eröffnung, ist das Holiday Inn laut Zindel bereits an zwei Abenden ausgebucht.

Ein zweites Hotel, ein Holiday Inn Express, soll in eineinhalb bis zwei Jahren in Luzern eröffnen. Den 20 Jahre dauernden Mietvertrag hat die Säntis Home AG bereits unterschrieben. Der Plan hingegen, in Landquart ein Hotel zu bauen, ist laut Zindel wegen des Todes des dortigen Gemeindepräsidenten erstmals ins Stocken geraten. Und auch in St. Gallen, also in der Nähe seines Hauptsitzes, schaut sich das Unternehmen derzeit nach einem geeigneten Objekt um. «Wir sind mit der Standortförderung in Kontakt», sagt er. «Bislang hat sich aber noch nichts Konkretes ergeben.»

Als Gast selber kochen

Sich dazu entschieden, in die Hotelbranche überhaupt einzusteigen, hat sich Zindel wegen der schwierigen Lage, in der sich die Gastronomie befindet. So nimmt beispielsweise die Konkurrenz durch Take-Away-Anbieter zu. «Ausserdem haben wir immer wieder Offerten für Betriebsübernahmen bekommen», sagt er. Bei dem Angebot aus Schindellegi habe schliesslich alles gestimmt. Durch die Übernahme des dortigen Hotels ist das St. Galler Unternehmen um 27 Mitarbeitende auf über 450 angewachsen. So sind in der Säntis Gastronomie 406 Teilzeit-Mitarbeitende und 20 Vollzeitmitarbeitende angestellt.

Zindel hat die Führung der Säntis Gastronomie vor drei Jahren übernommen. Er habe noch viele, weitere Ideen. So träumt er beispielsweise von einem Kitchen Club oder einer Kitchen Academy, also von einem Restaurant, in welchem die Gäste zusammen mit den Köchen kochen oder zumindest ihre eigenen Zutaten mitbringen können. «Ob das überhaupt machbar ist, müssen wir überprüfen», sagt er. Dass dieses Konzept bei den Gästen ankommen würde, davon ist er allerdings überzeugt. Der Trend sei, dass die Gäste immer genauer wissen wollen, was sie essen. «Ausserdem zeichnet sich langsam ein Social-Media-Überdruss ab», sagt er. Es gehe vielen Personen wieder darum, miteinander zu reden und gesellschaftlich etwas zu erleben. «Darum sind beispielsweise unsere mobilen Kücheneinheiten ein Erfolg. Während die Gäste in der Schlange stehen und auf ihren Teller warten, können sie miteinander reden und networken.»