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Muskelkater kennt er nicht

Paul Wehrle arbeitet seit 40 Jahren als Zügelmann. Er hat in dieser Zeit ganze Haushalte von St. Gallen nach Paris, London, Philadelphia oder Hamburg transportiert und dabei viel gesehen – auch Peinliches.
Michèle Vaterlaus
Hat auch schon 30 000 Franken unter einem Kopfkissen gefunden: Zügelmann Paul Wehrle. (Bild: Ralph Ribi)

Hat auch schon 30 000 Franken unter einem Kopfkissen gefunden: Zügelmann Paul Wehrle. (Bild: Ralph Ribi)

Muskelbepackt ist er nicht. Obwohl er mehrmals täglich mehrere Kilogramm schleppt: Möbel und Kisten. Paul Wehrle feiert heute sein 40jähriges Jubiläum als Zügelmann beim Stadtsanktgaller Zügelunternehmen Ruckstuhl. Doch eigentlich hat der 59-Jährige eine Ausbildung zum Bauern gemacht.

Einer zu viel auf dem Hof

«Meine Eltern hatten in Goldach einen Hof. Ich habe dort gearbeitet», erzählt Paul Wehrle. Als sein jüngster Bruder ebenfalls Bauer wurde, sei einer zu viel auf dem Hof gewesen. «Deshalb habe ich mich entschieden, als Zügelmann zu arbeiten.» Vermisst habe er die Landwirtschaft nie. «Ich finde meinen Job spannend. Ich treffe jeden Tag neue Menschen an verschiedenen Orten.»

So hat er als Umzugsteamleiter nicht nur Umzüge in der Ostschweiz organisiert, er hat auch für Auswanderer die Möbel gepackt. Oder für Geschäftsleute Kisten geschleppt, die in die USA, nach Frankreich, Portugal oder Deutschland reisten. «Das war natürlich in den 1980ern aktuell, während der Hochkonjunktur», sagt Wehrle. Heute erlebe er das nicht mehr so oft. Sowieso sei früher einiges anders gewesen.

Möbel waren robuster

Die Unterschiede beginnen bereits bei den Möbeln. «Sie waren früher kleiner und robuster. Heute überleben manche Möbel einen Umzug gar nicht mehr», sagt Paul Wehrle. Doch vieles habe sich ins Positive verändert: «Die Lastwagen sind heute viel komfortabler. Wir haben in den meisten Mehrfamilienhäusern einen Lift und wenn nicht, haben wir unseren Zügellift.»

Wichtig sei für einen Zügelmann aber trotzdem, dass er alles richtig hebe. «Damit wir keine Rückenprobleme bekommen», erklärt er. «Denn wenn man chronische Schmerzen hat, muss man mit diesem Job aufhören.» Wehrle hat solche Probleme nicht. Er ist in Bestform. Nach getaner Arbeit hat er nicht einmal Muskelkater. «Ausser wenn ich drei Wochen Ferien hatte und am Strand relaxed habe, dann merke ich das schon.»

Nebenbei bemerkt Wehrle: «Bei manchen Umzügen haben wir zu Fuss schon mehr Kilometer zurückgelegt als mit dem Lastwagen.»

Paul Wehrle betreibt darum auch keinen Sport mehr. «Früher habe ich noch Karate gemacht oder Fussball gespielt. Aber in meinem Beruf bewege ich mich ja sowieso sehr viel.» Darum nimmt er es in seiner Freizeit gemütlich. «Ich gehe am Wochenende mit meiner Frau spazieren. Im Sommer schwimme ich auch mal, aber ich mache nichts sehr intensiv.»

Pornoheftli und Vibratoren

Während Paul Wehrle erzählt, erinnert er sich auch an witzige Erlebnisse, die ihm in den 40 Jahren als Zügelmann widerfahren sind. «Es ist schon vorgekommen, dass ich in einem Schlafzimmer Pornoheftli oder Vibratoren entdeckt habe. Da musste ich schmunzeln», erzählt er. Einmal habe er sogar 30 000 Franken unter einem Kopfkissen gefunden. «Das musste ich natürlich dem Auftraggeber melden. Er hatte das Geld einfach dort vergessen.»

Scherz mit dem Kassier

Ein ganz besonderer Umzug war für Paul Wehrle jener der St. Galler Kantonalbank. Sie zog vor Jahren von der Waisenhausstrasse an die St. Leonhard-Strasse. «Als wir den Tresor zügeln mussten, war ich der Einzige aus meinem Team, der wusste, was wir da zügeln. Es war streng geheim.» Mit dem Kassier der Bank hat er sich dennoch einen Scherz erlaubt: «Ich habe Geld versteckt. Da ging natürlich die Rechnung nicht auf», sagt Paul Wehrle lachend. «Naja, ich habe das dann aber schnell aufgelöst. Dem Kassier war nicht mehr ganz wohl.»

An alle Erlebnisse könne er sich aber nicht erinnern. «Es passiert jeden Tag etwas Neues. Da vergisst man einiges. Aber genau das fasziniert mich an meinem Job.»

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