Mutiges, schlagfertiges Grüppchen

Die SP hat in der Stadt Gossau nicht viel zu melden. Gleichwohl hat die Partei bewiesen, dass sie dem politischen Gossau gut tut.

Sebastian Schneider
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Bild: Sebastian Schneider

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Gossau kann keine Stadt sein. Auf diesen Schluss mögen zumindest politische Bürger kommen, die den Wähleranteil der Sozialdemokraten in Schweizer Städten kennen. In der Stadt St. Gallen zum Beispiel könnte die SP zusammen mit den Grünen am 25. September eine Mehrheit im Parlament erringen. In Gossau ein unvorstellbares Szenario. Die SP schaffte bei den vergangenen Wahlen gerade einmal Fraktionsstärke, und eine Grüne Partei gibt es nicht. Das Wahlverhalten der Gossauer Wahlberechtigten ist einer kleinen Landgemeinde ähnlicher als einer Stadt, was auch die Kantonsratswahlen von Ende Februar belegen. Die SP war in Gossau mit 12,6 Prozent nicht viel beliebter als in Andwil, wo die SP auf 9,2 Prozent Stimmenanteil gekommen ist.

Mit dem Riecher für Oppositionspolitik

Wer in Gossau linke Politik machen will, braucht Mut. Dass diese Sektion diese Voraussetzung erfüllt, hat sie mit ihrem Engagement in der auslaufenden Legislatur bewiesen. Und mit dem Einsatz für Fahrende in Gossau hat die Ortspartei auch gezeigt, dass sie weiss, wie Oppositionspolitik funktioniert. Anstatt nach der Parlamentsabstimmung die Faust im Sack zu machen, lancierten SP-Mitglieder eine Initiative und trommelten ein breit abgestütztes Komitee zusammen. Mit dem Einsatz des direktdemokratischen Instruments verlagerte sich die politische Diskussion vom Parlament zum Stimmvolk, was angesichts des emotionalen Themas richtig und nötig war. Das politische Gossau wurde wachgerüttelt, und auf einmal war die Stadt auch für überregionale Medien interessant. Die Skepsis gegenüber dem Durchgangsplatz an der Wehrstrasse überwog dann aber auch in der Bevölkerung: 57, 1 Prozent sagten bei der Abstimmung Anfang Juni Nein. Die Gossauer SP ging mit ihrer Niederlage besser um als ihre Mutterpartei in den meisten Fällen: Die Exponenten feierten die 43-Prozent-Minderheit nicht als einen Achtungserfolg, sondern kritisierten unentwegt ihre Gegner, die «acht Gewerbe-Männer».

Ohnehin ist die SP Gossau-Arnegg ein verhältnismässig schlagfertiger Trupp: Sie hat zwar kaum Mitglieder, ist im Kantonsrat aber zweifach und im Stadtparlament dreifach vertreten.

Zwei Hochzeiten sind eine zu viel

Angesichts der Parteigrösse – die Partei hatte Ende 2015 nach eigenen Angaben 20 Mitglieder – wird es für die Sektion nicht leicht gewesen sein, eine Liste mit einer anständigen Länge zusammenzubringen. Immerhin elf Kandidatinnen und Kandidaten sind nun aufgeführt. Doch einen Makel hat die Liste. Die beiden jungen Kandidatinnen Lea Moser und Angela Derungs kandidieren nicht nur in Gossau, sie sind auch auf der Liste der Juso und Gewerkschaften der Stadt St. Gallen zu finden (siehe Seite 34). Das dürften viele Wähler nicht goutieren. Auch als Jungpolitiker sollte einem bewusst sein: Man tanzt nicht auf zwei Hochzeiten.