Musikalischer Zehnkämpfer

Die katholischen Kirchenchöre der Region danken: Dreizehn Jahre lang hat Domkapellmeister Hans Eberhard in ihrem Vorstand mitgewirkt; nun ist er zurückgetreten. Inspirieren wird er sie allerdings auch weiterhin.

Josef Osterwalder
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Domkapellmeister Hans Eberhard ist Befürworter einer grossen kirchenmusikalischen Breite. (Bild: Michel Canonica)

Domkapellmeister Hans Eberhard ist Befürworter einer grossen kirchenmusikalischen Breite. (Bild: Michel Canonica)

Welche Musik soll man in einem Gottesdienst spielen? Wie kommt ein Kirchenchor heute noch an: mit lüpfigem Mozart, swingenden Spirituals oder mit archaisch-ernster Gregorianik? Mit solchen Fragen plagen sich alle Kirchenchöre herum. Verständlich, dass sie sich darum zusammengeschlossen haben, um diese gemeinsam zu studieren.

Hans Eberhard als Anreger

Sie werden mit ihren Fragen nicht allein gelassen. Denn Domkapellmeister Hans Eberhard fühlt sich nicht einfach nur der Musik im Dom verpflichtet. Mit diözesanen und regionalen Singtagen gibt er breite Anregungen für gottesdienstliche Musik. Zeigt, wie mit Modulen aus schwereren oder leichteren Stücken die Liturgie bereichert werden kann. Gleichzeitig bieten die von ihm herausgegebenen St. Galler Kirchenmusikhefte vielseitige Unterlagen, die von der Singgruppe bis zum ambitionierten Kirchenchor benützt werden können.

Möglich ist dieses breite Wirken, weil Hans Eberhard keine Berührungsängste kennt, er fühlt sich beim Dirigieren einer grossen Orchestermesse genau so daheim wie dann, wenn er mit der Singgruppe der Dompfarrei für eine Maiandacht übt. Von daher erklärt sich auch seine Offenheit und sein Einsatz für die Vereinigungen, in denen sich die Kirchenchöre zusammengeschlossen haben.

Ehrung in der Region

Im Bistum St. Gallen gibt es einen diözesanen Kirchenmusikverband, der die grossen Projekte angeht; zudem neun regionale Verbände, die die Zusammenarbeit in der näheren Nachbarschaft pflegen. Jener der Region St. Gallen hielt am Montagabend seine Delegiertenversammlung, bei der vor allem ein Traktandum bewegte: der Dank an Hans Eberhard, der nach dreizehn Jahren aus dem Vorstand zurückgetreten ist. In diesem hatte er die kirchenmusikalischen Belange wahrgenommen; dies wird nun Sache einer neu zu bildenden Musikkommission sein.

Der von Elisabeth Stehle und Christian Rothenberger geleitete Regionalverband dankt darum so herzlich, weil unter Hans Eberhard der Graben zwischen Domchor und «gewöhnlichen» Chören überwunden wurde. Man musiziert zwar nicht in der gleichen Liga, doch im Grundanliegen ist man verbunden: die Musik partnerschaftlich in die Liturgie einzubringen. Denn Musik soll nicht einfach Pausenfüller, sondern Verkündigung sein.

Vom Vater gelernt

Hier kommt Hans Eberhard nicht nur eine breite kirchenmusikalische Ausbildung, sondern auch seine reiche Erfahrung zugute. Schon als kleiner Knirps setzte er sich in Bütschwil zum Vater auf die Orgelbank, staunte, wenn sich an Festtagen ein ganzes Orchester samt Solistenquartett zum Chor gesellte. Als Seminarist in Wattwil fegte er seine Boogies über die Klaviertasten. Dann übernahm er in der Pfarrei immer mehr musikalische Aufträge, vom Kinder- und Erwachsenenchor über den Orgeldienst bis zur Jugendband.

Neues Stellenprofil

Damit wurde ein neues, wegleitendes Stellenprofil gebildet: ein Kirchenmusiker, der sich ohne Scheu auf die heutige musikalische Breite einlassen kann. «Musikalischer Zehnkämpfer», nennt Hans Eberhard dieses Profil; es ist anspruchsvoll und chancenreich zugleich.

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