Nach der Post schliesst das Lädeli

Die Schliessung der Poststelle St. Georgen hat Folgen: Ein Quartierladen musste wegen ausbleibender Kunden ebenfalls schliessen und der Beck klagt über Umsatzeinbussen. Die Stadt weist den Vorwurf zurück, zu passiv gehandelt zu haben.

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Der St. Geörgler Quartierladen Bertschinger (im Erdgeschoss des gelben Gebäudes) musste Mitte April schliessen, da die Postkundschaft ausblieb. (Bild: Peer Füglistaller)

Der St. Geörgler Quartierladen Bertschinger (im Erdgeschoss des gelben Gebäudes) musste Mitte April schliessen, da die Postkundschaft ausblieb. (Bild: Peer Füglistaller)

Eine Poststelle gehörte früher zur Grundausstattung eines Quartiers – wie der Metzger oder der Quartierladen. Inzwischen sind einige Poststellen in der Stadt St. Gallen ganz verschwunden, andere wurden in den vergangenen Jahren in Agenturen umgewandelt (Kasten). «Oft mit Folgen für das Leben in den Quartieren», sagt Martin Boesch vom Komitee «Unsere Post muss bleiben», das sich für den Erhalt der Poststellen in der Stadt St. Gallen einsetzt.

Auch Quartierladen schliesst

Diese Folgen würden sich jetzt in St. Georgen zeigen, sagt Boesch, der auch im Vorstand des Quartiervereins ist. Ende August 2014 schloss die Post ihre Filiale in St. Georgen und eröffnete im Quartierladen Maxi-Markt die erste Postagentur der Stadt. Dem zweiten Quartierladen vis-à-vis des ehemaligen Postgebäudes brach dies das Genick. Weil die Kundenfrequenzen zurückgingen, musste er Mitte April schliessen. Und auch «Dorfbeck» Werner Ruppeiner, dessen Bäckerei sich neben dem ehemaligen Postgebäude befindet, kämpft seither mit Umsatzeinbussen. «Die Schliessung der Poststelle hat mich etwa ein Prozent der Kundschaft gekostet, jene des Quartierladens nochmals zwei Prozent», sagt Ruppeiner. Das töne nach wenig, sei aber deutlich spürbar.

Boesch kritisiert die passive Rolle der Standortförderung bei der Suche nach einem Standort für die Postagentur. Sie habe den Ball dem Quartierverein zugespielt. «Dabei hätte sie dieses Thema unbedingt genauer anschauen müssen, da von einem solchen Entscheid auch die Entwicklung des Quartiers abhängt.» Schliesslich sei auch im Richtplan festgeschrieben, die Stadt müsse sich für starke Quartierzentren einsetzen.

Das Poststellennetz untersucht

Stadtpräsident Thomas Scheitlin widerspricht. Die Stadt habe die Restrukturierung des Poststellennetzes nicht stillschweigend hingenommen, sondern intensive Diskussionen mit der Post geführt. Der Stadtrat habe zusammen mit der Post, der Stadtplanung und der Standortförderung eine Auslegeordnung gemacht und das städtische Poststellennetz aufgrund verschiedener Grundlagen wie etwa der Quartierentwicklung untersucht. «Unser wichtigstes Anliegen war, dass die Postversorgung sichergestellt bleibt.» Das sei gelungen. Bis auf die Poststelle Heiligkreuz habe das bestehende Poststellennetz beibehalten werden können. «Dass in St. Georgen ein Quartierladen schliessen musste, weil die Post um wenige hundert Meter verschoben wurde, ist eine Vermutung. Ein kausaler Zusammenhang ist nicht nachgewiesen.»

Scheitlin verteidigt auch den Entscheid, die Verhandlungen über den Standort der Postagentur dem Quartierverein zu übertragen. Dadurch habe man versucht, eine gute Lösung für das Quartier sicherzustellen. Ausserdem sei Quartierentwickler Peter Bischof in die Verhandlungen involviert gewesen. Der Stadtpräsident verneint auch, dass die Post einen Verhandlungspartner mit mehr Kampfgewicht gebraucht hätte. «Wenn sich gezeigt hätte, dass der Quartierverein und die Post keine für beide Seiten akzeptable Lösung finden, hätte sich die Stadt eingeschaltet.»

«Gute Lösung» für St. Fiden

Bezüglich der nach wie vor ungeklärten Zukunft der Poststelle St. Fiden, die eine von nur vier Lehrlingspoststellen in der Schweiz ist, werde der Stadtrat jedenfalls keine weiteren Versuche unternehmen, die Umwandlung in eine Agentur zu verhindern – «solange es auch dort eine gute Lösung gibt».

Martin Boesch SP-Stadtparlamentarier, Komitee «Unsere Post muss bleiben» (Bild: Benjamin Manser)

Martin Boesch SP-Stadtparlamentarier, Komitee «Unsere Post muss bleiben» (Bild: Benjamin Manser)

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