«Musik ist eine Weltsprache»

Morgen wird am Tag der klingenden Instrumente über musikalischen Unterricht informiert. Musikschulleiter Helmut Hefti über Trends, Kosten und Auswirkungen der Musik aufs Hirn.

Kathrin Reimann
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«Jahrelange knochenharte Arbeit»: Der Musikunterricht liegt Helmut Hefti sehr am Herzen. (Bild: Michel Canonica)

«Jahrelange knochenharte Arbeit»: Der Musikunterricht liegt Helmut Hefti sehr am Herzen. (Bild: Michel Canonica)

Herr Hefti, was spricht dafür, dass man heutzutage überhaupt noch ein Instrument spielen lernt?

Helmut Hefti: Da gibt es verschiedenste Gründe. Die Musik erfrischt das Gehirn, sie ist ein gutes Medium für die Entwicklung des limbischen Systems. Ausserdem macht Musik glücklich und vermittelt positive Botschaften. Sie hat auch eine soziale Funktion; sie ist eine Weltsprache, verbindet Kulturen und lässt Grenzen verschwinden.

Jedes Jahr öffnen Sie die Türen Ihrer Zentren. Aus welchen Gründen?

Hefti: Wir wollen dem Musikunterricht ein Gesicht geben und unsere Zentren, zwei wahre Bijous, zeigen, zugänglich machen und sie zum Klingen bringen. Und auch unseren Lehrern ist bewusst, dass dies ein wichtiger Tag ist: Von insgesamt 96 Lehrern sind am Samstag 70 hier.

Wie kommt dieser Tag der klingenden Instrumente jeweils an?

Hefti: Das Interesse daran ist sehr gross, ich bin jedes Mal wieder positiv überrascht, wie viele Leute unseren Anlass besuchen. Und es kommen alle, von der jungen Familie mit Kinderwagen bis zu den Grosseltern.

Interessieren sich Familien mit Migrationshintergrund auch für den Musikunterricht?

Hefti: Es gibt gewisse Kulturen, die sehr grossen Wert auf Musik legen. Das spiegelt sich auch bei unseren Lehrern, die stammen aus insgesamt zwölf verschiedenen Nationen. Aber oftmals können sich Familien aus finanziellen Gründen den Musikunterricht nicht leisten.

Also dann passt das Klischee, wonach Musikunterricht nur etwas für gut Betuchte sei?

Hefti: Mit dem Basis-Musikunterricht reichen wir jedem Kind so etwas wie ein musikalisches Grundwasser. Diesen durchzubringen war aber knochenharte Arbeit, die sich über fünf Jahre erstreckt hat. Aber nicht jede Schule verfügt über einen solchen Unterricht. Ausserdem bieten wir Kurse an, die eher im tiefen Preissegment liegen, wie etwa Blockflötenkurse. Der Einzelunterricht kostet zwar etwas, aber St. Gallen bietet im Vergleich mit anderen Städten hier musikfreundliche Preise.

Ist die Beliebtheit der Instrumente gewissen Trends ausgesetzt?

Hefti: Im Moment ist die Geige wieder im Aufwind, nachdem dies in der Vergangenheit eher beim Saxophon und dem Schlagzeug der Fall war. Klavier und Gitarre sind immer gleich stark beliebt, das verändert sich kaum. Holz- und Blechblasinstrumente zeichnen etwas schwächer. Auch Gesangsstunden sind beliebt.

Haben die Besucher des Tags der klingenden Instrumente eine fixe Idee davon, welches Instrument sie erlernen wollen?

Hefti: Oft sind unsere Gäste von einem bestimmten Wunsch beseelt. Es gibt aber auch neue Entdeckungen, die gemacht werden. Oft spielt es auch eine Rolle, welche Instrumente zu Hause gespielt werden. Dann gibt es auch Menschentypen, manche sind richtige Bläser. Am wichtigsten bei der Instrumentenwahl ist aber, dass man motiviert ist.

Ihre Kurse richten sich auch an Erwachsene. Wie wird dies genutzt?

Hefti: Rund zwölf Prozent unserer Schüler sind Erwachsene. Oft sind es Rückkehrer, Leute, die früher ein Instrument gespielt haben und das nun wieder auffrischen wollen.

Welches Instrument spielen Sie?

Hefti: Ich spiele Gitarre, ergänzend habe ich hier ein kleines Pensum als Musiklehrer und leite seit neun Jahren die Musikschule St. Gallen. Doch nicht mehr lange, am 31. Juli werde ich pensioniert.

Dann wird das Ihr letzter Tag der klingenden Instrumente. Wie fühlt sich das an?

Hefti: Die Tagesetappe ist mir Ziel genug. Ausserdem bleibt die Musik immer ein Teil meines Lebens, von ihr werde ich nie pensioniert.